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Schwimmunterricht als Bildung fürs (Über)Leben

Schwimmunterricht als Bildung fürs (Über)Leben

Jedes Jahr sind bundesweit mehr als 40 000 Rettungsschwimmer im Einsatz, die Hunderte Menschen vor dem Ertrinken retten. Der Leipziger Frank Irmler ist einer von ihnen.

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Frank Irmler (rechts) beim Training in der Schwimmhalle Nordost in Leipzig. Diesmal "rettet" er seinen Kameraden Roman Siegel.

Quelle: André Kempner

Seit 18 Jahren gehört der Lehrer und Familienvater zur Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG), die vor 100 Jahren in Leipzig gegründet wurde. Und er ist besorgt, weil immer weniger Kinder schwimmen können.

Gewitter, Wellen, heftiger Wind. Es war erst sein zweiter Einsatz an der Küste. "Und um ein Haar wäre es mein letzter geworden", erinnert sich Frank Irmler heute an jenen Tag vor 17 Jahren im Seebad Zingst. Alle Badenden sollten längst aus dem Wasser raus sein, als ein Rentner 200 Meter vom Ufer entfernt die typisch fahrigen Bewegungen eines Schwimmers zeigte, der sich überschätzt hatte. "Die Brandung war zu stark, da kam kein Boot mehr raus. Ich also hin zu ihm und ran an die Rettungsboje - die halbe Miete. Aber der Rückweg! Der ablandige Wind blies uns entgegen, und dann begann es auch noch mörderisch zu hageln. Da dachte ich: Das war's - das packe ich nicht!" Irgendwie schaffte es der damals erst 16-Jährige dann doch an Land, mit dem Rentner im Schlepptau. Dem ersten, dem er das Leben retten konnte. "Wir waren beide völlig fertig. Er nickte mir nur zu - und ich war ich stolz wie Bolle!"

Inzwischen hat der 33-jährige Leipziger schon vielen aus der Not geholfen. Schwimmer und Nichtschwimmer, Kinder, Väter und Großväter - er zählt sie schon lange nicht mehr. "Einige Dutzend werden es gewesen sein", schätzt der zweifache Familienvater mit den zum Zopf gebundenen Haaren. Eine gewisse Grundanspannung sei schon dabei, wenn man auf dem Wachturm Ausschau halte. Es komme darauf an, das Gewässer genau zu kennen mit seinen Wellen, Strömungen und Untiefen. "Und vor allem muss man früh genug schnallen, wann ein Badender in Gefahr gerät."

Über 66 000 Menschen waren es, die Irmler und andere Freiwillige der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft seit deren Gründung - vor genau 100 Jahren im Saal des Kaufmännischen Vereins am Rossplatz in Leipzig - aus dem Wasser gerettet haben. In jedem Jahr ertranken im wilhelminischen Kaiserreich noch 5000 Menschen, nur zwei bis drei Prozent konnten schwimmen. Bis heute sei es gelungen, die Zahl der Todesfälle um 92 Prozent zu senken und das Schwimmen zur Mode zu machen.

Dabei setzt die Gesellschaft auf einen Mix aus Aufklärung, Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung sowie Lebensrettung. Seit 1950 haben fast 22 Millionen Menschen bei den Ausbildern der DLRG schwimmen gelernt. 5,5 Millionen Männer und Frauen hätten eine Rettungsschwimmprüfung erfolgreich absolviert. "Heute ist die DLRG mit 1,2 Millionen Mitgliedern und Förderern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt und größter Anbieter von Schwimmkursen in Deutschland", sagte deren Bundespräsident Klaus Wilkens

Besorgt sind die Lebensretter über die große Zahl von Bäderschließungen, auch in Sachsen und Thüringen. Mindestens ein Fünftel aller Grundschulen habe keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad. Das habe dazu geführt, das jeder zweite Zehnjährige inzwischen nicht mehr sicher schwimmen kann. "Und später gehen die meisten Klassen gar nicht mehr schwimmen", weist Irmler auf einen weiteren Unterschied zur früheren Schulausbildung hin. "Dabei sollte das Recht auf Bildung unbedingt den erfolgreichen Schwimmunterricht einschließen", sagt er. "Schwimmen ist lebenswichtig!" Der Gymnasiallehrer, der in Brandis unterrichtet und viel Freizeit für die Unfallverhütung opfert, wünschte sich auch stärkeren politischen Druck auf allen Ebenen, um tragischen Unfällen im Wasser wirksamer vorbeugen zu können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.10.2013
Winfried Mahr

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