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Mitteldeutschland Sachsens Ministerpräsident in London als Promoter für Kultur und Forschung
Region Mitteldeutschland Sachsens Ministerpräsident in London als Promoter für Kultur und Forschung
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21:42 05.10.2018
Exklusive Führung im British Museum London: Generaldirektor Hartwig Fischer (M.) und Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), führen den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer durch den frisch renovierten weltberühmten Kunsttempel. Quelle: Pawel Sosnowski
London

Lange bevor sich am Freitag die Tore des British Museum um 9.45 Uhr für das breite Publikum öffneten, machte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) den Early Bird und enterte das renommierte Haus zu einer exklusiven Führung. Die besorgte kein Geringerer als Museumschef Hartwig Fischer, der von 2012 bis 2016 Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) war und dem Freistaat noch heute eng verbunden ist.

Fischer veranstaltete gemeinsam mit seiner Nachfolgerin in Dresden, SKD-Chefin Marion Ackermann, in diesem Jahr in London ein Kunstfestival, das sehr gut angenommen wurde. Die Kooperation soll ausgebaut werden, aber in welcher Form – das blieb im Ungefähren, denn das Gespräch zwischen Kretschmer, Fischer und Ackermann fand ohne erkennbaren Grund hinter verschlossenen Türen statt.

Schon an Tag 1 der London-Visite des Regierungschefs hatte die Presse bei Gesprächen im Handels- und im Bildungsministerium außen vor bleiben müssen, was offenbar nicht auf Kretschmer zurückging, sondern auf den Apparat und seine eilfertigen Diener ...

Nach dem Gang der sächsischen Regierungsdelegation durch die Vitrinen mit 3000 Jahre alten Mumien, hölzernen Särgen und steinernen König-Ramses-Statuen, gab Museumschef Fischer auf Nachfrage noch ein Statement ab: Es ging um gemeinsame Projekte, um internationale Beziehungen der „Museen als Orte der Debatte zu wichtigen Fragen unserer Zeit“, zum Beispiel über „Identitäten und die Rolle, die man selbst dabei spielt“. Geht es auch um Leipzig? Fischer: „Leipzig spielt immer eine Rolle, ist eine fabelhafte Stadt ...“

Das war auch schon am Abend zuvor zu hören, als Kretschmer gemeinsam mit Botschafter Peter Wittig im Hause der deutschen Botschaft in 23 Belgrave Square einen Empfang gab. Rund 1000 Gäste amüsierten sich köstlich bei Radeberger Bier und Currywurst und feierten den Tag der Deutschen Einheit. Unter ihnen beispielsweise Scott Riedmann, der bis 2017 US-Generalkonsul in Leipzig war und nun an der amerikanischen Botschaft in London arbeitet.

Das hier ist natürlich ein anderes Parkett – aber wenn Riedmann über die drei Jahre spricht, die er an der Pleiße verbrachte, kommt er ins Schwärmen und sagt mit etwas Wehmut in der Stimme: „It was so beautiful.“

„Sehr schön“ findet es auch Jörg M. Deubner in Leipzig, wo der gebürtige Thüringer seit über 20 Jahren lebt und wo er es zum erfolgreichen Unternehmer gebracht hat. Mit seiner DHD audio GmbH baut und liefert er so etwas wie superintelligente Mischpulte für Radiostationen weltweit und fliegt dabei eher „unterm Radar“, wie er selbst sagt.

Über seine Firma, die er Mitte der 1990er Jahre mit einem Geschäftspartner in Leipzig gründete und die heute 26 Mitarbeiter beschäftigt, hat noch nie eine Zeitung geschrieben. Die Wirtschaftsförderung Sachsen hat ihn dennoch irgendwie entdeckt und in die Botschaft zur Einheitsfeier eingeladen. Deubner: „Ich hatte sowieso einen Termin bei der BBC hier in London, da passte das.“ Die traditionsreiche britische Rundfunkanstalt gehört ebenso zu Deubners Kunden wie Stationen in Russland oder Südafrika. „Die arbeiten alle mit unserem Kram, das ist schon verrückt.“

Michael Kretschmer machte am Freitag, am Tag danach, weiter in Kultur und besuchte nach dem British Museum ein Symposium der Fürst-Pückler-Stiftung, das Sachsen gemeinsam mit der Wojewodschaft Lubuskie in Londons Akademie der Künste veranstaltete. Vor rund 80 Museologen, Historikern und Kunstsachverständigen warb Kretschmer für den einst von Fürst Pückler angelegten historischen Park in Bad Muskau als „den schönsten Teil unserer Heimat“, durch den vor 30 Jahren noch eine Grenze ging, nämlich die zwischen Deutschland und Polen.

Durch die Deutsche Einheit, so der Ministerpräsident, und durch die Europäische Union sei es heute möglich, sich frei durch diesen wunderbaren Park zu bewegen, der inzwischen als grenzüberschreitendes deutsch-polnisches Projekt zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Kretschmer lobte vor den Fachleuten die Rolle „unserer polnischen Nachbarn“, die einst mit der Solidarnosc-Bewegung einen „großen Anstoß zum Zusammenbruch des Kommunismus“ gegeben haben.

Am Freitagnachmittag ging es dann um Materialforschung. Wissenschaftler der beiden Spitzenhochschulen King’s College London und Technische Universität Dresden unterzeichneten in Kretschmers Beisein einen Vertrag, der die bestehende Zusammenarbeit ausweitet. Erfolge gibt es bereits in Medizin und Biotechnologie.

So gehört der 2015 als Forschungsallianz ins Leben gerufene transCampus Dresden-London in der Inselzell-, Nieren- und Knochenmarktransplantation mittlerweile zu den größten Transplantationszentren der Welt. Es gibt acht gemeinsam berufene Professuren mit freiem Zugang zu beiden Einrichtungen und deren Forschungsinhalten sowie bewilligte Förderungen von über 50 Millionen Euro. Durch diese Kooperation kann beispielsweise unheilbar kranken Kindern aus Sachsen mit einer neuen Gentherapie aus London geholfen werden.

Mit der Ausweitung auf die Materialwissenschaft soll nun ein „international führendes Forschungscluster“ auf diesem Gebiet etabliert werden. „Dresden ist in Europa und weltweit ein führendes Zentrum für Materialforschung. Die Stärkung des Forschungsnetzwerks durch internationale Kooperationen ist ein Schlüssel unseres Zukunftskonzepts“, sagte Prof. Gianaurelio Cuniberti von der TU Dresden.

Kretschmer, der schon beim Pückler-Symposium kurz „es läuft“ geraunt hatte, fand dann am Ende seiner London-Tour auch noch den positiven Ausstieg für sich selbst. „Nachdem es zwei Tage lang zumeist um den Brexit und damit um rückwärtsgewandte Probleme ging, bin ich jetzt richtig froh, dass zum Abschluss meiner Reise noch ein vorwärtsweisendes Projekt unterzeichnet wird. Dresden und London – das passt.“

Von Jan Emendörfer

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