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Mitteldeutschland Sachsen auf digitaler Kriechspur: Glasfaserkabel reicht nur in jede 14. Wohnung
Region Mitteldeutschland Sachsen auf digitaler Kriechspur: Glasfaserkabel reicht nur in jede 14. Wohnung
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00:21 24.09.2017
Nur jeder 14. sächsische Haushalt kommt direkt über Glasfaserkabel ins Internet.  Quelle: dpa
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Berlin/Dresden

Vor der Bundestagswahl am Sonntag haben alle Parteien das schnelle Internet für sich entdeckt. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit tut sich bei der Breitbandversorgung in Sachsen eine riesige Kluft auf. In nur sieben Prozent der sächsischen Haushalte reichen Glasfaserkabel bis in die Wohnung. Das teilte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Dorothee Bär auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion zum Breitbandausbau mit. Demnach können Sachsens Städter immerhin 82 Prozent halbwegs zeitgemäße Internetanschlüsse mit Datentransfers von 50 Megabit pro Sekunde (Mbps) nutzen, wogegen das nur 18 Prozent der ländlichen Haushalte möglich ist. „Sachsens ländlicher Raum wird von den Chancen des digitalen Wandels abgeschnitten“, konstatierte der sächsische Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn: „Der Freistaat ist auf der digitalen Kriechspur – zunehmend zum Nachteil für die wirtschaftliche Entwicklung.“ Vor allem das von der Regierungskoalition gesteckte Fernziel, bis 2025 flächendeckend mit 100 Mbps online unterwegs zu sein, erscheine mit Blick auf die jetzige Abdeckung von 49 Prozent der Haushalte und die zähe Entwicklung „unerreichbar“, so Kühn.

Bei der Breitbandförderung habe sich in Sachsen eine Zweiklassen-Gesellschaft gebildet: „Auf der einen Seite Landkreise und Kommunen, die noch planen und – auf der anderen solche, die bereits kräftig von der Förderung profitieren.“ Spitzenreiter sind die Landkreise Bautzen (120 Millionen Euro) und Görlitz (72 Millionen Euro). Am wenigsten Fördermittel haben die Landkreise Leipzig (800 000 Euro) und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (sechs Millionen Euro) abgefasst.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hatte die bisherige Förderpolitik gegenüber dieser Zeitung vehement verteidigt und darauf verwiesen, dass bisher rund 220 Millionen Euro allein an Landesmitteln für schnelleres Internet investiert wurden. Die Grünen fordern indes einen deutlich ambitionierteren Ausbau: „Bis 2021 müssen drei Viertel aller Haushalte mit echten Glasfaseranschlüssen bis in die Wohnung versorgt sein“, steckt Kühn als Ziel ab. Zur Finanzierung solle der Bund seine verbleibenden Telekom-Anteile veräußern. „Wir müssen jetzt in eine Infrastruktur investieren, die dem Industrieland Sachsen und seinen Unternehmen für Jahrzehnte Attraktivität und Standortvorteile im internationalen Wettbewerb sichert“, so Kühn.

Der kostspielige Versuch, veraltete Kupfernetze mittels Vectoring-Verfahren aufzumotzen, sei „eine technologische Sackgasse“, so Kühn. „Anstatt gleich in Glasfaser zu investieren, werden weiter Fördermittel für eine Technik von gestern verbrannt.“ In fünf sächsischen Landkreisen reicht gar keine Glasfaser bis ins Haus, , wie Alexander Dobrindts (CSU) Ministerium feststellte. Im OECD-Vergleich liegt Deutschland mit einem Versorgungsschnitt von sieben Prozent bei Glasfaser-Hausanschlüssen auf Platz 28 von 32 – noch weit hinter Rumänien, Slowenien und Malta.

Von Winfried Mahr

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