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Mitteldeutschland Sachsen legt Bildungspaket von 200 Millionen Euro auf - Opposition unzufrieden
Region Mitteldeutschland Sachsen legt Bildungspaket von 200 Millionen Euro auf - Opposition unzufrieden
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18:56 21.12.2011
Sachsens Regierungskoalition hat sich auf ein 200 Millionen Euro umfassendes Bildungspaket vor allem für die Lehrerausbildung verständigt. Quelle: dpa
Dresden

Die jetzt gefassten Beschlüsse umfassen Maßnahmen bis zum Jahr 2015.

So sollen angesichts des schon jetzt existierenden Lehrermangels 1200 Pädagogen mehr als bislang geplant eingestellt werden. Die Zahl der Referendariatsstellen soll auf 2050 mehr als verdoppelt werden. Pro Jahr sollen die 100 besten Referendare eine Einstellungszusage erhalten, so sie an Grund- oder Mittelschulen, berufliche Schulen oder Förderschulen gehen. Die Zahl der Plätze für Studienanfänger im Lehramt soll von derzeit rund 1000 auf mindestens 1700 jährlich dauerhaft erhöht werden.

Darüber hinaus soll die Qualität der Studentenausbildung etwa durch intensive fachliche Begleitung, Coaching und Praktika verbessert werden. Unter Federführung der Universität Leipzig soll eine Lehrerexzellenzinitiative entwickelt werden und eine Art Bildungs-Campus Sachsen entstehen. Mehr Geld für höhere Gehälter der Lehrer ist nicht vorgesehen. „Wir haben keine Tarifverhandlungen geführt“, hieß es.

Die Fraktionschefs von CDU und FDP, Steffen Flath und Holger Zastrow, sprachen von einem tragfähigen Kompromiss, der im Koalitionsausschuss seit Juni ausgehandelt worden sei. „Das war noch nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagte Flath und räumte ein, dass sich die Bildungsexperten seiner Fraktion möglicherweise mehr erhofft hätten. Ende November hatte CDU-Bildungsexperte Thomas Colditz Regierung und Fraktion wegen Untätigkeit heftig kritisiert.

Flath und Finanzminister Georg Unland (CDU) verwiesen zudem darauf, dass mit dem Beschluss den Haushaltsverhandlungen für die kommenden Jahre vorausgegriffen worden sei. Das werde spürbare Auswirkungen schon auf die im Frühjahr beginnenden Verhandlungen für den Etat 2013/14 haben. Kultusminister Roland Wöller (CDU) sprach von einem klaren Signal zur Sicherung der Schullandschaft.

Die Universität Leipzig begrüßte die Aufstockung der Studienplätze für die Lehramtsausbildung. Diese sollten am Standort Leipzig konzentriert werden, hieß es in einer Erklärung der Hochschulleitung. Zugleich kritisierte die Uni die Pläne, künftig in Chemnitz wieder Grundschullehrer auszubilden.

Gewerkschaft und Opposition kritisieren Bildungspaket

Die Lehrergewerkschaft GEW und die Landtagsopposition sind unzufrieden mit dem am Mittwoch von der Koalition angekündigten Bildungspaket. „Es beinhaltet viel Schaum und ganz wenig Substanz“, sagte die GEW-Vorsitzende Sabine Gerold in Leipzig. Der einzige tatsächliche Zuwachs sei bei den Studienplätzen und den Stellen für Referendare zu erkennen. „Alles andere in diesem Paket bedeutet unter dem Strich Stellenabbau“, sagte Gerold. Wenn in den kommenden acht Jahren rund 8000 Lehrkräfte allein aus Altersgründen die Schulen verließen und in vier Jahren nur 2200 neu eingestellt würden, „kann ich beim besten Willen keinen Zuwachs erkennen“. Ansonsten würden mit dem Paket hehre Ziele formuliert, die konkreten Wege dorthin aber nur angedeutet.

Der Chef der Linksfraktion im Landtag, André Hahn Quelle: dpa

Der Chef der Linksfraktion im Landtag, André Hahn, nannte die angekündigte Exzellenzinitiative Wortgeklingel. Ob die zusätzlich bereitgestellten Studienplätze für das Lehramt überhaupt angenommen würden, sei völlig offen. Schon jetzt bleibe ein Teil der Referendariatsplätze in Sachsen unbesetzt. „Lehrerarbeitsplätze in Sachsen sind - besonders zu Zeiten des Fachkräftemangels, der auch den pädagogischen Bereich nicht verschont - eindeutig zu wenig attraktiv.“

SPD-Bildungsexpertin Eva-Maria Stange sprach von einer Lügenblase für Weihnachtsmänner. Die Vorstellungen der Koalition von jährlich 400 bis 700 Einstellungen bis 2015/16 als Ersatz für die altersbedingt ausscheidenden Lehrkräfte führten zu einem massiven Stellenabbau von etwa 2000 Stellen. „Damit hat sich der Finanzminister in der Bildungspolitik durchgesetzt und den Kultusminister vorgeführt.“

Grünen-Bildungsexpertin Annekathrin Giegengack erklärte, die Grünen hätten sich grundlegendere Reformen gewünscht, denn der Mangel an Grund-, Mittelschul- und Förderschullehrern habe strukturelle Ursachen. „Wer auf einem gegliederten Schulsystem beharrt und in der Ausbildung der Lehrer und ihrer Bezahlung starke Unterschiede macht, muss sich nicht wundern, wenn es für bestimmte Schulformen dauerhaft an Lehrernachwuchs fehlt.“

dpa

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