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Mitteldeutschland Stadtrat in Dresden gibt grünes Licht für Kulturpalast-Umbau
Region Mitteldeutschland Stadtrat in Dresden gibt grünes Licht für Kulturpalast-Umbau
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16:17 05.04.2012
Der Dresdner Kulturpalast kann umgebaut werden. Quelle: Ulrich Löser
Dresden

Lediglich die Entscheidung im Urheberrechtsstreit mit Architekt Wolfgang Hänsch steht noch aus. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass das Gericht Ende April der Stadtverwaltung Recht geben wird.

Nach dem endgültigen Votum kann auch die Philharmonie nun für die neue Saison planen. „Wir freuen uns, dass nun endlich und final eine Entscheidung für den Umbau des Kulturpalastes gefällt worden ist. Damit ist eine wichtige Perspektive für die Dresdner Philharmonie als deutsches Spitzenorchester geschaffen", sagte Chefdirigent Michael Sanderling. Im Sommer zieht das Orchester um, in der neuen Saison soll an mehreren Orten gespielt werden.

Mit den Stimmen von CDU, Grünen und Bürgerfraktion gab es im Stadtrat letztlich eine große Mehrheit für den 81,5 Millionen Euro teuren Umbau des Dresdner Kulturpalastes. Damit wird der alte Mehrzwecksaal entfernt und ein neuer Spitzenkonzertsaal mit Weinbergterrassen eingebaut. FDP und SPD waren gegen das Projekt, die Linke stimmte uneinheitlich.

Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte sich zu Beginn der Debatte für den Umbau stark gemacht. Es gelte einen Schlussstrich unter eine schier endlose Debatte zu setzen und den Kulturpalast zu „einem echten Mittelpunkt unserer Stadt" zu machen. Trotz Spitzensaals für die Philharmonie bleibe der neue Saal natürlich auch für die Unterhaltungsmusik offen. Außerdem ziehen die Städtischen Bibliotheken und die Herkuleskeule in den Kulturpalast, so dass ganztägig Betrieb sein soll.

Umstritten war, ob Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) die fehlenden 35 Millionen Euro Fördergelder durch das Anlage-Kapital der Stiftungen für Soziales (Dresden-Pass) und Kultur (Kreuzchor) ersetzen könne. SPD-Stadtrat Wilm Heinrich sprach von einem kreditähnlichen Rechtsgeschäft und Verstoß gegen das Verschuldungsverbot. Das verneinte der Kämmerer. Es komme auf die vertragliche Ausgestaltung an. Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion Dresden, bestätigte auf DNN-Anfrage, dass es Beratungsgespräche in seiner Behörde gegeben habe. Eine Auflösung der Stiftung sei definitiv auszuschließen. Wo die Stadt allerdings das Stiftungskapital anlege, sei nicht vorgeschrieben. Letztlich müsse das abschließende Vertragskonstrukt der Landesdirektion noch einmal vorgelegt werden.

Auch das Kulturkraft ist auf dem Weg

Orosz warb aber nicht nur für den „Kulti", sondern auch für das zweite Großprojekt Kulturkraftwerk Mitte. Tags zuvor hätten sich in den Sondersitzungen der Fachausschüsse nach intensiven Debatten und der Anhörung der Experten große Mehrheiten für klare Signale zur Umsetzung der Vorhaben herausgebildet. Orosz erteilte allen eine Absage, die das Kulturkraftwerk gegen den Umbau des Kulturpalastes ausspielen wollten. Mit diesen beiden Projekten sei die Stadt auf einem guten Weg bei der Entwicklung Dresdens zu einer Kulturmetropole von europäischem Rang, erklärte die OB.

Für das rund 90 Millionen Euro teure Kulturkraftwerk stimmten schließlich 62 Stadträte mit Ja bei sechs Nein-Voten und einer Enthaltung. Bis auf die FDP, die lieber erst den Kassensturz abgewartet hätte, waren sich alle Fraktionen einig.

SPD-Stadtrat Wilm Heinrich lobte das Engagement der Operettenmitarbeiter, die seit Jahren auf Teile des Gehalts verzichten, um einen finanziellen Beitrag zum Neubau leisten zu können. Jeder in das Theater Junge Generation gesteckte Euro sei eine Investition in die kulturelle Bildung, so Heinrich. Die Pflege des Musiktheaters durch die Dresdner Operette sei bundesweit einmalig.

Christa Müller stattete Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (beide CDU) Dank ab, weil nur dessen weitsichtige Finanzpolitik die Stadt in die Lage versetzt habe, sich neben den Pflichtaufgaben auch Projekte wie das Kulturkraftwerk leisten zu können. Für Torsten Schulze (Grüne) entsteht in Dresden eine neue Attraktion für den Tourismus und die Kreativwirtschaft. Annekatrin Klepsch (Linke) dankte auch Drewag, Stesad und den Intendanten für ihr Engagement.

Konkret wurde die städtische Bautochter Stesad mit einer europaweiten Ausschreibung beauftragt. Im März nächsten Jahres soll der Stadtrat einem Baukonsortium den Bauauftrag erteilen. Bereits im November 2013 könne Baubeginn sein, so dass der Bau 2016 fertig sei, hofft Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos).

rare / sl / dpa

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