Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Landtagswahl in Sachsen: CDU hofft auf Kretschmer, AfD will zulegen
Region Mitteldeutschland Landtagswahl in Sachsen: CDU hofft auf Kretschmer, AfD will zulegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:24 09.09.2018
Laut der LVZ-Umfrage würden sechs Parteien in den sächsischen Landtag einziehen. Quelle: dpa
Leipzig

Wenn am Sonntag in Sachsen die Landtagswahl gewesen wäre, gebe es heute ein gewaltiges Problem: Jede bislang bekannte – oder denkbare – Regierungskonstellation würde unmöglich sein. Infrage kämen nur eine CDU/AfD-Koalition, was die Union allerdings schon ausgeschlossen hat, sowie ein Vierer-Bündnis aus CDU, SPD, Grünen und FDP, das momentan kaum realistisch erscheint. Das ist das Ergebnis der großen LVZ-Umfrage zur Landtagswahl 2019, die am 1. September des kommenden Jahres stattfinden wird. Die Reaktionen der Parteispitzen im Freistaat sind entsprechend.

Die CDU hat im Vergleich zur Abstimmung von 2014 rund zehn Prozentpunkte verloren – und will in den nächsten zwölf Monaten wieder Boden gut machen. Die Schlüsselfigur heißt dabei Michael Kretschmer: Der seit einem Dreivierteljahr amtierende Regierungschef soll es an vorderster Front richten.

„Wir werden weiter hart für Sachsen arbeiten, Probleme lösen und den direkten Austausch mit den Bürgern pflegen. Allen voran unser Ministerpräsident Michael Kretschmer, der sich in kurzer Zeit großes Vertrauen in der Bevölkerung erarbeitet hat und sich mit ganzer Kraft für Sachsen einsetzt“, sagt Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks (30). Die Umfrage mache „aber auch deutlich, dass nur eine starke sächsische Union politische Stabilität im Freistaat garantiert“, so Dierks.

Interessanterweise punktet die CDU in dem Stimmungstest ein Jahr vor der Landtagswahl, für den vom Leipziger Meinungsforschungsinstitut Uniqma vom 20. bis 28. August 703 repräsentativ ausgewählte wahlberechtigte Sachsen befragt wurden, mit 31 Prozent überdurchschnittlich bei mittleren Jahrgängen (30 bis 49 Jahre) und bei niedrigeren Bildungsgraden (36 Prozent) – das sind die jeweiligen Bestwerte unter allen Parteien. Insgesamt kommt die Union nur auf 29 Prozent.

Die AfD, die mit 24 Prozent zweitgrößte Fraktion im Landtag werden würde, ist ebenfalls unter den mittleren Jahrgängen am stärksten (28 Prozent), liegt bei Jüngeren (18 bis 29 Jahre) mit 16 Prozent aber weit zurück. Und: Während sich 35 Prozent der Befragten mit mittleren Abschlüssen – also Real- oder Mittelschule, Facharbeiter – für die AfD entscheiden wollen, sind es bei geringer Qualifizierten (16 Prozent) wie auch bei Wählern mit Abitur oder Studium (18 Prozent) deutlich weniger. Die LVZ-Umfrage ergab außerdem: Bei Jüngeren sind insbesondere die CDU (26 Prozent), Linke (26 Prozent), die FDP (14 Prozent) und die SPD (13 Prozent) stark, wobei die drei Letztgenannten über ihrem jeweiligen Gesamtergebnis liegen. Die Grünen (10 Prozent) punkten im mittleren Altersbereich überdurchschnittlich.

AfD-Landeschef Jörg Urban (54) sieht sich durch die Umfrageergebnisse bestätigt und das Vertrauen in seine Partei wachsen. „Der Trend der CDU zeigt nach unten, weil diese Partei nach und nach alle konservativen Werte über Bord wirft. Das Ziel der CDU ist nicht das Wohl Sachsens, sondern der Machterhalt“, sagt Urban, der der Union einen „Linksschwenk“ attestiert und seiner Partei eine noch größere Wählerschaft prophezeit. „Ich rechne zur Landtagswahl mit deutlich über 30 Prozent für die AfD“, gibt sich der AfD-Landes- und Fraktionschef optimistisch.

Für die Linke ist deren Landesvorsitzende Antje Feiks (39) froh, dass die Partei aus dem Umfragetief des vergangenen Jahres herausgefunden hat und derzeit – auch in anderen Wählerbefragungen – stabile Werte knapp unter 20 Prozent aufweist. „Zufrieden sind wir allerdings nicht, sondern wir wollen kämpfen. Sachsen braucht eine andere Politik“, macht Antje Feiks klar und formuliert ein klares Ziel: „Wir wollen mindestens zweitstärkste Kraft bleiben.“ In Sachsen müsse der soziale Frieden wiederhergestellt werden, sagt die Linkenchefin – „das leistet derzeit keine CDU, und auch eine AfD ist daran nicht interessiert“.

Ähnlich sieht es Sachsens SPD-Generalsekretärin Daniela Kolbe (38): „Dieses Land braucht keine Politik, die Angst schürt und Menschen gegeneinander aufbringt, ohne ernstzunehmende Antworten auf die wirklich drängenden Probleme vorzuweisen.“ Dank der SPD sei in Sachsen „der Staat nach Versäumnissen vergangener Regierungen endlich mit mehr Lehrern, mehr Polizei und besserer Betreuung in den Kitas spürbar zurückgekehrt“. Die LVZ-Umfrage zeige zudem, so Daniela Kolbe: „Wer nächstes Jahr eine verlässliche Regierung ohne Rechtspopulisten haben will, findet in der SPD eine verlässliche Kraft.“

Im Aufwind befinden sich die sächsischen Grünen, die in der Umfrage bei sieben Prozent liegen. „Unsere klare Haltung beim Klimaschutz, genauso wie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zu den Grundwerten unserer Demokratie zahlt sich aus“, meint die Landesvorsitzende Christin Melcher (35), „wir kämpfen für das andere Sachsen, eine gesellschaftliche Modernisierung des Freistaats und eine Politik, die das Heft des Handelns in der Hand behält.“ Die steigenden Mitgliederzahlen würden zudem zeigen, „wie viele Menschen für unsere Werte eintreten wollen“.

Die Liberalen, die aktuell nicht mehr im Landtag vertreten sind, sehen die Ergebnisse als eine gute Ausgangsbasis für den Wahlkampf. „Die Umfrage zeigt, dass wir wachsam und hoch konzentriert bleiben müssen, weil noch nichts sicher ist. Vor allem aber haben wir noch ganz viel Luft nach oben“, erklärt FDP-Landeschef Holger Zastrow (49). Gleichzeitig kündigt er an, seine Partei „in diesen komplizierten Zeiten als Alternative zur Alternative, zur CDU und zu allen anderen aufzubauen“.

Dass kaum jemand ihre neue Blaue Partei kennt, lässt Frauke Petry (43) noch unbeeindruckt: „Das Ergebnis der Umfrage überrascht uns nicht. Die Blaue Partei befindet sich wenige Monate nach der Gründung und ein Jahr vor der Landtagswahl mitten im Aufbau.“ In Sachsen und Thüringen würden derzeit „flächendeckend Regionalgruppen“ gegründet, womit man vor Ort sichtbar werde. Die frühere AfD-Vorsitzende gehört laut Umfragen zu den drei bekanntesten Politikern in Sachsen – auf diese Zugkraft setzt die Blaue Partei, die in der LVZ-Wahlbefragung nur bei 0,4 Prozent einkommt. Es bestehe kein Zweifel daran, dass ihre Partei zur Landtagswahl präsent sein werde, kündigt Frauke Petry an.

Von Andreas Debski

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Jahr vor der sächsischen Landtagswahl hat die LVZ eine Umfrage initiiert, um die Stimmung im Freistaat zu testen – jetzt reagieren die Parteispitzen auf die Ergebnisse. Während die Regierungsparteien CDU und SPD nicht zufrieden sind und zulegen wollen, sieht sich die AfD weiter im Aufwind und ihr Potenzial bei deutlich über 30 Prozent.

09.09.2018

Nach einem Streit zwischen mehreren Männern in Köthen ist ein 22-Jähriger gestorben - offenbar an Herzversagen. Gegen zwei Afghanen wurden Haftbefehl erlassen. Am Abend gingen Hunderte Menschen auf die Straße. Die Polizei dementiert Gerüchte zur Verletzung.

09.09.2018

Verlassene Kinos und Schwimmbäder, sogar eine Hinrichtungsstätte steht auf dem Programm: In Leipzig öffnen am Sonntag Dutzende historische Gebäude und Zeugnisse der Vergangenheit öffnen ihre Tore.

09.09.2018