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Schwarzkittel bleiben bis zum Sommer bei Dunkelheit unbehelligt

Sächsisches Jagdrecht Schwarzkittel bleiben bis zum Sommer bei Dunkelheit unbehelligt

Die Afrikanische Schweinepest hat sich von Osteuropa aus schon nach Polen und Tschechien ausgebreitet. Um hohen Nutztierverlusten in Sachsen vorzubeugen, hat der Landtag die Schwarzwildjagd erleichtert. Doch erlaubt sind die neuen Regeln noch lange nicht.

Nicht nur wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest werden vor allem Schwarzkittel gejagt, obwohl die Preise für Wildbret stark gesunken sind. Die dafür nötigen Nachtzielgeräte sind erst ab Juli erlaubt.
 

Quelle: dpa

Dresden. Um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) einzudämmen, sollen deutlich mehr Wildschweine als bisher zur Strecke gebracht werden. Dafür hat der Landtag Ende Januar ein neues Jagdgesetz auf den Weg gebracht. Jäger sollen dafür auch Schalldämpfer und Nachtzielgeräte verwenden und sogar ganze Rotten in die Falle locken dürfen.

Nach hitziger Parlamentsdebatte wurden die neuen Jagdregeln Ende Januar mit den Stimmen der Regierungskoalition aus CDU und SPD beschlossen. Doch ab wann die Waidmänner danach auf die Pirsch gehen dürfen, ist unklar. „Die Freigabe von Schalldämpfern ist beschlossen, sobald das geänderte Jagdgesetz veröffentlicht ist“, erklärte der Sprecher des Umweltministeriums Frank Meyer. Das sei am 17. Februar geplant.

Sauenfang und Nachtzielgeräte bedürften allerdings noch einer entsprechenden Verordnung, die „voraussichtlich erst im Juli dieses Jahres“ zu erwarten sei, so Meyer. Zudem müssten sich die Jäger noch um entsprechende waffenrechtliche Genehmigungen kümmern.

An Tierseuche ASP verenden in Ländern östlich von Deutschland immer mehr Wild- und Hausschweine. 2017 wurden in Polen, Tschechien, Rumänien, Mazedonien, der Ukraine und den drei baltischen Staaten insgesamt 4140 Fälle gemeldet - allein im Januar 2018 waren es schon 760 Fälle. Um eine Ausbreitung auf Sachsens Wild- und Haustierbestände zu verhindern, sei das geänderte Jagdrecht „nur ein Mosaikstein der Prävention“, erklärte Agrar- und Umweltminister Thomas Schmidt (CDU). Auf Bundesebene müssten mehrsprachige Aufklärungskampagnen an Autobahnraststätten, Parkplätzen und Autohöfen forciert und diese komplett eingezäunt werden, damit die Wildschweine nicht an verkeimte Speisereste aus Osteuropa herankommen.

Der jagdpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Georg Ludwig von Breitenbuch, lobte vor allem die Zulassung von Nachtzielgeräten, die Jägern die Schwarzwildjagd erleichtere. „Die Änderung des sächsischen Jagdgesetzes hat nichts mit Hysterie und Panikmache zu tun“, betonte auch SPD-Fraktionsvize Volkmar Winkler. „Die Gefahr eines Ausbruchs der Schweinepest in Sachsen steigt stetig.“

Kritik kommt aus den Reihen der Opposition. Die Jagd allein könne die ASP-Einschleppung nicht verhindern, sagte Kathrin Kagelmann (Linke). Der Landtag habe dem Abschuss Zehntausender Wildschweine den Weg geebnet, nur um industriell produziertes Schweinefleisch in überdimensionierten Mastanlagen vor der Vernichtung zu retten. Ginge es nach dem Bauernverband, müssten allein in Sachsen in diesem Jahr 90.000 Wildschweine zur Strecke gebracht werden, was Kagelmann als „illusorisch“ bezeichnete. Auch Saufänge lehnten die Linken ab, „weil kein tierschutzgerechtes Töten der gefangenen Tiere möglich ist – ganz abgesehen von grausamen Paniksituationen im Gatter“.

Auch die Grünen hadern mit den neuen Vorschriften. „Die Hauptübertragungswege der ASP sind menschengemacht − nicht durch die Wildschweine“, betonte der Abgeordnete Wolfram Günther. Die massive Bejagung von Wildschweinen löse weder das Seuchenproblem „noch ist eine Umsetzung denkbar, die mit Tierethik und Naturschutz in Einklang zu bringen ist.“ Stattdessen fordern die Grünen neben Verstärkter Aufklärung über die Risiken auch ein wirksames Krisenmanagement für den Seuchenfall.

Dass die Jäger bald Schalldämpfer und Nachtsichtgeräte auf ihre Waffen schrauben dürfen, findet der Landesjagdverband gut. Das erhöhe deutlich die Erfolgsaussichten der Jäger, sagte Vizepräsident Thomas Markert. Die Fallenjagd müsse aus Tierschutzgründen allerdings das letzte Mittel sein.

Enttäuscht zeigte sich der Verbandsvize, dass sich weder große Hegegemeinschaften, also Zusammenschlüsse kleinerer Jagdreviere, noch eine Abschussprämie für erlegte Schwarzkittel im Jagdgesetz wiederfinden. „Die Jäger haben schwere Arbeit, hohe Kosten und geringe Absatzchancen zu stemmen. Allein werden wir das Problem bestimmt nicht in den Griff bekommen.“ Um die Schwarzwildbestände zu senken, müsse auch in der Landwirtschaft über kleinere Maisfelder nachgedacht werden, so der Jagdexperte.

Und dass das neue Jagdrecht möglicherweise erst in einem halben Jahr in Kraft tritt, findet er „wieder mal zu bürokratisch“, so der Jäger. „Die Seuche kommt näher und die Zeit drängt. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hätte allen Grund, die Angelegenheit deutlich zu beschleunigen“, so Markert.

Von Winfried Mahr

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