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Mitteldeutschland Sächsisch-tschechische Grenze erst 2013 amtlich
Region Mitteldeutschland Sächsisch-tschechische Grenze erst 2013 amtlich
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10:44 01.02.2010
Ein Schild zeigt an: Grenzübergang Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

“ Damit auch größere Flusswanderungen keinen Streit verursachen, wird in Grenzkommissionen mit den Nachbarländern verhandelt. Denn zu wissen, wo eine Grenze verläuft, ist mitnichten eine nur kartographische, sondern auch eine höchst diplomatische Angelegenheit: Schließlich trennt sie Rechtsräume.

Die Kommission, die unter anderem für die sächsisch-tschechische Grenze verantwortlich ist, wird vom deutschen Außen- und dem tschechischen Innenministerium geleitet. Jedes Land wird durch neun Gesandte vertreten, Deutschland durch drei aus dem Auswärtigen Amt sowie jeweils drei aus Bayern und Sachsen. Für den östlichen Freistaat sitzt dabei GEOSN-Geschäftsführer Werner Haupt in dem Gremium.

Bis 2013 könnte einiges auf die Gesandten zukommen: So lange wird es vermutlich dauern, bis die Vermessung der deutsch-tschechischen Grenze abgeschlossen ist. Immerhin sind hier bundesweit 811, in Sachsen knapp 450 Grenzkilometer zu bewältigen - genug Platz für viele Grenzverschiebungen. „Gemessen wird an jedem Grenzstein, die können mal zehn, mal hundert Meter voneinander entfernt sein. Und je kurviger ein Bachverlauf, desto mehr Messpunkte muss man setzen,“ erklärt ein assoziierter technischer Berater der Kommission. Die aktuelle Messung ist einerseits im Grenzvertrag festgelegt, andererseits aber will man den Grenzverlauf auch digital in Koordinatenform erfassen. Dies, so sagt der Experte, sei deutlich genauer. Die bisherigen Daten stammen aus den achtziger Jahren und wurden noch mit Messbändern erhoben.

Die deutsch-tschechische Grenzkommission tagt jährlich abwechselnd in Tschechien und in Deutschland, davon einmal in Bayern und einmal in Sachsen - 2009 fand das Treffen in Bautzen statt. Damals verhandelte man unter anderem über die Verschiebungen am Rückhaltebecken Mordgrundbach und am Grenzwasserlauf Kirnitzsch in der Sächsischen Schweiz: „Hier wurden weite Teile des Ufers weggerissen, so dass sich das Flussbett um einige Meter verlagert hat. Gerade zur Schneeschmelze sind solche Veränderungen häufig. Die Grenzkommission hat in beiden Fällen im Vorjahr beschlossen, den Charakter der Staatsgrenze zu ändern,“ berichtet der Berater. In diesem Fall werde die vorherige Grenze beibehalten - nur, dass sie dann nicht mehr in der Flussmitte, sondern auf festem Grund verlaufe.

Die deutsch-tschechische Grenzkommission gibt es bereits seit 1997, kurz nach der Ratifizierung des entsprechenden Grenzvertrages, in dem beide Länder ihre gemeinsame Grenze anerkannten. Über die deutsch-polnische Grenze verhandelt noch keine Grenzkommission. Diese wird erst noch gebildet - das dafür nötige Bundesgesetz wurde erst im vorigen Mai verabschiedet.

Weil die deutsch-polnische Grenze im wesentlichen durch Oder und Neiße gebildet wird, dürfte auch diese Kommission mit einigen komplizierten Fällen zu tun haben. 1982 etwa kam es in der Lausitz zu einem außergewöhnlich kalten Winter und dadurch auf Grund  hartnäckiger Frostböden zu Grenzverschiebungen von über 50 Metern. Doch es besteht Grund zum Optimismus: Zumindest in der deutsch-tschechischen Kommission herrsche ein angenehmes, freundschaftliches Klima, so der Berater: „Grenzen sind nicht nur etwas Trennendes, man sollte sie auch als etwas Verbindendes ansehen

Martin Tröster

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