Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Sachsen schafft neue Überholverbote für Lkw
Region Mitteldeutschland Sachsen schafft neue Überholverbote für Lkw
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:40 21.03.2018
Übersicht von bestehenden und empfohlenen Lkw-Überholverboten auf sächsischen Autobahnen. Quelle: Patrick Moye
Anzeige
Leipzig

Sachsen weitet die Überholverbote für LKW auf den Autobahnen des Freistaats deutlich aus. Das gab gestern das Verkehrsministerium in Dresden bekannt. Damit kommt das Haus von Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) einer Forderung des ADAC Sachsen nach, die der Automobilclub am 12. März in der Leipziger Volkszeitung erhoben hatte. „Diese Elefantenrennen, die vor allem die Verkehrssicherheit gefährden, müssen endlich ein Ende haben“, sagte damals Helmut Büschke, ADAC-Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik, am Beispiel der Autobahn 14 zwischen Leipzig und Dresden.

Nun sollen bis Ende Mai auf insgesamt sechs sächsischen Autobahnabschnitten weitere Überholverbote eingerichtet werden. Dann bestünde auf insgesamt rund 190 Kilometern Autobahn im Freistaat ein zeitlich begrenztes oder komplettes Überholverbot für LKW, so das Ministerium. Während allerdings die Regelung auf dem Abschnitt von Nossen-Ost (A 14) bis zum Dreieck Nossen (A 4/A 14) sowie in der Gegenrichtung rund um die Uhr gelten soll, ist für die anderen Autobahnabschnitte jeweils ein zeitlich befristeter Korridor definiert worden. So gilt künftig das Überholverbot für LKW auf der A 14 zwischen Leipzig-Ost und Mutzschen beispielsweise nur werktags zwischen 15 und 19 Uhr.

Einschränkungen für Laster sind auch auf der besonders hart betroffenen Autobahn 4 zwischen Ohorn und dem Autobahndreieck Nossen vorgesehen. Dort beträgt der Anteil des Schwerlastverkehrs am Gesamtaufkommen laut aktuellen Zählungen zum Teil über 20 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt dagegen bei 15 Prozent. Das sächsische Verkehrsministerium räumte gestern ein, dass vor dem Hintergrund eines steigenden Verkehrsaufkommen, insbesondere beim Schwerverkehr, erhebliche Einschränkungen des Verkehrsflusses auf den Autobahnen entstanden seien.

Diese seien vor allem das Resultat von Überholmanövern von LKW auf zweistreifigen und teilweise auf dreistreifigen Richtungsfahrbahnen. Zugleich wachse auf kritischen Abschnitten das Unfallrisiko. „Jeder Autofahrer kennt die Situation, wenn die Fahrbahn durch sich überholende LKW blockiert ist und der übrige Verkehr stark beeinträchtigt wird“, so Verkehrsminister Dulig. „Insbesondere bei höherem Verkehrsaufkommen, an Autobahnkreuzen und Steigungsstrecken ergeben sich dadurch oftmals kritische Situationen und ein erhöhtes Unfallrisiko“, sagte er.

Der Entscheidung vorausgegangen war ein Gutachten im Auftrag des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Neben den jetzt beschlossenen Überholverboten bieten auf einigen Strecken auch noch Verkehrsbeeinflussungsanlagen die Möglichkeit, in Abhängigkeit von der Verkehrsdichte zeitweilige Überholverbote für Laster festzulegen.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag, Thomas Baum, begrüßte gestern die Maßnahme. Die Ausweitung von LKW-Überholverboten sei „ein richtiger und wichtiger Schritt für mehr Verkehrsfluss und mehr Verkehrssicherheit“. Gleichzeitig schränkte er ein: „Inwieweit die zum Teil vorgesehenen zeitlichen Einschränkungen zum Erfolg führen, muss die Praxis dann zeigen.“ Wichtig sei, dass die Polizei die Einhaltung der Überholverbote regelmäßig überprüfe. In Richtung Bundesregierung erneuerte Baum die Forderung nach einem sechspurigen Ausbau der Autobahn 4 zwischen Dreieck Dresden-Nord und polnischer Landesgrenze.

Polizeikontrollen fordert auch der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn (Grüne): „Die Ausweitung der LKW-Überholverbote kann ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sein, wenn die Regelungen auch mit wirksamen Polizeikontrollen überwacht werden.“ Letztendlich blieben die Maßnahmen aber nur ein Herumdoktern an den Symptomen, wenn es nicht gelinge, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. „Dafür brauchen wir zusätzliche Investitionen in den Kombinierten Verkehr mit neuen Umschlaganlagen und mehr Gleisanschlüsse, damit die LKW-Fracht auf die Schiene kommen kann“, so Kühn.

ADAC-Vorstand Büschke lobte gestern das schnelle Reagieren des Ministeriums. Man werde die Entwicklung aber weiter begleiten und vor allem die zeitliche Begrenzung der Überholverbote kritisch prüfen, versprach Büschke. In Hinblick auf die Autobahn 14 kritisierte er, das es nur ein Verbot zwischen Leipzig-Ost und Mutzschen geben soll. Büschke: „Wir bleiben bei unserer Forderung: Überholverbot in beiden Richtung der A 14 – und zwar generell zwischen 7 und 19 Uhr.“

Von Roland Herold

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Frank Richter möchte in Meißen Oberbürgermeister werden. Als unabhängiger Kandidat kann er von verschiedenen Parteien unterstützt werden.

21.03.2018

Die Grünen müssen 2019 um den Wiedereinzug in den sächsischen Landtag bangen. Am kommenden Wochenende wird in Neukieritzsch die Parteispitze neu gewählt. Jürgen Kasek bekommt dabei Konkurrenz aus Leipzig.

21.03.2018

Ehe die Behörden den begehrten Führerschein ausstellen, müssen Fahrschüler den Test bei TÜV oder Dekra bestehen. Nicht immer gelingt das beim ersten Anlauf – besonders bei der theoretischen Prüfung.

21.03.2018
Anzeige