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Mitteldeutschland "Sofort, unverzüglich": Schabowskis Zettel wiederentdeckt - Jetzt im Haus der Geschichte
Region Mitteldeutschland "Sofort, unverzüglich": Schabowskis Zettel wiederentdeckt - Jetzt im Haus der Geschichte
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16:54 16.04.2015
Das damalige Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED Günter Schabowski gibt am 09.11.1989 während einer Pressekonferenz in Ost-Berlin (DDR) die Öffnung der innerdeutschen Grenze bekannt. Quelle: dpa
Bonn

Schabowski hatte kurz vor der Pressekonferenz auf dem Zettel notiert, worüber er vor den Journalisten sprechen wollte. Am Ende steht lapidar: „Verlesen Text Reiseregelung“.

Dabei handelte es sich um eine am selben Tag beschlossene Regelung, wonach DDR-Bürgern künftig Reisen in den Westen erlaubt sein sollten – unter Auflagen und frühestens ab dem nächsten Tag zu beantragen. Diese Details waren Schabowski entgangen. Auf die Frage eines Journalisten, ab wann die neue Regelung denn gelte, antwortete er mit den legendären Worten: „Das tritt nach meiner Kenntnis…ist das sofort, unverzüglich…“ Dies führte noch in derselben Nacht zum Fall der Berliner Mauer.

25.000 Euro Kaufpreis - intensive Recherchen

Der Notizzettel von Günter Schabowski. Quelle: Haus der Geschichte Axel Thünker

Schabowskis Sprechzettel galt als verschollen, seit er ihn 1991 an einen Bekannten gegeben hatte. Im Haus der Geschichte war bisher eine Kopie zu sehen. Die Geschichte der Wiederentdeckung des Originals beginnt mit einer Lappalie. „Im Jahr 2012 meldete sich ein Besucher per Mail und fragte, ob der Zettel das Original sei“, schildert Peter Hoffmann, Sprecher des Haus der Geschichte gegenüber LVZ-Online. Die Historiker verneinten – daraufhin herrschte Funkstille.

Erst im Herbst 2014 meldete sich derselbe Absender wieder und bot den Bonnern nun den originalen Schabowski-Zettel an. „Er hat unserem Haus das Dokument für umfangreiche Prüfungen übergeben“, so Hoffmann. Geld sei bis dahin nicht geflossen. „Wir mussten uns ja erst einmal absichern.“

Intensive Recherchen der Stiftung Haus der Geschichte hätten dann belegt, dass der Notizzettel echt ist. Um keiner Fälschung aufzusitzen, hat die Stiftung Schriftvergleiche, material- und herstellungstechnische Untersuchungen durchgeführt. Zudem liege eine von Günter Schabowski unterschriebene Authentizitätsbescheinigung vor, die dieser dem Eigentümer des Zettels übergeben hatte.

Leipzig spielt derzeit keine Rolle

Als alle Zweifel an der Echtheit des historischen Dokuments ausgeräumt waren, kaufte das Bonner Museum die schnell hingeworfenen Notizen für 25.000 Euro an. Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, ist stolz, dieses Stück Zeitgeschichte nun in Bonn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zunächst in der Reihe „Das aktuelle Objekt“.

Dass der Zettel auch im Leipziger Museums-Ableger „Zeitgeschichtliches Forum“ gezeigt werden könnte, spielt derzeit in Bonn keine Rolle. „Das Objekt soll ja in die Dauerausstellung übergehen“, sagt Hoffmann. Dort bekommt es einen Platz im Umfeld der TV-Aufnahmen der historischen Pressekonferenz und weiteren Objekten zum Thema Mauerfall.

Der „Schabowski-Zettel“ in der Reihe „Das aktuelle Objekt“, 16. April – 29. Mai 2015

Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Informationszentrum

Öffnungszeiten: Di-Fr 9-19 Uhr, am Wochenende 18./19. April 2015 von 10-18 Uhr geöffnet.

(mit dpa)

lyn

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