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Mitteldeutschland Sächsische Landeskirche legt Gesetz zur Strukturreform vor - Gemeinden fürchten Anonymität
Region Mitteldeutschland Sächsische Landeskirche legt Gesetz zur Strukturreform vor - Gemeinden fürchten Anonymität
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19:47 14.04.2018
Die Dreikönigskirche in Dresden Quelle: dpa
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Dresden

Die Synode der sächsischen Landeskirche hat am Samstag über ein neues Gesetz zur regionalen Zusammenarbeit beraten. Es soll angesichts sinkender Mitgliederzahlen die Arbeitsfähigkeit der Kirchgemeinden langfristig bis 2040 sichern. Mit dem Gesetz strebt die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens größere Struktur- und Organisationseinheiten in den Regionen an. Die Neuregelung ermöglicht laut Synodenpräsident Otto Guse nun auch die Bildung von sogenannten Kirchgemeindebünden, die als Körperschaften eine weitgehende Finanzhoheit besitzen und Eigenständigkeit ermöglichen.

Kirchgemeinden sollen entscheiden, wie eine engere Zusammenarbeit umgesetzt werden kann. Möglich ist neben Zusammenschlüssen von Gemeinden, sogenannte Kirchspiele und Schwesterkirchverhältnisse zu bilden oder eben Gemeindebünde. Änderungsanträge gab es bei den Beratungen am Samstag noch in Detailfragen. Ein Beschluss des neuen Kirchengesetzes wird am Sonntag erwartet.

Zehn Demonstranten vor der Dresdner Dreikönigskirche

Die Beratungen der Synode wurden von einer „Mahnwache“ vor der Dresdner Dreikönigskirche begleitet. Die etwa zehn Demonstranten brachten ihre Sorge zum Ausdruck, das mit der Strukturreform die individuelle Prägung und Tradition ihrer Gemeinde verloren geht.

Der Zusammenschluss von Kirchgemeinden in größeren Verbünden sei vor allem „kontraproduktiv“ für den Fall, dass Gemeinden „völlig unterschiedlich geprägt sind“, sagte der Pfarrer der Leipziger Andreaskirchgemeinde, Thomas Piehler, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bereits im Vorfeld hatte es heftige Diskussionen zu den Reformvorschlägen gegeben. Viele Gemeinden fürchten, in immer größer werdenden Gebilden anonym zu bleiben.

Es ist bereits der zweite Anlauf zu einer weitreichenden Reform in der sächsischen Landeskirche. Ein Vorschlag der Kirchenleitung, bereits bis 2025 neue Strukturen zu schaffen, hatte die Synode im Frühjahr 2017 nach heftigen Protesten aus den Gemeinden abgelehnt.

Viele Gemeinden fürchten die Anonymität

Die sächsische Landeskirche rechnet in den kommenden 20 Jahren mit einem massiven Mitgliederschwund von derzeit knapp 700.000 Kirchenmitgliedern auf 416.000. In Sachsen gehören rund 75 Prozent der Bevölkerung keiner Kirche an.

Im Rahmen der Strukturplanung will die Landeskirche zudem von 2025 an sogenannte missionarische Pfarrstellen schaffen. Sie seien gerade vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen für „innovative und missionarische Initiativen“ notwendig, heißt es in einem Bericht der Kirchenleitung. Unabhängig von seiner Gemeindemitgliederzahl und Größe sollen jedem der derzeit 18 Kirchenbezirke zwei volle, teilbare Pfarrstellen zugeordnet werden, um Projekte der Mission, aber auch der Bildung betreuen zu können.

Missionsfeld vor der eigenen Haustür

Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer betonte, dass das „Missionsfeld“ nicht mehr in fernen Ländern, sondern „vor der eigenen Haustür“ liege. Mission müsse sowohl in die Gesellschaft hinein als auch in den Kirchgemeinden stattfinden. Dabei gelte es auch, „vielfältige Kulturen wahrzunehmen“. Offen sollte Mission auch für Menschen sein, die sich zwar nicht taufen lassen, aber in der Kirchgemeinde engagieren.

Die Landeskirche plant in den nächsten Jahren eine Reduzierung der Pfarrstellen von derzeit mehr als 500 auf 450 (ab 2025) und bis 2040 auf 320 Pfarrer. Künftig sollen im ländlichen Raum auf 4.000 Gemeindemitglieder und in den großen Städten auf bis zu 6.000 Mitglieder jeweils drei Pfarrer kommen. Die Synode ist das gesetzgebende Organ der sächsischen Landeskirche, zu der 712 Kirchgemeinden gehören.

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