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News Schülerproteste in Leipzig und Dresden - Bildungsministerin will um mehr Lehrer kämpfen

Schülerproteste in Leipzig und Dresden - Bildungsministerin will um mehr Lehrer kämpfen

Leipzig/Dresden. Tausende Schüler sind am Mittwoch in Sachsen für mehr Lehrer und bessere Bildung auf die Straße gegangen. Nachdem am Vormittag bereits an zahlreichen Schulen gegen Lehrermangel, überfüllte Klassen und Unterrichtsausfall protestiert wurde, versammelten sich am Nachmittag in Dresden mehrere hundert Schüler, Eltern und Lehrer zu einer zentralen Demonstration.

Dort sprachen auch Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) und die neue Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos). Unland versicherte, dass Bildung im Freistaat weiter Priorität genieße. Allerdings seien die Ressourcen begrenzt, sagte er vor rund 600 Mädchen und Jungen, die mit Trillerpfeifen und Transparenten vor dem Kultusministerium erschienen waren.

Sachsen stecke mit rund fünf Milliarden Euro ein Drittel seines Jahresetats in Forschung, Wissenschaft und Bildung, argumentierte Unland. Gemeinsames Ziel müsse es sein, noch mehr junge Menschen für den Lehrerberuf zu gewinnen. Der Lehrermangel war ein Grund, warum der bisherige Kultusminister Roland Wöller (CDU) in der Vorwoche das Handtuch geworfen hatte. Wöller wollte keine Verantwortung für die Misere mehr übernehmen.

Seine Nachfolgerin Brunhild Kurth versicherte den Demonstranten, dass sie mit ihnen gemeinsam um mehr Lehrer kämpfen wolle. Kurth kündigte einen Kassensturz an. Jetzt gehe es darum, alle Zahlen auf den Tisch zu legen und abzugleichen. Zugleich räumte sie einen hohen Unterrichtsausfall ein.

Die Aussagen zu den Zahlen lösten später beim CDU-Bildungspolitiker Thomas Colditz Widerspruch auf. Er forderte die Schüler auf, sich nichts vormachen zu lassen. „Die Zahlen liegen auf dem Tisch", sagte er. Es dürfe nicht sein, dass Ministerien aneinander vorbeireden, weil „die Zahlen nicht ins Konzept des Finanzministers passen." Colditz war wiederholt als Kritiker der sächsischen Regierung in der Bildungsdebatte aufgetreten.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Sabine Gerold, deutete die Worte von Unland und Kurth als Versprechen. Die Gewerkschaft habe schon vor fünf Jahren auf den Lehrermangel hingewiesen. „Die Zeiten des Schülerrückgangs und des Sparens sind vorbei, jetzt muss investiert werden", sagte sie unter dem Beifall der Schüler. Bei einer parallelen Veranstaltung in Chemnitz hatten sich rund 1000 Mädchen und Junge versammelt.

Der Chef der Lehrerverbandes in Sachsen, Jens Weichelt, zeigte sich von dem Engagement der jungen Leute „total begeistert". „Tausende Schüler haben heute klare Forderungen gestellt. Der Lehrermangel ist so allgegenwärtig, dass es keiner weiteren Analyse bedarf." Zahlen zur Altersstruktur der Lehrer und dem Anstieg der Schülerzahlen würden seit drei Jahren auf dem Tisch liegen. Sachsen müsse endlich für die langfristige Sicherung des Lehrerbedarfs sorgen. „Dazu gehören auch attraktive Arbeitsbedingungen, um junge Lehrer zu gewinnen."

„Mehr als 20.000 Schüler waren dabei, darüber sind wir sehr glücklich", sagte der Vorsitzende des Landesschülerrates, Konrad Degen, über die sachsenweite Aktion. Allein in der Landeshauptstadt hätten sich über den Tag rund 3500 Schüler beteiligt, in Leipzig seien es rund 10.000 Jungen und Mädchen an den Aktionen in 25 Schulen. Menschenketten, Videos und Flashmobs sollten vielerorts auf die Bildungssituation aufmerksam machen. In Chemnitz treffen sich Schüler, Eltern und Lehrer am Nachmittag vor der Stadthalle zu einer Kundgebung.

Auch der Wechsel an der Spitze des Kultusministeriums werde die Probleme nicht kurzfristig lösen, sagte ein Sprecher des Sächsischen Lehrerverbandes. Von der neuen Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) werde erwartet, dass sie sich für eine bedarfsgerechte Lehrerversorgung einsetze, hieß es. Ihr Vorgänger Roland Wöller (CDU) war im Streit um Finanzen für zusätzliche Lehrerstellen in der vergangenen Woche zurückgetreten.

dpa / sl

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