Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Stasi-Opfer rufen Lieberknecht im Streit um Gedenkstätte zur Hilfe
Region Mitteldeutschland Stasi-Opfer rufen Lieberknecht im Streit um Gedenkstätte zur Hilfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:23 04.02.2011
Stasi-Akten Quelle: dpa
Erfurt

„Wenn sich die Einstellung des Kultusministeriums nicht grundlegend ändert, können wir nicht mehr mitarbeiten“, sagte der Vorsitzende des Vereins „Freiheit“, Joachim Heise, am Freitag. Er habe an der Sitzung des gemeinsamen Gremiums Ende Januar bereits nicht mehr teilgenommen.

Gemeinsam mit der Thüringer Stasi-Beauftragten Hildigund Neubert werfen die Opfer dem Ministerium vor, Protokolle aus gemeinsamen Sitzungen manipuliert und abweichende Meinungen der Opfer nicht festgehalten zu haben. Außerdem würden die Häftlingsverbände in dem Planungsgremium einfach überstimmt und immer wieder Informationen zurückgehalten, sagte Neubert.

Kulturstaatssekretär Thomas Deufel wies die Vorwürfe zurück. In der Arbeitsgruppe seien alle Meinungen gehört und anschließend demokratisch abgestimmt worden. „Jetzt kann nicht einfach eine Gruppe sagen: Wenn das, was ich will, nicht gemacht wird, ist es undemokratisch und falsch“, sagte Deufel. Niemand wolle böswillig anderen schaden. „Wir müssen wieder respektvoller miteinander umgehen. Ich stehe für Gespräche bereit.“

Regierungssprecher Peter Zimmermann sagte der dpa, die Ministerpräsidentin werde nicht in den Konflikt eingreifen. Lieberknecht respektiere die intensive Arbeit der Betroffenen, sei aber gegen „verordnetes Erinnern“. Gedenkstätten müssten aus dem bürgerschaftlichen Engagement kommen und mit demokratischen Mitteln eine Einigung erreichen.

Die Vereine kritisieren das Konzept für die Gedenkstätte. Demnach sollen fünf Themenbereiche behandelt werden: „Es sieht von außen aus wie ein Gefängnis - wird aber umgestaltet zu einem Museum für DDR-Geschichte“, sagte Wolf-Dieter Meyer von der Vereinigung der Opfer des Stalinismus in Thüringen. Dafür sei allerdings viel zu wenig Platz: Das zeithistorische Museum in Leipzig zeige die DDR-Geschichte auf 5000 Quadratmetern. Die Gedenkstätte in der Erufrter Andreasstraße habe gerade einmal 250 Quadratmeter Platz.

Es sei unverständlich, warum im Rahmen der Gedenkstätte Themen wie die „Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit“ bei den Jungen Pionieren behandelt werden müssten, kritisierte Neubert. Deufel erwiderte, Ministerium und Opfer hätten sich vor einem Jahr darauf geeinigt, welche Themen behandelt werden sollen. In einer Etage werde der erhaltene Zellentrakt gezeigt, in zwei weiteren Stockwerken sei genug Platz, um den Kontext der DDR-Diktatur darzustellen.

Neben einer Konzentration des Inhalts auf das Stasi-Gefängnis fordern die Opfer eine lebendigere Aufarbeitung. „Wir müssen Menschen mit allen Sinnen ansprechen - nicht nur mit dem Intellekt“, sagte Neubert. Die geplante Ausstellung gehe wie eine trockenes Vorlesung chronologisch und systematisch an das Thema. Das viel lebendigere Konzept der Opferverbände sei dagegen nicht berücksichtigt worden.

Der Verein „Freiheit“ hatte das Museum mehrere Jahre ehrenamtlich betrieben. Zum Jahreswechsel 2009/2010 hatten ehemalige Häftlinge das einzige erhaltene Stasi-Gefängnis in Thüringen besetzt und so eine Mitsprache eingefordert. Von 1952 bis 1989 soll die Staatssicherheit in dem Gefängnis etwa 5000 Menschen psychisch und physisch gefoltert haben. Bis September soll eine Gedenk- und Bildungsstätte entstehen. Das endgültige Konzept soll Ende Februar vorgestellt werden.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Siegfried und der Drache“ waren nicht zu bezwingen: Beim 15. Schneeskulpturen-Wettbewerb im ostergebirgischen Hermsdorf belegte das Pärchen aus den Heldensagen den ersten Platz.

04.02.2011

Der Agrarproduzent FZ-Foods AG steigt beim insolventen Tiefkühlkost-Hersteller Frenzel (Mochau) ein. Das zur KTG Agrar AG (Hamburg) gehörende Unternehmen übernimmt 65 Prozent der Anteile, teilte Frenzel-Geschäftsführer Jörg Spies am Freitag mit.

04.02.2011

Ein tickendes Geräusch aus einem Papierkorb sorgte am Haltepunkt Gret-Palucca-Straße am Freitagnachmittag für eine kurzzeitige Sperrung der Wiener Straße. Gegen 14.30 Uhr hörte ein aufmerksamer Bürger das ungewöhnliche Geräusch, berichtete die Polizei.

04.02.2011