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Mitteldeutschland Sachsen ist spitze bei OPs an der Bauchschlagader
Region Mitteldeutschland Sachsen ist spitze bei OPs an der Bauchschlagader
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06:00 10.08.2018
Chirurgen bereiten sich auf einen Eingriff vor. Laut neuem Krankenhausreport der Barmer spielt das Bundesland, in dem man einen Eingriff vornehmen lässt, durchaus auch eine wichtige Rolle. Quelle: epd
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Leipzig

Wer an einer erweiterten Bauchschlagader (einem Bauchaortenaneurysma) operiert wird, für den spielt es durchaus eine Rolle, wo er den Eingriff vornehmen lässt. So ist das Risiko im Freistaat Sachsen offenbar wesentlich geringer als in Niedersachsen oder im Saarland. Das geht aus dem neuen Krankenhausreport der Barmer hervor, der gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Danach war nämlich die Sterberate drei Jahre nach einem planbaren Eingriff um zwei Prozentpunkte geringer, wenn die Operation nicht offen-chirurgisch, sondern minimal invasiv vorgenommen wurde. „Daher sollte diese Eingriffsart favorisiert werden, wenn die medizinischen Voraussetzungen dafür erfüllt sind“, unterstrich Professor Boris Augurzky vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung bei der Vorstellung des Berichts.

Dabei sei es „zum Beispiel in Sachsen wahrscheinlicher, eine minimal-invasive Operation zu bekommen, als in Niedersachsen oder im Saarland“. Denn während zwischen Leipzig und Görlitz fast 86 Prozent der Patienten minimal-invasiv operiert wurden, waren es in Niedersachsen nur rund 69 und im Saarland sogar nur rund 61 Prozent. Die Sterberate sank außerdem um 2,3 Prozent, wenn der Eingriff in einem zertifizierten Gefäßzentrum durchgeführt wurde. Auch Krankenhäuser mit hohen Fallzahlen schnitten besser ab.

Sachsens Barmer-Landesgeschäftsführer Fabian Magerl interpretiert das so: „Wenn ein Krankenhaus spezialisiert ist und bestimmte Eingriffe häufig durchführt, wird dadurch die Patientensicherheit deutlich verbessert. Grundsätzlich gilt, Routine und Erfahrung erhöhen die Qualität der medizinischen Versorgung.“ Deshalb müssten schnellstmöglich klare Qualitätskriterien für Krankenhäuser festgelegt und umgesetzt werden. Magerl fordert dabei auch die Festlegung von Behandlungsmindestmengen.

Dem widerspricht Stephan Helm, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen: „Prinzipiell unterstützen wir alle Maßnahmen, die der Patientensicherheit und der Sicherung von Behandlungsqualitäten dienen“, sagt er. In der Forderung nach Mindestmengen sehe man allerdings wenig Sinn, „da es bereits seit 2008 mit einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses außerordentlich hohe Anforderungen zur Indikation des Bauchaortenaneurysmas als Voraussetzungen für die Krankenhausbehandlung und deren Vergütung gibt“. Diese beinhalte detaillierte Vorgaben zu Struktur, Personal und Leistungserbringung.

Helm: „In Sachsen verfügen wir aufgrund des tiefen Strukturwandels seit der Wende über hinreichend gute Voraussetzungen mit den Möglichkeiten der modernen Medizin sowohl für eine flächendeckende Krankenhausversorgung als auch für die Etablierung von zentrumsbasierter Spezialversorgung in ausgewählten Einrichtungen mit entsprechender Sonderausstattung.“

Tatsächlich gibt es laut Deutscher Gesellschaft für Gefäßchirurgie in Sachsen derzeit sechs solcher zertifizierter Zentren: Am Klinikum Dresden-Friedrichstadt, am Uniklinikum Dresden, an den Weißeritztalkliniken in Freital, am Klinikum Pirna, an den Oberlausitz-Kliniken Bautzen sowie am Heinrich-Braun-Klinikum in Zwickau.

Ein Sprecher des Uni-Klinikums in Leipzig erklärte auf Anfrage, man strebe dies auch für das eigene Gefäßzentrum an: „Wir rechnen mit einer Zertifizierung Anfang des kommenden Jahres.“ Allerdings würden bereits jetzt schon alle Qualitätsanforderungen erfüllt. Professor Michael Bartels, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Helios Park-Klinikum Leipzig sagt, man arbeite strukturiert, fachübergreifend und mit einer hohen Fallzahl. „Unsere verschiedenen Fachleute haben eine breite Expertise. Auch unsere Qualitätskriterien entsprechen den Vorgaben, weshalb wir eine Zertifizierung unseres Zentrums vorbereiten.“ Das klinikübergreifende Gefäßzentrum sei auch ein gutes Beispiel für die Verzahnung mit dem Herzzentrum.

In Thüringen gibt es zertifizierte Gefäßzentren mittlerweile in Jena, Gera, Saalfeld, Greiz sowie Sonneberg. In Deutschland leiden derzeit schätzungsweise rund 200 000 Frauen und Männer über 65 an einer erweiterten Bauchschlagader. Diese multimorbiden Patienten leiden häufig auch an Bluthochdruck, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen. 2016 wurden mehr als 11 400 von ihnen operiert. In Sachsen gab es 2017 rund 700 Eingriffe. Künftig ist der Barmer zufolge mit mehr Operationen an der Bauchschlagader zu rechnen, da Männer ab 65 seit Jahresbeginn einen Anspruch auf eine Beratung und eine kostenlose Ultraschalluntersuchung haben.

Von Roland Herold

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