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Mitteldeutschland Sachsen kämpft mit Verpackungsmüll
Region Mitteldeutschland Sachsen kämpft mit Verpackungsmüll
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20:41 07.04.2018
In Sachsen ist in den vergangenen Jahren das Aufkommen an Verpackungsmüll leicht zurückgegangen. (Archivbild) Quelle: dpa
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Dresden

Metallbeschichtete Folie, Einkaufstüten aus Kunststoff: In Sachsen ist in den vergangenen Jahren das Aufkommen an Verpackungsmüll leicht zurückgegangen. Im Freistaat sind laut Abfallbericht 2016 bei privaten Haushalten und im Kleingewerbe 462 928 Tonnen Verpackungsmüll aus Glas und Papier und den sogenannten Leichtverpackungen angefallen. Zwei Jahre zuvor waren es 463.599 Tonnen – 671 Tonnen mehr. Die Kommunen versuchen vor allem mit Aufklärungsarbeit bei den Verbrauchern die Müllberge zu verringern.

Allerdings: Bei den Leichtverpackungen allein - das sind die Kunst- und Verbundstoffe, Aluminium oder Weißblech - ist laut Statistik der Abfall von 164.026 Tonnen auf 165.737 Tonnen gestiegen.

Sachsen exportiert Abfall

Das Aufkommen an Siedlungsmüll lag 2016 bei insgesamt 1,63 Millionen Tonnen, etwa 13.500 Tonnen weniger als 2015. Dem Bericht zufolge wurde mehr als die Hälfte davon aufbereitet und verwertet, mechanisch sortiert oder kompostiert. Der Anteil der in Müllverbrennungsanlagen verwerteten Siedlungsabfälle lag bei 13 Prozent, 9 Prozent oder 153.000 Tonnen landeten auf Deponien – 29.000 Tonnen weniger als 2015.

Doch Sachsen exportiert auch Abfälle. Im vergangenen Jahr waren es laut Umweltministerium 126.000 Tonnen. Ob davon auch einiges nach China gelangt ist, lasse sich nicht sagen, heißt es. Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass das fernöstliche Land den Import von Kunststoff-Müll stoppen will.

Verpackungsverordnung

Im Ministerium wird darauf verwiesen, dass die Entsorgung von Verpackungsabfällen in der Verpackungsverordnung geregelt ist. Demnach müssten mindestens 60 Prozent der Kunststoffverpackungen verwertet werden. Diese Quoten werden durch das neue Verpackungsgesetz ab 2019 auf 90 Prozent angehoben.

„Die energetische Verwertung ist also nicht der Königsweg. Sie wird durch die neuen Vorgaben noch weiter zurückgedrängt“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Müllaufkommen begrenzen

Aus Sicht des Nachhaltigkeitsforschers und sächsischen Landesvorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Felix Ekardt, hat sich die Sache mit den Verpackungen und den Einkaufsbeuteln aus Kunststoff wegen des Pariser Klima-Abkommens womöglich bald erledigt. Dort sei völkerrechtsverbindlich ein vollständiger Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen wie Öl, Kohle, Gas in ein bis zwei Jahrzehnten vereinbart worden. „Würde man das Abkommen umsetzen, müsste man die fossilen Brennstoffe schrittweisen einer Mengenbegrenzung unterwerfen“, sagt Ekardt. Erdölbasierte Plastik würde dann vom Markt verschwinden und damit auch bestimmte Verpackungen.

Im Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie, das zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf gehört, beschäftigen sich die Wissenschaftler mit der Frage, wie recycelbar etwa Hightech-Produkte sind, denn Gegenstände dieser Art enthalten oft viele unterschiedliche metallische sowie weitere Rohstoffe. Zusammen mit einem niederländischen Parter haben sie verschiedene Recycling-Methoden für ein Mobiltelefon am Computer durchgespielt. Das Ergebnis: Zwischen 30 und 40 Prozent an Metallen, Kunststoffen und Energie können zurückgewonnen werden. „An dem Beispiel haben die Forscher die Chancen, aber auch die Grenzen der Kreislaufwirtschaft aufgezeigt“, sagt Pressereferentin Anja Weigl.

Kampagne für Mehrwegbecher

In Dresden fallen laut Stadt jährlich etwa 16.000 Tonnen an Leichtverpackungen aus Kunststoffen, Metall, Verbundstoffen oder Styropor-Formteilen an. Diese Abfall durchlaufe eine Sortieranlage. Was verwertbar sei, werde verwertet, der Rest energetisch behandelt. Das heißt: Er wird verbrannt.

Zur Vermeidung von Verpackungsabfälle gab es 2017 eine Kampagne zum Thema Mehrwegbecher. Im umweltpädagogischen Unterricht - einem Projekt mit der Sächsischen Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe Dresden - würden Kindergartenkinder und Vorschüler zu den Themen Abfalltrennung, -vermeidung und -verwertung aufgeklärt. Zudem würden Initiativen in der Stadt für verpackungsarmes Einkaufen unterstützt.

LVZ

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