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Mitteldeutschland Sachsen erhöht Kapazität der Erstaufnahme und Deutschlehrer für Flüchtlinge
Region Mitteldeutschland Sachsen erhöht Kapazität der Erstaufnahme und Deutschlehrer für Flüchtlinge
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22:20 29.10.2015
Flüchtlinge stehen vor einer Erstaufnahmeeinrichtung in Schneeberg (Sachsen). Die Kapazität im Bundesland soll um 1900 Plätze erhöht werden. Auch die Einstellung von mehr Deutschlehrern ist geplant. Quelle: dpa
Dresden

Sachsen rechnet für das kommende Wochenende mit einer hohen Zahl an Flüchtlingen. „Der Zugang über Österreich nach Bayern ist gerade wieder stark angestiegen. Diese Entwicklung wird sich wohl fortsetzen", sagte Dirk Diedrichs, der Chef des Asylstabes, am Donnerstag in Dresden. Momentan kommen bis zu 10.000 Menschen pro Tag über diese Route nach Deutschland - fünf Prozent davon werden in Sachsen untergebracht. Hinzu kommen Flüchtlinge, die aus Tschechien nach Sachsen kommen. Deshalb musste der Freistaat seit dem vergangenen Wochenende rund 2700 weitere Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtungen unterbringen, von denen es aktuell 41 gibt. Im Gegenzug wurden 1100 Asylbewerber auf sächsische Kommunen verteilt.

Die Kapazität der Erstaufnahme soll weiterhin ausgebaut werden. Gegenwärtig stehen 14.400 Plätze zur Verfügung, von denen nur 500 nicht belegt sind. Bis zum Jahresende sollen 1900 Betten hinzukommen. „Wir hoffen, damit für den erheblichen Zugang gewappnet zu sein", so Dirk Diedrichs. Neue Quartiere sind unter anderem in Leipzig-Plagwitz mit 500 Plätzen in einer ehemaligen Soccer-Halle, in Leipzig-Mockau in drei winterfesten Zelten (600), in einem früheren Zulieferbetrieb in Döbeln (400) und auf dem Flugplatz in Görlitz (100) geplant, die schon in den nächsten Tagen zur Verfügung stehen sollen.

Deutschlehrer werden nochmals aufgestockt

Sachsen wird zudem die Mittel für den Deutschunterricht von Flüchtlingskindern noch einmal kräftig aufstocken. Nachdem in diesem Jahr bereits zwei "Asylpakete" mit 14 Millionen Euro beschlossen und umgesetzt wurden, soll ein weiteres Einstellungspaket Mitte November folgen, kündigte Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) am Donnerstag in Dresden an. Über den Umfang laufen in der schwarz-roten Landesregierung momentan die letzten Gespräche. „Aber jedem ist klar, dass wir noch zusätzliche Lehrer für den Unterricht von Flüchtlingskindern brauchen", so Brunhild Kurth, „dafür brauchen wir natürlich zusätzliche Finanzen."

Denn die Zuwanderung kommt zusehends in den Klassenzimmern an: Lernten zum Schuljahresanfang bereits 3750 Kinder in 290 Deutsch-Vorbereitungsklassen, sind es aktuell 5000 Schüler in 340 Klassen. Bis zum Jahresende wird mit 5300 Kindern gerechnet, die an den Sprachkursen teilnehmen. Zudem werden ab dem nächsten Jahr etwa 1500 unbegleitete Minderjährige als Flüchtlinge in Sachsen erwartet, die sofort schulpflichtig sind.

Bislang hat der Freistaat die Zahl der Lehrer, die Deutsch als Zweitsprache (DaZ) unterrichten, in diesem Jahr um 200 auf 630 aufgestockt. „Wir sind noch in der Lage, mit dem vorhandenen Personal auszukommen", erklärte die Kultusministerin. In absehbarer Zeit müssten aber weitere Lehrer - auch aus anderen Bundesländern - angeworben und die Ausbildungskapazitäten im Freistaat erhöht werden. Dem wachsenden Lehrerbedarf stehe momentan ein "leergefegter Lehrermarkt" gegenüber. "Ich kann mir diese Lehrer nicht schnitzen", gestand Brunhild Kurth ein.

Zugleich stellte die Ministerin klar, dass es aufgrund der Lehrerknappheit und des Flüchtlingsstroms vorübergehend zu Einschnitten in den Schulen kommen könnte. „Es kann sein, dass Gruppen zusammengelegt werden müssen und wir uns kurzfristig von gewohnten Standards verabschieden müssen", sagte Brunhild Kurth und rief dazu auf, die Flüchtlingskinder „nicht als Belastung, sondern als Bereicherung" zu sehen.

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