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Sachsen plant vier „Autobahnen“ für Radfahrer

Auf dem Rad von Leipzig nach Halle Sachsen plant vier „Autobahnen“ für Radfahrer

Um auch auf zwei Rädern schnell von A nach B zu kommen, sind bereits Routen für "Fahrrad-Autobahnen" in Sachsen beim Bund angemeldet. Die Grünen sprechen sich vor allem für eine Trasse von Leipzig nach Halle aus.

Mit dem Fahrrad auf der Autobahn ist eigentlich schwer vorstellbar. Eigene Trassen für Fahrräder sollen stattdessen für schnelle Verbindungen in Sachsen sorgen. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Sachsen plant vier Super-Schnellstraßen für Radfahrer. Das geht aus der Antwort des Sächsischen Wirtschaftsministerium auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. Vorausgegangen war eine Abfrage des Bundesverkehrsministerium für den Bedarf solcher „Autobahnen“ bei den Bundesländern.

Wie das Haus von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) mitteilte, habe man die Routen Markkleeberg-Leipzig-Halle, Markkleeberg-Weiße Elster, Radeberg-Dippoldiswalde sowie Pirna-Meißen vorgeschlagen. Diese Rad-Schnellwege sollen gut ausgebaute, etwa vier Meter breite Strecken sein und helfen, den Kfz-Pendlerverkehr deutlich zu reduzieren. Weder Kreuzungen noch Ampeln oder Fußgängerüberwege würden dann die Radler bremsen. Dabei sollen sowohl herkömmliche Fahrräder als auch E-Bikes die Strecken für insgesamt mindestens 2000 Fahrten pro Tag nutzen können. Vorbild für die neuen Super-Trassen ist Deutschlands erster Radschnellweg, der RS 1, der in Nordrhein-Westfalen von Essen bis Hamm auf insgesamt 102 Kilometer ausgebaut wird, um die A 40 zu entlasten.

Radwanderwege bleiben bestehen

Wie die „Leipziger Volkszeitung“ erfuhr, sollen vorhandene Radwanderwege (wie die Elster-Saale-Strecke zwischen Leipzig und Halle) aber bestehen bleiben. Stattdessen ist daran gedacht, verkehrsarme Nebenstraßen und Feldwege – auch mit Brücken – auszubauen. So könnte die etwa 35 Kilometer lange Strecke von Leipzig nach Halle über die Luise-Otto-Peters-Allee hin zum Flughafen Leipzig/Halle und dann – südlich der Bahntrasse – über Beuditz und unter der A 9 hindurch bis nach Halle führen. Veranschlagte Kosten: rund 25 Millionen Euro.

Nach Meinung der sächsischen Grünen sollte diese Strecke auch zuerst gebaut werden. „In diesem Ballungsraum gibt es ein Riesenpotenzial“, ist sich die verkehrspolitische Sprecherin Katja Meier sicher. Dagegen scheine statt Radeberg-Dippoldiswalde die Verbindung Radeberg-Wilsdruff sinnvoll, weil sie den Ballungsraum Dresden in West-Ost-Richtung und mit geringerer Steigung kreuzen würde.

Meier kritisiert die vier vorgeschlagenen Strecken als „sehr bescheiden“ und verweist auf Niedersachsen (13 Vorschläge) und Hessen (10). „Zudem sind die angemeldeten sächsischen Projekte bisher planerisch überhaupt nicht untersetzt“, so Meier weiter. Sachsen müsse bereits jetzt in Vorleistung gehen und erste Planungen für mögliche Radschnellwege entwickeln. Sonst habe der Freistaat beim Wettlauf um die Fördermillionen das Nachsehen.

Förderquote des Bundes steht noch aus

Wenn im Juni die Verwaltungsvereinbarung zur Finanzierung abgeschlossen wird, soll auch feststehen, wie hoch Förderquote des Bundes und Eigenanteil der Länder ausfallen. Experten gehen von einer dreistelligen Millionensumme aus, die der Bund beisteuern muss. Das Sächsische Wirtschaftsministerium rechnet mit einer Umsetzung der Projekte zwischen 2021 und 2026.

Sachsen-Anhalt hat neben der Strecke nach Leipzig auch die Trasse Magdeburg-Schönebeck sowie Routen in der Landeshauptstadt vorgeschlagen. Ein Sprecher des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft in Thüringen erklärte dagegen auf Anfrage, man könne keine konkreten Projektvorschläge benennen, da noch keine Anträge von Kommunen für eine Förderung vorlägen. Man gehe aber davon aus, dass Projekte auch zu einem späteren Zeitpunkt eingereicht werden können. Ursprünglich stammt die Idee der Radschnellverbindungen aus den Niederlanden.

Roland Herold

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