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Mitteldeutschland Schweinepest rückt aus Osteuropa nach Sachsen vor
Region Mitteldeutschland Schweinepest rückt aus Osteuropa nach Sachsen vor
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22:04 02.03.2018
Auch in Sachsen droht die Schweinpest. Quelle: dpa
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Dresden

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wird um Sachsen keinen Bogen machen. „Dass diese Tierseuche im Freistaat ausbrechen wird, steht fest“, sagte Stephan Koch, der Abteilungsleiter Gesundheits- und Veterinärwesen im Verbraucherschutzministerium, am Freitag in Dresden. „Die Frage ist nur wann!“ Zusammen mit dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium wurde das aktuelle Risikopotenzial bewertet.

Wem kann die ASP-Krankheit gefährlich werden?

Für Haus- und Wildschweine verläuft die Krankheit tödlich. Für Menschen besteht kein Gesundheitsrisiko. Jedoch müssten sich Bauern, Händler und Verbraucher auf massive Einschränkungen durch die Afrikanische Schweinepest einstellen, so das Ministerium.

Worin bestünden solche Abstriche?

Reichlich 2300 Schweinehalter müssten um ihre Bestände von mehr als 670 000 Tieren fürchten. Im Falle eines Ausbruches käme es zu Sperrzonen und massenhaften Keulungen, im Handel zu erheblichen Einschränkungen bei der Fleischversorgung. „Absatzschwierigkeiten und der zu erwartende Wandel des Verbraucherverhaltens würden zu massiven landwirtschaftlichen Verlusten führen“, prognostizierte Daniel Gellner, Abteilungsleiter für Land- und Forstwirtschaft beim Umweltministerium.

Lässt sich die Seuche nicht ausmerzen?

Im Gegensatz zur Europäischen Schweinepest erweist sich das aus Zentralafrika über Georgien und Osteuropa eingeschleppte ASP-Virus als „ungeheuer beständig“, wie es der Tiermediziner Koch ausdrückte. Gleichzeitig ändere das Virus dauernd seine Struktur, sodass ­bislang kein Impfstoff dagegen existiert. Übertragen wird der Erreger entweder von Tier zu Tier oder indirekt über ­Kleidung, Fahrzeuge, Gegenstände, Zecken und die Nahrungskette. Auf einem weggeworfenen Wurstbrot kann das Virus drei bis sechs Monate lang überleben.

Warum sollen ohne einen ASP-Ausbruch Tausende Wildschweine geschossen werden?

Als Vorbeugung, um der raschen Ausbreitung der Seuche zuvorzukommen. Allerdings sind die Erfolgsaussichten nicht die besten. Obwohl in der zurückliegenden Jagdsaison 33 000 Wildschweine getötet wurden, rund ein Drittel mehr als 2010, wuchs der Schwarzwildbestand laut Ministerium auf rund 130 000 Schwarzkittel. Als Grund wurden günstige klimatische Bedingungen und reichlich Futterauswahl genannt. Deshalb hat der Freistaat das Jagdgesetz geändert, um beispielsweise mit der Fangjagd ganze Rotten aus dem Bestand zu entnehmen.

Aber Wild- und Hausschweine kommen doch gar nicht in Kontakt?

Zumindest nicht direkt. Aber die Erreger der Afrikanischen Schweinepest könnten über Futtermittel wie Mais und Rüben in die Ställe gelangen.

Gelten Schwarzkittel als das Hauptrisiko einer Seuchenausbreitung?

Nein. „Das größte ASP-Risiko ist und bleibt der Mensch“, betonte Agrarexperte Gellner. Vor allem der rege Transitverkehr und achtlos weggeworfene Speisereste begünstigen die Einschleppung. In Informationsblättern und auf mehrsprachigen Karten wird auf die Gefahren hingewiesen. Tiertransporte aus Krisenregionen müssen amtlich nachweisen, dass Tiere und Fahrzeuge keimfrei sind.

Welche nächsten Schritte unternehmen Sachsens einschlägige Ministerien?

Neben Abstimmungen mit dem Jagdverband, dem Bauernverband, dem Sachsenforst und dem Innenministerium sollen Mitte März auch auf Bundesebene Verhandlungen zur Afrikanischen Schweinepest beginnen. Beispielsweise zu der Frage, ob nach den Erfahrungen anderer Länder Sperrzonen komplett abgeriegelt werden sollten. In Tschechien werden sogar Polizisten und Soldaten zur Seuchenabwehr eingesetzt. „Ob das auch in Deutschland möglich und gewollt ist, muss politisch entschieden werden“, betonte Ministeriumsveterinär Koch.

www.gesunde.sachsen.de/33774.html

Von Winfried Mahr

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