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Mitteldeutschland Rente mit 63 in Mitteldeutschland ein Renner
Region Mitteldeutschland Rente mit 63 in Mitteldeutschland ein Renner
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09:51 11.07.2018
Ausruhen nach einem arbeitsreichen Leben: Die Rente mit 63 ist in Mitteldeutschland ein Renner. Quelle: dpa
Leipzig

Mit 63 in den Ruhestand – und das ohne Abschläge: Auch im vierten Jahr nach ihrer Einführung bleibt die Rente mit 63 sehr beliebt in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Allerdings ebbt auch die Kritik an ihr nicht ab. Angesichts zunehmenden Arbeitskräftemangels spricht die Wirtschaft von einer Fehlkonstruktion.

Bei der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland wurden bis Juni dieses Jahres insgesamt 9608 Anträge gestellt – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 10 766. 4423 Anträge kamen von Versicherten mit Wohnort Sachsen und 2592 aus Thüringen.

Vermutlich ist die Zahl der Antragsteller rund doppelt so hoch. Denn die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland hat rund 2,1 Millionen Versicherte, das macht etwa die Hälfte der Rentenversicherten in den drei Ländern aus. Andere Arbeitnehmer sind bei der Deutschen Rentenversicherung Bund beziehungsweise bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See versichert. Diese schlüsseln die Zahl der Anträge jedoch nicht für die einzelnen Länder auf.

Seit Juli 2014 können Arbeitnehmer, die mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, ohne Einbuße in den Ruhestand gehen. Bis April dieses Jahres haben bundesweit bereits eine Million Menschen Anträge gestellt – weit mehr als erwartet. Davon wurden bis April 985 299 bewilligt.

Die Rente mit 63 habe die Personalsorgen des Mittelstands verschärft, heißt es bei der Vereinigung der sächsischen Wirtschaft (VSW). Gerade für die klein- und mittelständischen Firmen sei es überaus schwierig, die Lücken adäquat zu schließen. Mit den langjährigen Fachkräften gehe den Betrieben zumeist auch großes unternehmensspezifisches Know-How verloren.

Befragungen würden zeigen, dass sich viele Berufstätige aus gesundheitlichen Gründen gar nicht in der Lage sehen, bis 65 oder 67 durchzuhalten, sagt hingegen Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach. „Gut die Hälfte will eher in Rente.“ Die Wirtschaft sollte das endlich zur Kenntnis nehmen. „Wären die Arbeitsbedingungen in den Betrieben besser, würden auch mehr Menschen länger arbeiten wollen.“

Auch für Joachim Ragnitz vom ifo-Wirtschaftsinstitut in Dresden ist die abschlagsfreie Rente mit 63 „eine Fehlkonstruktion, denn damit werden dem Arbeitsmarkt dringend benötigte Fachkräfte entzogen“. Problematisch sei das Ganze auch deshalb, weil sich die Rente mit 63 eigentlich nur „gut qualifizierte Arbeitnehmer mit überdurchschnittlichen Einkommen“ leisten könnten. Generell müsse jeder, der eher in Rente geht, Einkommensverluste hinnehmen. Auch wenn die Rente mit 63 abschlagsfrei gezahlt werde, bleibe sie niedriger als das Arbeitsentgelt. „Denn“, so Ragnitz weiter, „mangels Beitragszahlungen werden ja auch keine zusätzlichen Rentenansprüche mehr akkumuliert, so dass es faktisch doch zu einer permanenten Rentenkürzung kommt.“ Ältere Beschäftigte mit geringen Rentenansprüchen könnten sich insoweit den vorzeitigen Ruhestand kaum leisten. Für den ifo-Experten ist in der Rente mit 63 deshalb „ein Wahlgeschenk an die älteren Wahlberechtigten, und hier wiederum vor allem an die Besserverdienenden“.

Von Andreas Dunte

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