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Mitteldeutschland Sorge um die Ernte: Dürre macht Sachsens Bauern zu schaffen
Region Mitteldeutschland Sorge um die Ernte: Dürre macht Sachsens Bauern zu schaffen
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15:42 02.06.2018
Reichlich Staub: Ein Landwirt in Sachsen pflügt einen Acker und wirbelt dabei trockene Erde auf. Quelle: dpa
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Leipzig

Die Regenschauer der letzten Tage haben nichts geholfen: Sachsen ächzt unter der Trockenheit. Was in Städten für volle Freibäder und Eiscafés sorgt, verursacht auf Feldern, Plantagen und in Wäldern enorme Schäden. Daran ändern auch vereinzelte Gewittergüsse nichts, im Gegenteil. Die Durchschnittstemperatur übertraf im Mai mit 16,1 Grad den Referenzwert von 12,3 Grad deutlich. Auch die Sonne zeigte sich laut Deutschem Wetterdienst mit 280 Stunden weitaus häufiger als im Schnitt von 201 Stunden.

„Die extreme Trockenheit macht uns große Sorgen“, sagt Planzenbauexperte Andreas Jahnel vom sächsischen Bauernverband. „Das schadet dem Pflanzenwachstum ebenso wie plötzliche Extremniederschläge mit Sturm und Hagel. Beim Wetter gibt es in unseren Breiten offenbar kein Mittelmaß mehr.“ Raps- und Maisbestände litten besonders unter der für den Monat Mai ungewöhnlichen Hitze.

Gerste, Erbsen und Ackerbohnen von Dürre betroffen

Aber auch Weizen, Gerste, Erbsen, Ackerbohnen und Kartoffeln seien betroffen. „Weil die Bodenfeuchte fehlt, keimt vieles gar nicht“, so der Agrarfachmann. Für eine Ernteprognose sei es zwar noch zu früh: „Aber wenn ergiebiger Landregen weiter ausbleibt, dann wird das in diesem Jahr sicher keine gute Ernte.“

Vor allem Weizen und Kartoffeln leiden unter der Trockenheit. Quelle: dpa

Beim Landesverband Sächsisches Obst will man die Hoffnung noch nicht ganz fahren lassen: „Sturm und Hagel sind uns auf den Obstplantagen bisher zum Glück erspart geblieben“, versucht sich Geschäftsführer Udo Jentzsch in Zweckoptimismus. Aber wiederholte Tagestemperaturen über 30 Grad machten allen Obstsorten zu schaffen. Erdbeeren und junge Apfelbäume müssten aufwendig gewässert werden, was gar nicht überall möglich sei. Vielerorts sorge noch Wind für zusätzliche Austrocknung. „Die Obstbauern warten sehnsüchtig auf Regen, sonst drohen Ertragseinbußen“, so Jentzsch.

Gewitter lösen Dürre-Problem nicht

„Ein kräftiger Gewitterguss löst nicht das anhaltende Dürreproblem“, dämpft der Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros Andreas Marx Hoffnungen auf schnelle Entspannung. „Der größte Teil fließt rasch als Oberflächenwasser ab und lässt die Flüsse ansteigen.“

Am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung verfolgt der 42-Jährige seit Jahren die Entwicklung der Bodenwerte und gibt einen aktuellen Dürre-Monitor heraus. „In ganz Mitteldeutschland ist es zurzeit ungewöhnlich trocken, stellenweise herrscht schon extreme Dürre.“ In den zurückliegenden Jahrzehnten sei im Mai fast doppelt so viel Regen gefallen wie in diesem Jahr. „Das hat nicht nur Folgen für Agrarkulturen wie Raps und Mais, sondern auch für Bäume, die im Trockenstress weniger Früchte tragen und wesentlich anfälliger werden für Schädlingsbefall“, so der Wissenschaftler.

Waldbrandgefahr ist hoch

Wegen der anhaltenden Trockenheit und Hitze besteht in Nordsachsen höchste Waldbrandgefahr. Betroffen sind weite Teile der Landkreise Görlitz, Meißen, Nordsachen und Bautzen, wie ein Sprecher des Staatsbetriebes Sachsenforst mitteilte. Die Wälder dürfen dort nicht mehr betreten werden.

Waldbrand oberhalb der Burg Altrathen in Kurort Rathen, nahe der Bastei. Quelle: Daniel Förster

Heute soll es übrigens meist sonnig und trocken bleiben. Am Sonntag kommen laut Deutschem Wetterdienst einzelne Schauer auf Sachsen und Sachsen-Anhalt zu. In Thüringen bleibt es bei Höchsttemperaturen von 20 bis 25 Grad trocken. In der kommenden Woche ist es dann wieder wechselnd bewölkt und sonnig bei Höchsttemperaturen von 25 Grad.

Von Winfried Mahr

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