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Mitteldeutschland Schwierige Firmenübergabe: Drei Viertel der Chefs in Mitteldeutschland suchen Nachfolger
Region Mitteldeutschland Schwierige Firmenübergabe: Drei Viertel der Chefs in Mitteldeutschland suchen Nachfolger
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22:08 02.04.2018
Besorgt über fehlende Firmenerben: Kristian Kirpal, Präsident der Leipziger IHK Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Kristian Kirpal ist besorgt. Nach Angaben des Sprechers der sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) stehen bis 2022 allein im Freistaat 6200 Unternehmensübergaben an. Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einbezogen, wird sogar für über 12 000 Betriebe ein Nachfolger gesucht. „Alarmierend ist vor allem, dass nur ein geringer Teil der betroffenen Unternehmen schon eine konkrete Nachfolgeregelung ins Auge gefasst hat“, berichtet Kirpal, der Präsident der Leipziger IHK ist. Fast drei Viertel der Firmeninhaber wüssten laut einer Umfrage noch nicht, wem und wie sie ihr Lebenswerk übergeben würden.

Leipziger HHL will neues Institut für Firmenübergabe gründen

„Unternehmensnachfolge ist ein Riesenthema in der ostdeutschen Wirtschaft“, bestätigt Stephan Stubner, Rektor der Handelshochschule Leipzig (HHL). Die Manager-Schmiede wird deshalb in Kürze ein Institut für Familienunternehmen und Unternehmernachfolge vorstellen. Die Generation derer, die nach der Wende den Sprung in Selbstständigkeit gewagt hätten, komme jetzt in eine Phase, in der der Ruhestand anstehe, aber die Zukunft des Betriebes ungeklärt sei. „Viele Firmenchefs fühlen sich allein gelassen.“ Sie wüssten nicht, mit wem sie als neutrale Instanz darüber sprechen könnten. „Wir verfolgen keine eigenen Interesse, sind neutral.“ Die HHL sehe sich als Plattform für die Region. „Wir haben das entsprechende Format entwickelt, Unternehmer und potenzielle Nachfolger zusammenzubringen sowie den Prozess der Nachfolge zu begleiten“, so der Rektor der ältesten deutschen Business-School.

Stefan Leermann, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Leipzig, begrüßt die Initiative. „Die HHL mit ihrem Fokus auf Unternehmertum ist der perfekte Ort für die Ansiedlung des Instituts.“ Es wird neben den Sparkassen auch von überregionalen Partnern wie den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KPMG und PWC unterstützt. Das HHL-Institut sieht sich laut Stubner als Ergänzung zu Angeboten der Kammern und Verbände.

IHK-Chef: Generationenwechsel könnte Kleinteiligkeit beenden

Die Unternehmensnachfolge ist für Kirpal „eine der drängenden Herausforderungen für die Sicherung und Weiterentwicklung der sächsischen Wirtschaftsstruktur“. Der Generationenwechsel sei eine große Chance, um die hiesige, immer noch viel zu kleinteilig aufgestellte Wirtschaft hin zu größeren Einheiten weiterzuentwickeln, indem Übergaben für Fusionen genutzt würden. So könnte aus zwei kleinen ein größerer mittelständischer Betrieb entstehen, „der mehr Schlagkraft mitbringt etwa bei Innovationen, Investitionen oder Internationalisierungsbestrebungen“.

Bankenexperte: Gelegenheit zur Firmenübergabe jetzt günstig

Nach Ansicht von Uwe Dienemann, der bei der Deutschen Bank in Leipzig vermögende Kunden betreut, ist angesichts niedriger Zinsen die Gelegenheit zu Übergaben günstig. Weltweit gebe es genügend Kapital, das auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten sei. Somit sei die Finanzierung in der Regel nicht das Problem.

Gefahr: Osten wird immer mehr zur verlängerten Werkbank

Volker Heinemann, verantwortlich für die Unternehmenskunden, berichtet, dass viele Familienfirmen einen internen Nachfolger wünschten, oftmals aber keinen geeigneten hätten. In diesen Fällen, ergänzt Dienemann, bestehe die Gefahr, dass der Betrieb an Investoren aus dem Westen veräußert werde. Dann würde der Osten „immer mehr zur verlängerten Werkbank.“

Von Ulrich Milde

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