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Mitteldeutschland Rotkäppchen-Sekt aus Freyburg drängt in die deutschen Restaurants
Region Mitteldeutschland Rotkäppchen-Sekt aus Freyburg drängt in die deutschen Restaurants
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21:43 05.12.2018
Rotkäppchen-Sekt aus Freyburg soll in Zukunft auch in den Restaurants öfters auf die Karte kommen. Quelle: Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Freyburg

Wenn es um die Frage geht, wo Deutschlands Sekthauptstadt liegt, muss Christof Queisser nicht lange überlegen. „Das Herz des deutschen Sekts schlägt in Freyburg“, sagte der gebürtige Hesse, der seit fünf Jahren an der Spitze des unangefochtenen Marktführers Rotkäppchen-Mumm steht. 27.000 Flaschen verlassen allein den Stammsitz im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis pro Stunde.

Und auch wenn der Chef sein Büro nicht hier hat, sondern im fernen Wiesbaden, so lässt er keinen Zweifel daran, dass das Stammhaus weiter die zentrale Rolle spielt. Der neue Produktionschef Mike Eberle, der am 1. Mai 2019 den Posten von Rotkäppchen-Urgestein Ulrich Wiegel übernehmen wird, werde sein Büro daher wie Wiegel ganz gezielt in Freyburg haben.

Der 50-Jährige, wie Queisser gebürtiger Hesse, suche sich gerade eine Wohnung im nahen Naumburg. Ost-Erfahrung bringt der Manager bereits mit: 2008 war er ein Jahr lang Produktionschef bei Sachsenmilch im sächsischen Leppersdorf, lebte in der Zeit mit seiner Familie in Dresden.

Mit Wiegel, der im April 60 wird, verlässt der letzte der Manager, die die Kellerei 1993 von der Treuhand übernommen hatten, das aktive Management. „Das war lange geplant“, sagt Wiegel. Er werde den Nachfolger im April noch einen Monat lang einarbeiten – und sich dann in den Ruhestand verabschieden.

Und er wolle sich dann auch nicht mehr groß einmischen. „Wenn Tipps gefragt sind, kann man mich gern ansprechen. Aber ansonsten machen wir dann einen klaren Schnitt. Sonst funktioniert das nicht.“

Etwas Wehmut schwinge da schon mit. „Da wird mir einiges fehlen.“ Schließlich war er seit 1985 bei Rotkäppchen, hat den Ex-VEB dann nach der Wende zusammen mit Gunther Heise und der Familie Eckes-Chantré als Geldgeber in die Marktwirtschaft geführt und schließlich zum deutschen Marktführer gemacht.

„Das war eine sehr intensive Zeit und hat auch Spaß gemacht.“ Anders als Heise, der vor fünf Jahren vom Chefsessel in den Beirat wechselte, will Wiegel zunächst aber nicht in das Beratungsgremium gehen.Er bleibt aber als Gesellschafter an Bord.

Auf gut 55 Prozent Marktanteil kam Rotkäppchen-Mumm mit allen Marken zusammen zuletzt in Deutschland. Allein 40 Prozent entfielen allein auf die Stammmarke Rotkäppchen, den Rest teilen sich die ab 2002 übernommenen West-Marken Mumm, Jules Mumm, MM Extra und Geldermann.

Gern hätte Queisser auch bei der spanischen Marke Freixenet zugegriffen, die im März an den deutschen Haupt-Konkurrenten Henkell ging. „Bei über 50 Prozent Marktanteil brauchen Sie darüber aber nicht einmal nachzudenken.“ Beim Kartellamt hätte das keine Chance gehabt.

Allein 500.000 Flaschen verlassen pro Tag den Stammbetrieb in Freyburg mit seinen 200 Mitarbeitern. Und dabei handelt es sich nicht nur um Rotkäppchen: Auch MM Extra wird hier für den Ost-Markt abgefüllt – und seit Anfang des Jahres auch Mumm, zumindest die extragroßen Magnum-Flaschen.

Der Grund: Am bisherigen Standort Eltville in Hessen musste Platz geschaffen werden, um neue Anlagen für die Piccolo-Abfüllung aufzustellen. Daher wurde die komplette Magnum-Produktion nach Freyburg verlegt.

Mit der Inbetriebnahme in Eltville vor wenigen Wochen füllt Rotkäppchen-Mumm nun alle prickelnden Getränke – Sekt ebenso wie Sektmischgetränke – wieder selbst ab. Auch den 2014 aufgelegten Fruchtsecco. Zunächst hatte Rotkäppchen das Sekt-Fruchtsaft-Gemisch noch von einem externen Anbieter abfüllen lassen, vor zwei Jahren dann bereits die Produktion der 0,7-Liter-Flaschen nach Eltville geholt. Jetzt folgen auch die kleinen 0,2-Liter-Flaschen. Nur die vor zehn Jahren aufgelegten Rotkäppchen-Weine lässt die Firma weiter extern abfüllen

Sieben Millionen Euro ließ sich Rotkäppchen-Mumm in diesem Jahr den Umbau in Eltville kosten. Die gleiche Summe floss an alle anderen Standorte zusammen. In Freyburg etwa wurde neben der neuen Magnum-Abfüllung, die bis zu 2000 Flaschen pro Tag schafft, auch eine automatische Rüttelanlage für die Flaschengärung eingebaut.

Und in der Kornbrennerei im thüringischen Nordhausen, die seit 2015 zum Konzern gehört, geht im kommenden Frühjahr eine neue Etikettiermaschine in Betrieb.

Ausbauen will Queisser auch das Geschäft mit Gaststätten. „Im Einzelhandel sind wir längst gut vertreten, in der Gastronomie ist das oft noch nicht so.“ Das soll sich jetzt ändern – dank des im Mai übernommenen Weinhändlers Eggers & Franke aus Bremen.

Der habe auch ein starkes Standbein im Geschäft mit Gaststätten und Restaurants, und zwar bundesweit. „Wir haben jetzt ein Team von 50 Leuten, das sich darum kümmert.“ Dadurch will Queisser nun auch mehr eigene Marken auf die Karten der Restaurants bringen.

Von Frank Johannsen

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