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Mitteldeutschland Spione aus der Luft - wie Sachsens Archäologen Schätze suchen
Region Mitteldeutschland Spione aus der Luft - wie Sachsens Archäologen Schätze suchen
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19:12 29.05.2013
Archäocopter über Mittelaltergräbern: Die Berliner Informatikstudenten Philipp Breinlinger und Philipp Nowak (v.l.) navigieren eine Kameradrohne über die Überreste des ehemaligen Dominikanerklosters in Freiberg. Quelle: dpa
Freiberg

Pilotenbrille auf der Nase, die Hände an den Reglern - Philipp Breinlinger und Philipp Nowak blicken konzentriert. Fast wie Flugkapitäne eines Airbus. Doch die Warnwesten mit der Aufschrift "Bodencrew" irritieren. Das Flugobjekt, dass sie in maximal zehn Meter Höhe über Mauerreste und Skelette des ehemaligen Dominikanerkloster Freibergs gleiten lassen, macht auch einen skurrilen Eindruck. Es fliegt zwar mit seinen vier über den Enden langer Ausleger propellernden Rotoren und dem Drahtgewirr. Dabei macht es Wind wie ein Ventilator und brummt wie eine dicke Hummel. Es ist juristisch genommen auch ein Spielzeug. Vielleicht eines, was sich bald die Archäologen des sächsischen Landesamtes anschaffen.

Es würde die Altertumsforscher in die Zukunft katapultieren. "Die Grabungsstätten sind nur eine kurze Zeit für unsere Erkundungen offen. Um sie zu dokumentieren wurden Mauern und andere Funde bisher Stein für Stein mit Bleistift auf Papier abgezeichnet oder abfotografiert", sagt Thomas Westphalen. Die klassische Handarbeit von "Kohorten von Zeichnern" würde durch den Archäocopter und die Erstellung eines dreidimensionalen Modells in Echtzeit abgelöst, freut sich der Abteilungsleiter Archäologische Denkmalpflege. Zwar gibt es auch einen terrestrischen Scanner im Amt. Doch der kostet locker eine niedrige sechsstellige Summe. An 3-D-Modellen komme die Archäologie aber nicht vorbei. An diesen Dokumentationen werde geforscht und animiert, wenn die Mauerreste längst überbaut sind.

In Freiberg bekommt die Bergakademie dort neue Institutsgebäude, wo jetzt Skelette unter freiem Himmel liegen. Etwa einhundert legten die Archäologen frei. Eingebettet unter Fluren von Klosterkirche, Kreuzgang und Klausurgebäuden. Vor mehr als 500 Jahren. In vier Wochen ist Schluss mit den Ausgrabungen. Dann werden Pinsel und Spatel von schwerem Baugerät abgelöst. Dann muss das 3-D-Modell im Kasten sein.

Informatiker für intelligente Systeme der HTW Dresden und der Freien Universität Berlin haben dafür die Software entwickelt und den Flieger gebaut. "Tausend Euro", schätzt Projektleiter Marco Block-Berlitz die Kosten der Drohne. Die meisten Teile sind beim Modellbaubedarf im gut sortierten Elektronikfachhandel erhältlich. Die Aufnahmen filmt eine Sportkamera, mit der auch Snowboarder und Surfer ihre Manöver dokumentieren.

"Man kann Kameradrohnen auch kaufen. Die kosten aber eine fünfstellige Summe und sind für diesen Zweck ungeeignet", erklärt der Professor für Computergrafik. Also bastelt er mit seinen Studenten. Mal nehmen sie vier Rotoren, mal sechs. Der Flieger bekommt Abstandssensoren, damit er sich im Gelände zurechtfindet. Die Schalteinheit gleicht dem eines ferngesteuerten Spielzeugflitzers. Prototypen testen die Informatiker natürlich selbst. Zum Beispiel indem sie sich eine Pizza heranfliegen lassen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.05.2013

Andreas Friedrich

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