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Mitteldeutschland Sächsische Bauern befürchten Ernteeinbußen wegen Trockenheit
Region Mitteldeutschland Sächsische Bauern befürchten Ernteeinbußen wegen Trockenheit
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15:24 14.06.2018
Archivfoto Quelle: dpa
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Leipzig 

Die heiße und trockene Witterung macht den Bauern in Sachsen zu schaffen. In einigen besonders trockenen Regionen müsse schon jetzt mit der Ernte der Wintergerste begonnen werden - 14 Tage früher als normalerweise und damit so zeitig wie nie, sagte Andreas Jahnel, Referent beim Landesbauernverband. Besonders kritisch sei die Lage in Nordsachsen und im Raum Hoyerswerda. Dort sei wegen der extremen Trockenheit bei der Wintergerste mit Ernteeinbußen von 50 Prozent zu rechnen.

„Alles wächst dieses Jahr nicht gut“, sagte Jahnel. Der Raps sei schlecht aus dem Winter gekommen. Für Ertragsprognosen sei es hier aber noch zu früh. Wie sich der Winterweizen entwickele, lasse sich ebenfalls noch nicht abschließend beurteilen.

Auch die Obstbauern sind nicht zufrieden. Die Erdbeerernte verlaufe schwierig. Mancherorts hätten einige Felder für Selbstpflücker wegen der Trockenheit gar nicht erst aufgemacht, sagte Udo Jentzsch, Geschäftsführer des Landesverbandes Sächsisches Obst. Zu Beginn der Erdbeersaison waren die Obstbauern noch optimistisch gewesen. Doch die Trockenheit machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Erdbeerernte werde etwa zehn Tage früher als üblich zu Ende gehen.

2018 werde „wider Erwarten“ wohl kein Super-Obst-Jahr, sagte Jentzsch. Recht gut entwickelten sich zumindest die Kirschen. „Da hoffen wir jetzt, dass es keinen Regen gibt. Sonst platzen die Früchte.“ Zur Apfelernte lasse sich noch keine Prognose abgegeben.

Aufgrund der zu erwartenden Ernteausfälle fordern die ostdeutschen Bauernpräsidenten die Landwirtschaftsminister auf, sich in der kommenden Agrarministerkonferenz für eine Dürrehilfe einzusetzen. Sonst drohten Liquiditätsengpässe in den betroffenen Landwirtschaftsbetrieben, teilten die Bauernpräsidenten nach einem Treffen in Schkeuditz bei Leipzig am Mittwochabend mit. „Bereits mit der Bodenbearbeitung nach der Ernte und der Aussaat des Wintergetreides fallen die Kosten für die Ernte 2019 an. Hier ist schnelle Hilfe die beste Hilfe“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Wolfgang Vogel.

Mittel- bis langfristig müssten die Bauern Anpassungsstrategien für das sich verändernde Klima entwickeln, sagte Johannes Franke, Klimaexperte beim sächsischen Landesumweltamt. Im Freistaat habe es 2017 den 21. zu warmen Sommer infolge gegeben. Die Klimaforscher messen das an einem internationalen Referenzwert.

„Und wenn wir uns die Abfolge aller Jahreszeiten seit Sommer 2013 anschauen, war jede einzelne Jahreszeit wärmer als ihr Referenzwert“, sagte Franke. Dazu komme ein Niederschlagsdefizit, das sich ebenfalls schon seit längerem aufgebaut habe. Die Landwirtschaft aber auch den Garten- und Obstbau sowie die Forstwirtschaft stelle das vor Herausforderungen.

Von LVZ

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