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Mitteldeutschland Sächsisch-böhmische Historie im Archäologie-Museum Chemnitz
Region Mitteldeutschland Sächsisch-böhmische Historie im Archäologie-Museum Chemnitz
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21:00 27.09.2018
Zur Sonderschau in Chemnitz gehört die güldene Büste der Heiligen Ludmilla von Böhmen (links). Die Direktorin Sabine Wolfram, Projektleiter Marius Winzeler und Doreen Mölders (v. l.) freuen sich auf interessierte Besucher. Quelle: Fotos (2): Winfried Mahr
Chemnitz

Sie gingen nicht immer sanft miteinander um – und doch brauchen sie sich. Sachsen und Böhmen sind sich aller erlebten Höhen und Tiefen zum Trotz in vielem ähnlich. Die jahrtausendelangen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern stellt jetzt erstmals eine neue Sonderausstellung in den Mittelpunkt. Das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz (smac) zeigt ab heute sehenswerte Objekte der Kulturgeschichte beider Regionen, „die so noch nie zusammen zu sehen waren“, wie die Museumsdirektorin Sabine Wolfram betonte. Verflechtungen, Konflikte, Versöhnung mündeten in dem Titel „Sachsen Böhmen 7000. Liebe, Leid und Luftschlösser“. Auf 900 Quadratmetern werden 670 Exponate von 100 unterschiedlichen Leihgebern aus beiden Ländern präsentiert. Die Ausstellung spannt einen zeitlichen Bogen über 7000 Jahre von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart.

Die langjährige Historie von Sachsen und Böhmen spiegelt sich in den Alltagsgeschichten von Handwerkern, Künstlern und Kaufleuten. In der Ausstellung würden Gemeinsamkeiten beider Regionen, aber auch Konflikte vorgestellt.

Exemplarisch steht dafür die Heilige Ludmilla von Böhmen, eine von sorbischen Slawen aus der Oberlausitz abstammende Fürstentochter. Sie war die erste christliche Herrscherin und ist erste Heilige ihres Landes. Während der Zeit ihrer Heirat mit einem böhmischen Fürsten wurde um 900 nach Christus der Grundstein für die Christianisierung gelegt. Da das seinerzeit keineswegs konfliktfrei ablief, soll sie der Legende nach von gedungenen Mördern erdrosselt worden sein. Ein Schicksal, das zwei Generationen später auch ihren Enkel, den heiligen Wenzel, ereilt haben soll. Reliquen von beiden gehören ebenso zu den Exponaten wie Erinnerungen an die „Roten Bergsteiger“, die im Grenzgebiet ge- meinsam gegen die Nationalsozialisten aufbegehrten, oder Werke des in beiden Ländern tätigen Kunstprofessors Oskar Kokoschka. Aber auch andere Prominente wie Josef Skupas Marionetten Spejbl und Hurvinek, Platten des Sängers Karel Gott oder ein echter Skoda aus den 1970er-Jahren sind zu sehen. Hinzu kommen Alltagszeugnisse wie Bier oder Habseligkeiten von Vertriebenen.

Schirmherren der Schau sind der tschechische Premierminister Andrej Babis und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „Die Partnerschaft mit unseren tschechischen Nachbarn ist auch deshalb so gut und produktiv, weil sie auf einem geschichtlich begründeten Gefühl der Zusammengehörigkeit beruht“, sagte Kretschmer zur gestrigen Eröffnung. Es gebe vieles, was Sachsen und Böhmen verbinde. Die Sonderausstellung „setzt sich über Grenzen hinweg mit dem Geschehen auseinander – und bietet mit ihren Objekten der Archäologie und Kulturgeschichte einen Blick auf bedeutende Kunstschätze.“

Die Episoden zwischen Sachsen und Böhmen berichteten nicht nur von der rund 7000 Jahre zurückreichenden gemeinsamen Geschichte, sondern auch von Migration, Handelsaustausch und dem Transfer von Ideen „Sie lassen uns verstehen, warum sich Sachsen und Böhmen einerseits so nah, andererseits so fern sind“, sagte die Kuratorin Doreen Mölders. Es werde gezeigt, dass nicht nur die Menschen, sondern mit auch Bräuche und Güter zur gegenseitigen Bereicherung beigetragen hätten.

Die binationale Schau ist ab heute bis Ende März in Chemnitz geöffnet, bevor sie in die tschechische Hauptstadt umzieht und von Mai bis September auf der Prager Burg zu sehen sein wird.

www.smac.sachsen.de

Von winfried mahr

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