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Mitteldeutschland Seehofer: Tathergang in Köthen noch nicht ausreichend geklärt
Region Mitteldeutschland Seehofer: Tathergang in Köthen noch nicht ausreichend geklärt
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11:27 10.09.2018
Nach dem Streit in Köthen in Sachsen-Anhalt und dem Tod eines 22-Jährigen hat Horst Seehofer (CSU) vor übereilten Bewertungen gewarnt. (Archivbild) Quelle: Arne Dedert/dpa
Köthen

Nach dem Streit zwischen mehreren Männern in Köthen in Sachsen-Anhalt und dem Tod eines 22-jährigen Deutschen hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vor übereilten Bewertungen gewarnt. „Es scheint so zu sein, dass die Todesursache nach der Obduktion feststeht, aber dass der Tathergang - für mich jedenfalls - noch nicht ausreichend geklärt ist“, sagte der CSU-Vorsitzende am Montag vor einer Parteivorstandssitzung in München. „Die näheren Tatumstände, was war die Ursache und wie hat sich das entwickelt, da wäre ich jetzt vorsichtig in der Bewertung“, sagte er und betonte: „Und ich empfehle uns, wie in Chemnitz, dass wir Politiker auf die authentischen Ermittlungsergebnisse warten, bevor wir sie bewerten.“

Der Vorfall mache ihn schon betroffen, sagte Seehofer. „Wir müssen alles tun, dass wir die Dinge, die wir in diesen Tagen erleben, in unserem Rechtsstaat auch überwinden“, betonte der Innenminister. „Es sind schlimme antisemitische Vorfälle, es ist Rechtsradikalität. Aber es sind auch Gewaltverbrechen, die von Zuwanderern durchgeführt werden. Wir müssen alle Herausforderungen annehmen und nicht das eine gegen das andere ausspielen.“

Staatsschutz prüft Demobeiträge

Währendessen prüft der Staatsschutz nach einer von rechten Gruppen organisierten Spontandemonstration die Redebeiträge auf strafbare Inhalte. Das kündigte die zuständige Polizei am Montagvormittag in Dessau-Roßlau an. Es gehe unter anderem um den Vorwurf der Volksverhetzung, sagte eine Sprecherin. Hintergrund seien zahlreiche Meldungen in sozialen Netzwerken sowie Medienberichten, wonach ein Redner unter anderem von einem "Rassenkrieg" gesprochen hatte.

Auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), teilte den zugehörigen Videoschnipsel und kommentierte: "Wer sich so äußert, hat den Boden unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung verlassen." Wer sich damit gemein mache, habe kein Verständnis verdient. Zu der Demonstration hatten auch bekannte Rechtsextreme aufgerufen. Rund 2500 Menschen nahmen teil.

In Köthen war in der Nacht zu Sonntag ein 22-Jähriger nach einem Streit mehrerer Männer gestorben. Nach Angaben der Polizei erlag er einem akutem Herzversagen; ein Zusammenhang zu erlittenen Verletzungen besteht nach Polizeiangaben nicht. Ein Richter erließ am Sonntagabend Haftbefehl gegen zwei mutmaßlich an dem Streit beteiligte Afghanen wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge.

LVZ

Mit Blick auf die Ereignisse in Köthen und Chemnitz hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) den Einsatz aller Demokraten gegen Rechtsextremisten gefordert. Nach Auswertung der Videos aus Chemnitz vermeidet er weiter den Begriff „Hetzjagd“.

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