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Mitteldeutschland Sünde oder nicht: Gläubige in Sachsen streiten über schwule Pfarrer
Region Mitteldeutschland Sünde oder nicht: Gläubige in Sachsen streiten über schwule Pfarrer
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14:34 29.01.2012
Pfarrerin Ulrike Franke arbeitet als Krankenhausseelsorgerin am Leipziger Klinikum St. Georg. Vor Kurzem hat die Leitung der evangelischen Kirche in Sachsen beschlossen, homosexuellen Pfarrern ein Leben mit ihren Partnern im Pfarrhaus zu gestatten. Quelle: dpa
Leipzig

Franke führt seit vielen Jahren eine glückliche Beziehung mit einer Frau. Momentan arbeitet sie als Krankenhausseelsorgerin in Leipzig, „aus gutem Grund“, wie sie sagt. Denn das Thema homosexuelle Pfarrer ist bislang heikel gewesen - und ist es im konservativen Sachsen noch immer. Es regt sich heftiger Widerstand. Unterschriften werden gesammelt, um schwule oder lesbische Paare im Pfarrhaus doch noch zu verhindern.

Der Hort des Widerstandes ist Markersbach im Erzgebirge. Dort wurde die „Markersbacher Erklärung“ aufgesetzt - ein inständiger Appell an die Kirchenleitung und die Synode, an einer Festlegung aus dem Jahr 2001 festzuhalten, dass „eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt“ wird. Ehe und Familie sollen das Leitbild des Zusammenlebens von Mann und Frau sein, Homosexualität sei Sünde. „Es ist unser spezieller Auftrag, das Leitbild von Ehe und Familie zu leben, das ist uns vorgegeben von Gott“, sagt der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady. Keinesfalls gehe es um eine Diskriminierung von Lesben und Schwulen.

Wie viele homosexuelle Pfarrer es in Sachsen gibt, mag die Kirche nicht beziffern. Man gehe davon aus, dass eins bis vier Prozent der Bevölkerung homosexuell seien. Der Anteil werde unter den rund 700 Pfarrern in Sachsen nicht anders sein, heißt es.

Franke sieht kämpferisch und ein bisschen traurig zugleich aus, wenn sie auf die „Markersbacher Erklärung“ angesprochen wird. Es fänden sich in der Bibel durchaus Passagen, die Homosexualität geißeln - etwa im Heiligkeitsgesetz und im Römerbrief, räumt sie ein. „Wer sagt: „Homosexualität ist Sünde“, hat es ziemlich eindeutig mit diesen Stellen“, sagt die 42-Jährige. „Aber es gibt viele Stellen in der Bibel, die wir heute aus ihrer Zeit heraus verstehen, die wir lange nicht mehr leben.“ Wichtig sei doch eine verlässliche Partnerschaft - ob nun homo- oder heterosexuell.

Die Theologin hat sich privat schon Anfang der 90er Jahre als lesbisch geoutet. 1998 wurde sie Gemeindepfarrerin in Reichenbach im Vogtland - und hielt ihre Beziehung erstmal geheim. Nach drei Jahren habe sie sich jedoch nicht mehr verstecken wollen, erzählt sie. „Ich wollte einfach sagen können, mit wem ich in den Urlaub fahre und warum.“ Leicht gefallen sei ihr das nicht, „und es war auch für die Kirchenvorsteher nicht leicht, damit umzugehen“. Zu ihrer Freude habe die Mehrheit der Gemeinde gesagt: „Das ist nicht wichtig für uns.“

Was damals allerdings nicht ging: mit ihrer Freundin im Pfarrhaus zusammenzuleben. Das verhinderte die Regelung aus dem Jahr 2001. Franke und ihre Partnerin wollten aber, wie jedes andere Paar, ausprobieren, ob sie es zusammen aushalten - und so blieb ihr nur ein Jobwechsel. Sie wurde Krankenhausseelsorgerin, ihre Lebensgefährtin, eine Pfarrerin aus Bayern, ließ sich beurlauben und zog nach Leipzig. Sie leben in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. „Es klappt“, stellt Franke fest. Mit der neuen Linie der Kirchenleitung könnte es für sie „vielleicht doch eine Perspektive in Sachsen“ auf eine Pfarrstelle geben. „Ich war sehr gerne Gemeindepfarrerin.“

Bevor ein homosexuelles Paar künftig in Sachsen in ein Pfarrhaus ziehen kann, muss es allerdings noch eine Hürde nehmen: Der jeweilige Kirchenvorstand muss zustimmen. Das sieht der Kompromiss der Kirchenleitung vor. Landesbischof Jochen Bohl nennt das Prozedere einen „weisen Beschluss“. „Er nimmt eine Öffnung vor, respektiert aber auch die Bedenken.“ Die gesamte Debatte um die schwulen Pfarrer werde in Sachsen sehr emotional geführt. „Das ist eine sehr herausfordernde Situation“, sagt Bohl.

Im April wird sich die Synode der evangelischen Landeskirche voraussichtlich noch einmal mit dem Thema befassen. Bis dahin wollen die Markersbacher weiter Unterschriften gegen gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus sammeln. Doch auch wenn sie sich lautstark und vehement zu Wort melden - sie sind mit ihrem Protest wohl in der Minderheit. Der Kirchenleitungsbeschluss jedenfalls, berichtet Landeskirchensprecher Matthias Oelke, sei sehr eindeutig gewesen. Von 18 Mitgliedern hätten sich 14 für die Akzeptanz von homosexuellen Paaren im Pfarrhaus ausgesprochen, nur 4 waren dagegen.

Birgit Zimmermann, dpa

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