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Mitteldeutschland Sachsens Grüne wollen Kohle und Glyphosat stoppen
Region Mitteldeutschland Sachsens Grüne wollen Kohle und Glyphosat stoppen
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00:51 23.04.2018
Parteimitglieder und Robert Habeck (vorn, r, Grüne), protestieren mit Schildern gegen die Abbaggerung des Dorfes Pödelwitz für den Tagebau Vereinigtes Schleenhain. Quelle: dpa
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Neukieritzsch

„Kohle stoppen!“ forderte die Initiative Pro Pödelwitz am Freitagabend beim Landesparteitag der sächsischen Grünen in Neukieritzsch (Kreis Leipzig). Eine Aktivistengruppe aus der Region zog eine symbolische rote Linie für die „Braunkohlenbosse“ nach der Devise „Ende Gelände!“ Die Delegierten ließen sich nicht lange bitten und verabschiedeten - nur wenige Hundert Meter von der Kante des Großtagebaus Vereinigtes Schleenhain entfernt - eine Resolution. Darin wird Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) aufgefordert, mit „unsinnigen Tagebauerweiterungen“ Schluss zu machen und die Abbaggerung weiterer Dörfer zu unterbinden. 

So eine Einstimmung schien ganz nach dem Geschmack des Bundesvorsitzenden Robert Habeck (48) aus Schleswig-Holstein. Er sprach von einer „tollen Aktion, die unter die Haut ging“. Eine Landesregierung, „die noch bis 2040 Braunkohle verstromen will, verarscht die Menschen. Wir müssen viel eher raus aus der Kohle.“

"NPD im Gewand neuer Rechtspopulisten"

Mit Blick auf die sächsische  Landtagswahl 2019 rief Habeck in den Saal: „Es wird maßgeblich auf uns ankommen, zu verhindern, dass eine NPD im Gewand neuer Rechtspopulisten an die Macht kommt.“ Heimat dürfe nicht denen überlassen werden, die in Wahrheit Menschen ausgrenzen wollen. Habeck sprach von einer Verhaltensstarre der politischen Führung, die „nicht mehr auf Ballhöhe des gesellschaftlichen Wandels“, sei. Die Bündnisgrünen müssten das Versprechen aus ihrem Namen einlösen und demokratische Bündnisse schaffen, damit der Kitt der Demokratie nicht noch brüchiger wird.

 Glyphosat gefärde die biologische Vielfalt

Weitgehend einig waren sich die Delegierten, dass auf Sachsens Feldern einiges schief läuft. Monokulturen auf riesigen Flächen wurden ebenso angeprangert wie der permanente Einsatz von Pestiziden. Vor allem das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat sei schädlich für Tiere, Insekten und Vögel und gefährde die biologische Vielfalt.

Das wahllose Abtöten aller Unkräuter und Wildblumen bewirke ein massives Insektensterben, schade den Erträgen und auch dem Menschen. Der Landesparteitag stimmte dafür, „dass die Anwendung von Glyphosat umgehend beendet wird“ und Landwirte beim Ausstieg aus der Agrochemie unterstützt werden.

Hohe Folgekosten für Umweltschäden an Wasser, Boden, Tier- und Pflanzenwelt seien nicht mehr hinnehmbar. Sachsens Bauern sollten sich im eigenen Interesse aus der zunehmenden Abhängigkeit von der Agrochemie befreien. „Vor diesem Hintergrund ist jedes Gramm Wirkstoff, das weniger eingesetzt wird, ein absoluter Gewinn“, heißt es in der Direktive.

Anstelle der großen Chemiekeule sollten Fruchtfolgen und Zwischenkulturen optimiert und Bodenbedeckungen wie Mulch oder Gründüngung verwendet werden. Auch flaches Pflügen könne gegen Unkraut helfen.

Drei Leipziger an die Spitze?

Anderthalb Jahre vor der Landtagswahl wollen Sachsens Grüne am Sonnabend in Neukieritzsch einen neuen Parteivorstand wählen. Dabei drängen drei Leipziger an die Spitze. Während Christin Melcher (34) keine Gegenkandidatin hat, bewerben sich um den Co-Vorsitz zwei Männer. Amtsinhaber Jürgen Kasek ( 37) aus Leipzig stellt sich erneut zur Wahl, herausgefordert wird er vom zwei Jahre älteren Stadtrat-Fraktionschef Norman Volger.

Winfried Mahr

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