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Mitteldeutschland Sachsens Kultusministerin kündigt Zulagen für Lehrer auf dem Land an
Region Mitteldeutschland Sachsens Kultusministerin kündigt Zulagen für Lehrer auf dem Land an
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13:59 28.08.2014
Brunhild Kurth. Quelle: dapd
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Dresden

Mit  300 Euro monatlich will die Landesregierung angehende Pädagogen in strukturschwache Regionen locken. Lehramtsstudenten bekommen bis zum Abschluss des ersten Staatsexamens eine monatliche Sonderzahlung und verpflichten sich dafür, an einer Schule in Ostsachsen, der Sächsischen Schweiz, dem Erzgebirge oder dem Vogtland zu arbeiten. „Wir werden ein Sachsenstipendium auflegen. Im nach der Wahl zu verabschiedenden Doppelhaushalt für die Jahre 2015/2016 werden dafür 600.000 Euro eingestellt“, erklärt Kurth damals.

Außerdem möchte der Freistaat verstärkt um junge Lehrer aus anderen Bundesländern werben. Für das neue Schuljahr trafen 655 Bewerbungen von außerhalb ein, vor allem aus Bayern. Rund 200 Lehrer davon wurden eingestellt. „Es ist schwierig, junge Lehrer für einen Einsatz auf dem Land zu gewinnen. Viele Bewerber wollen nur in Dresden und Leipzig arbeiten“, berichtete die Ministerin. Dennoch helfe eine Klage über mangelnde Flexibilität nicht weiter. Das Einstellungsverfahren soll nun auf den Prüfstand. 

In Sachsen beginnt am Montag das neue Schuljahr. Bei der jährlichen Pressekonferenz aus diesem Anlass widmete sich Kurth ausführlich den Lehrerstellen. Sie waren ein Hauptthema im nun zu Ende gehenden Wahlkampf. Laut Kurth hat Sachsen 434 Lehrerstellen mehr besetzt als durch in Rente gehende Kollegen frei wurden. Für 415 Stellen gab es unbefristete Einstellungen. 360 sind auf ein Schuljahr befristet. Kurth hält diese Zahl für zu hoch und will das künftig ändern.

Auch alle 640 Lehrer, die im neuen Schuljahr in Rente gehen, sollen ersetzt werden. Kurth machte deutlich, dass Sachsen auch in Zukunft auf steigende Schülerzahlen mit einer Aufstockung des Lehrerpersonals reagieren will. Im Schuljahr 2018/2019 würden bei 1650 ausscheidenden Lehrern vielleicht 2000 neue eingestellt, sagte sie.   

Die Ministerin prognostizierte einen guten Start ins Schuljahr: „Vor jeder Klasse wird ein Lehrer stehen.“ Die Stundentafel sei in fast allen Schulen abgesichert. Nur in den Förderschulen gebe es mancherorts Probleme. Das sächsische Schulsystem sei eines der besten in Deutschland. Kurth bekräftigte ihren Wunsch, nach der Landtagswahl in einer neuen Regierung weiterzuarbeiten. „Natürlich denke ich in die Zukunft und möchte ich die sächsische Schule weiterentwickeln“, sagte sie.

Kurth war 2012 von Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) als Nachfolgerin des zurückgetretenen Ministers Roland Wöller geholt  worden. Die zunächst parteilose Biologielehrerin trat später in die  CDU ein.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) teilte die positive Einschätzung Kurths nicht und warf der Regierung Konzeptionslosigkeit und fehlende Verlässlichkeit in der Personalpolitik vor. „Trotz Landtagswahl vor Augen ist es dem Kultusministerium und der Bildungsagentur nur mit Mühe gelungen, bis zum Schuljahresbeginn die offensichtlichen Lücken in der Lehrerversorgung zu stopfen“, sagte GEW-Chefin Sabine Gerold. Es sei zweifelhaft, ob das „nur schwer durchschaubare Maßnahmenpaket“ aus unbefristeten und befristeten Neueinstellungen sowie anderen Faktoren über das gesamte Schuljahr trage.

Der Lehrerverband bemängelte die hohe Zahl befristeter Verträge. Daran entzündete sich auch die Kritik der Opposition. Mit befristeten Stellen werde man die Probleme nicht lösen können, hieß es unisono. Kurth räumte ein, dass junge Lehrer unbefristete Verträge wollten. Dem steht aber die Stellenplanung in Sachsen entgegen.

„Es ist skandalös, dass viele Nachwuchslehrer nur befristete Arbeitsverträge erhalten haben“, sagte die stellvertretende SPD-Landeschefin Eva-Maria Stange und verlangte ein „vernünftiges“ Personalentwicklungskonzept. Die Regierung versuche einmal mehr, mit einer Hau-Ruck-Aktion kurz vor der Landtagswahl Beruhigungspillen zu verteilen, so das Urteil von SPD-Chef Martin Dulig.

„Um sich in den Lehrerberuf einzuarbeiten und im schulischen Alltag Fuß zu fassen, bedarf es einer verlässlichen Perspektive.“ Pünktlich zur Pressekonferenz hatten die Grünen mit einer Aktion vor der Staatskanzlei auf Lehrermangel und Unterrichtsausfall aufmerksam gemacht. „Der ’geordnete Schuljahresstart’ bleibt eine Mär, auch wenn sie wie ein Mantra wiederholt wird“, sagte Fraktionschefin Antje Hermenau. Das Chaos an den Schulen sei nicht beseitigt.

A.F./dpa

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