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Schlecker: Sachsen stellt sich bei Verhandlungen über Transfergesellschaft quer

Schlecker: Sachsen stellt sich bei Verhandlungen über Transfergesellschaft quer

Berlin. Die Bundesländer entscheiden am Donnerstag über die finanzielle Bürgschaft zur Errichtung einer Transfergesellschaft für die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter.

Das geplante Auffangnetz soll am 1. April starten und ein halbes Jahr abfedern. Insgesamt werden 2.200 Filialen gestrichen, 123 davon allein in Sachsen.

Am Dienstag wurden die letzten Schlecker-Geschäfte bekannt gegeben, die geschlossen werden sollen. Laut der veröffentlichten Liste machen in Sachsen 123 Filialen dicht. In Leipzig fallen zehn Geschäftsstellen weg, somit bleiben noch 21 Zweigstellen erhalten. In der Stadt werden laut Informationen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rund 60 Arbeitsplätze gestrichen, im Umland der Messestadt sind 180 Schlecker-Mitarbeiter von den Stellenkürzungen betroffen.

Bis Donnerstag müssen die Mitarbeiter noch zittern: Dann erhalten sie Klarheit, ob sie weiter bei Schlecker arbeiten dürfen. Danach haben die Schlecker-Frauen zwei Möglichkeiten: Sie können eine Kündigung mit Abfindung fordern oder an einer der für sie errichteten Transfergesellschaften teilnehmen. Letztere soll die ehemaligen Mitarbeiter ein halbes Jahr lang für den Arbeitsmarkt fit machen.

Bernhard Franke vom Fachbereich Handel bei Verdi rät den Schlecker-Frauen zu der Teilnahme an der Transfergesellschaft: „Hier werden die Berufsqualifikationen der Mitarbeiter wieder reaktiviert.“ Bei der Abfindung hingegen stehe der Zeitpunkt der Auszahlung nicht fest, da das Insolvenzverfahren erst abgeschlossen werden müsse, erklärt Franke. Es könne also Jahre dauern, bis die ehemaligen Mitarbeiterinnen ihre Abfindung erhalten. Noch dazu sei die Höhe der Auszahlung ungewiss, so Franke.

Welche Mitarbeiter gehen müssen, hängt nicht von den gestrichenen Filialen ab. Stattdessen findet ein Sozialvergleich aller Schlecker-Frauen statt. Die besten Chancen, seine Anstellung zu behalten, hat eine Frau höheren Alters, die mehr als zehn Jahre bei Schlecker arbeitet und mehrere Kinder hat. Junge Frauen ohne Kinder, die noch nicht lange dabei sind, müssen hingegen zittern.

Der Ausgang der Verhandlungen zur Transfergesellschaft bleibt ebenso ungewiss. Aus Sicht der sächsischen Landesregierung ist die Transfergesellschaft längst nicht beschlossene Sache. Das Ländertreffen dazu am Montag in Berlin war laut Wirtschaftsstaatssekretärs Hartmut Fiedler (FDP) enttäuschend. „Uns fehlen fundamentale Daten, um überhaupt in den Entscheidungsprozess einzutreten“, sagte Fiedler. So warte man noch auf Antworten zur Werthaltigkeit von Sicherheiten und Informationen zum Geschäftsmodell. Sie müssten bis zum nächsten Treffen am Donnerstag nachgereicht werden.

Fiedler kritisierte, dass der Freistaat erst auf Nachfrage zu dem Gespräch eingeladen worden sei. Das bestritt ein Sprecher des Stuttgarter Wirtschaftsministeriums: „Vielleicht sollte Herr Fiedler die Einstellungen an seinem Spam-Filter prüfen.“

Jörg Lauenroth-Mago, Landesfachbereichsleiter bei Verdi in Leipzig kritisiert den Widerstand aus Sachsen: „Wenn dadurch die Entstehung einer Transfergesellschaft verhindert wird, dann bleibt den Schlecker-Mitarbeitern nur die Kündigung.“

“Transfergesellschaft ist keine Beschäftigungstherapie“

Ein möglicher Träger für die Transfergesellschaft in Sachsen wäre laut Verdi das Bildungswerk des Einzelhandelsverbandes. Es erfülle alle Konditionen, die ein Träger braucht, erklärte Lauenroth-Mago: „Der Verband hat sehr gute Kontakte zu Handelsvertretern, verfügt über Räumlichkeiten in ganz Sachsen und ein qualifiziertes Personal.“

Die Arbeit einer Transfergesellschaft kann man sich wie folgt vorstellen: Sie ist ein Bildungsträger, wie beispielsweise eine Volkshochschule. An den Schulungstagen wird den Teilnehmern ein Programm zu unterschiedlichen Themen geboten. Hier können die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter umgeschult und über den Arbeitsmarkt und ihre Chancen informiert werden. „Die Transfergesellschaft soll keine Beschäftigungstherapie sein, sondern es geht darum, dass die Mitarbeiter wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden“, sagte Lauenroth-Mago.

Verdi konnte bei den Verhandlungen durchsetzen, dass die Transfergesellschaft für sechs Monate gilt. Der Vorteil: Erst nach den sechs Monaten würden die Teilnehmer, sollten sie keinen Job finden,  mit dem Arbeitslosengeld 1 bezahlt. Während der sechs Monate erhalten die Ex-Mitarbeiter 80 Prozent ihres Nettogehaltes. Da die meisten Stellen bei Schlecker nicht Vollzeit, sondern Teilzeit  sind, werden die Teilnehmer laut Berechnungen von Verdi durchschnittlich etwa 809 Euro monatlich bekommen.

Wenn sich die Verkäuferinnen jedoch für die Abfindung mit Kündigung entscheiden, bekommen sie, je nach den Jahren in denen sie bereits bei Schlecker gearbeitet haben, eine Summe die prozentuell berechnet wird. Die Kündigungsfrist ist jedoch kürzer, sie beträgt lediglich 3 Monate, wie es in der Insolvenzordnung festgeschrieben ist. Danach müssen sich die Schlecker-Mitarbeiter etwas Neues suchen oder Arbeitslosengeld beantragen.

Lauenroth-Mago ist froh über die Verhandlungen, die Verdi durchboxen konnte. Trotzdem findet er: „Drei Monate ist sehr wenig Zeit, um sich neu zu orientieren, und auch die sechs Monate in der Transfergesellschaft sind zu kurz, um die Mitarbeiterinnen komplett neu umzuschulen.“ Momentan hoffe er aber, dass die Transfergesellschaft überhaupt zustande kommt: „Ansonsten haben die Mitarbeiterinnen überhaupt keine zweite Wahl.“  

Manuela Tomic/dpa

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