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Mitteldeutschland Sehbehinderten-Chor begeistert Chemnitz
Region Mitteldeutschland Sehbehinderten-Chor begeistert Chemnitz
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22:15 10.11.2015
Klassisch in schwarz – die Stimmen stehen hier im Vordergrund Quelle: Foto: Privat
Chemnitz

Ein Kaleidoskop kennen die meisten noch aus ihren Kindertagen. Ein optisches Gerät, in welches man hineinschaut und an dessen Ende man kleine Glassteine sieht, die bunte Muster erzeugen. Bewegt man das Kaleidoskop-Rohr, bewegen sich auch die Steinchen darin – und es entstehen immer neue Muster. Die überwiegend sehbehinderten Sänger und Sängerinnen des Chemnitzer Chors Kaleidoskop wollen genau das mit ihren Musik-Programmen erreichen: Dass durch ihre Interpretation der Lieder immer wieder neue Muster entstehen, neue Bilder in den Köpfen der Zuhörer.

Viele der Chormitglieder sehen schlecht oder gar nichts mehr. Dafür hören und singen sie umso besser. Töne sind ihre Farben, Konzerte ihre Leinwand. „Unser Programm ist vielfältig. Wir singen alles. Von aktuellen Titeln über Texte von Liedermachern bis hin zu Gospel und sogar Selbstgeschriebenem.“ Rita Grau leitet die Chor-AG des Chemnitzer Berufsbildungswerks seit den neunziger Jahren. „Zuerst richtete sich das Angebot an unsere Azubis. Dann kamen Kollegen dazu und Leute von außen, zum Beispiel die Eltern. Wir haben auch Rollifahrerinnen bei uns.“

Harte Arbeit für gute Qualität

Nach Noten singen die Sänger und Sängerinnen des Chors dabei nicht. Sie lernen die Melodien über ihr Gehör. Die Texte lesen sie je nach Schwere der Sehbehinderung in besonders großen Schriftgrößen oder in Blindenschrift. Jeden Mittwoch ab 16 Uhr wird geprobt. Mindestens zwei Stunden lang, manchmal auch länger. Vor wichtigen Auftritten trifft der Chor sich zwei Mal in der Woche. „Das ist harte Arbeit. Wenn man schlecht sieht, muss man sehr viel kompensieren. Nach acht Stunden in der Werkstatt ist es schwer, sich dann noch mal für zwei bis drei Stunden zu konzentrieren. Die meisten sind auch nicht nur im Sehen eingeschränkt, sondern mehrfachbehindert“, erklärt Meinhild Tröger, die ihre Kollegin bei der Chorleitung unterstützt. Man müsse das bei der Planung der Programme sowie bei den Proben berücksichtigen und darauf eingehen. Aber der Anspruch und das Niveau sind hoch. „Wir sind kein Behinderten-Chor“, stellt Grau fest. „Die Leute staunen richtig darüber, dass wir so gut singen. Es geht hier schon um Qualität und dafür muss man arbeiten.“

Das ganze Jahr über wird geprobt. Der Chor tritt nicht nur auf internen Veranstaltungen des Berufsbildungswerks auf, sondern auch auf Empfängen, Kongressen und Stadtfesten. Über das Programm entscheiden die Chorleiterinnen nicht alleine, sie machen Vorschläge und beraten sich demokratisch mit den Mitgliedern. Jeder soll auf seine Kosten kommen. Tröger: „Manchmal müssen wir dann einfach eine Entscheidung treffen. Aber generell soll jeder die Chance bekommen, sich einzubringen.“ Die Programme werden monatelang vorbereitet. „Bei 30 Grad proben wir jedes Jahr schon für das Weihnachtskonzert. Die Kirche ist dann immer richtig voll“, so Grau.

Ein Traumkonzert für Chemnitz

Bevor es aber so weit ist, wartet am 16. November erstmal ein Großereignis auf die Sänger und Sängerinnen. Nach 2011 und 2013 findet dann das dritte Traumkonzert in der Chemnitzer Stadthalle statt. „Diesmal sogar im großen Saal, weil der kleine Saal beim letzten Mal nicht gereicht hat. Da haben nicht alle eine Karte bekommen.“ Initiiert wurde das Konzert von der Chemnitzer Behindertenbeauftragter Petra Liebetrau. Die Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie unterstützen das Gemeinschafts-Programm verschiedener Initiativen, in denen sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen treffen, um gemeinsam Musik zu machen. Stargast ist in diesem Jahr die ehemalige „Deutschland sucht den Superstar“-Teilnehmerin Judith Lefeber. Durch den Abend führt unter anderem Horst Wehner, der Vizepräsident des sächsischen Landtags.

Das Highlight für den Kaleidoskop-Chor ist ein Stück, dass er gemeinsam mit einem Gebärden-Chor einstudiert. „Wir werden singen, und sie tanzen dazu. Nicht alle können hören, an welcher Stelle wir gerade sind, deshalb gibt es bestimmte Bässe, die zur Orientierung dienen werden“, so Grau.

Von Nathalie Helene Rippich

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