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Mitteldeutschland 450.000 Menschen feiern Tag der Deutschen Einheit - Zulauf für Pegida
Region Mitteldeutschland 450.000 Menschen feiern Tag der Deutschen Einheit - Zulauf für Pegida
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21:59 03.10.2016
Großer Zulauf für Pegida am Tag der Deutschen Einheit in Dresden. Quelle: am
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Dresden

Mit insgesamt 450.000 Besuchern haben deutlich weniger Menschen in Dresden das Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit gefeiert als erwartet. „Es war dennoch alles gut“, sagte Regierungssprecher Christian Hoose. Ursprünglich hatte die Staatskanzlei mit etwa 750.000 Besuchern gerechnet. Hoose zufolge hat möglicherweise das etwas verregnete Wetter sowie die Berichterstattung zur angespannten Sicherheitslage in der Stadt die Menschen abgehalten, nach Dresden zu kommen. Die Stimmung sei aber dennoch gut gewesen. „Es war eine würdige Feier.“

Die Pegida-Veranstaltung zum bzw. gegen den Tag der Deutschen Einheit hatte hingegen am Montagnachmittag mehr Zulauf gefunden als üblich. Statt der normalerweise rund 2500 Teilnehmer kamen laut der Gruppe „Durchgezählt“ knapp 5000, Reporter vor Ort schätzten noch etwas mehr. Im Vergleich zu 2015 sind aber auch die 5000 noch vergleichsweise wenig.

Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz waren am Vormittag bereits auf dem Neumarkt zugegen, als eine wütende Menschenmenge Politiker beschimpfte, die zu den offiziellen Einheitsfeierlichkeiten anreisten. Die Demonstranten um Bachmann hatten dieses Mal eine andere Taktik gewählt. Statt Startkundgebung, Demo und Abschlusskundgebung traf sich Pegida dieses Mal ohne Rede am Busparkplatz unter der Budapester Straße und lief von dort zur Lingneralle, wo diverse Ansprachen gehalten wurden. Am Rückweg zum Startort beteiligte sich nicht einmal mehr die Hälfte der selbsternannten Patrioten. Rund 200 Menschen protestierten gegen Pegida.

Festakt: Appell für ein weltoffenes Deutschland

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat zuvor in Dresden für ein selbstbewusstes, weltoffenes und vielfältiges Deutschland geworben. „Das Paradies auf Erden ist hier nicht. Aber viele Menschen, die es verzweifelt suchen, vermuten es nirgendwo häufiger als in Deutschland“, sagte der CDU-Politiker beim zentralen Festakt in der Dresdner Semperoper.

Er monierte, dass die Deutschen das Bild ihres eigenen Landes viel zu negativ darstellten. „Wir können und dürfen durchaus etwas mehr Selbstbewusstsein und Optimismus zeigen“, sagte er. Deutschland könne sich „durchaus eine kleine Dosis Zufriedenheit“ erlauben, wenn nicht sogar ein Glücksgefühl.

Bundestagspräsident Norbert Lammert Quelle: dpa

Lammert: Erstaunliche Empörung

Mit Blick auf die Pöbeleien am Rande der Feierlichkeiten sagte Lammert: „Diejenigen, die heute besonders laut pfeifen und schreien und ihre erstaunliche Empörung kostenlos zu Markte tragen, die haben offenkundig das geringste Erinnerungsvermögen daran, in welcher Verfassung sich diese Stadt und dieses Land befunden haben, bevor die deutsche Einheit möglich wurde. Deshalb gilt mein besonderer Respekt all den Menschen hier in Dresden, in Sachsen, in Thüringen, in Sachsen-Anhalt, in Brandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, die wissen, was sie selbst in diesen Jahren geleistet und nicht vergessen haben, dass andere ihnen dabei geholfen haben.“

Polizei rechtfertigt Störer-Kundgebungen

Unterdessen hat die Polizei die Störer-Kundgebungen in der Dresdner Altstadt gerechtfertigt. Obwohl Versammlungen im Bereich des Einheitsfestes eigentlich strikt untersagt sind, haben Polizei und Ordnungsamt am Montag bei den Anhängern von „Pegida“ und „Festung Europa“ ein Auge zugedrückt. „Von den Personen ging keine Gefahr für Ablauf und Sicherheit der Protokollveranstaltungen aus“, teilte die Polizei mit. Die lautstarken Beleidigungen sowie das ausdauernde Pfeifen werte man als Meinungsäußerung, berichtet DNN-Online. Am Blauen Wunder in Dresden haben weitere Kundgebungen gegen den Tag der Deutschen Einheit begonnen.

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Wirtschaftsminister Martin Dulig und seine sichtlich geschockte Frau bei der Ankunft auf dem Neumarkt.

Rechte Demonstranten am Kongresszentrum

Die meisten Gegendemonstranten hatten sich gegen Mittag vom Neumarkt in Richtung Semperoper, Ort des offiziellen Festaktes, begeben. Auf dem Theaterplatz lärmten sie mit Trillerpfeifen gegen das aufspielende Polizeiorchester an und begleiteten auch die Übertragung aus der Oper mit Pfiffen und Rufen. Minsterpräsident Stanislaw Tillich rief in seiner Festrede dazu auf, mit Worten gewisse Grenzen nicht zu überschreiten. „Beschämt erleben wir, dass Worte die Lunte legen können für Hass und Gewalt“, sagte er. „Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch.“ Auch vor dem Internationalen Kongresszentrum, in dem der Empfang des Bundespräsidenten stattfan, hatten sich kurzzeitig um die 100 rechte Demonstranten gesammelt.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Zum Höhepunkt und Abschluss der Feierlichkeiten in Dresden zum Tag der Deutschen Einheit wurden an diesem Montag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hochrangige Politiker erwartet. Am Mittag stand ein Festakt in der Semperoper mit rund 1.000 geladenen Gästen auf dem Programm.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum Tag der deutschen Einheit zu gegenseitigem Respekt und Dialogbereitschaft aufgerufen. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung sei der Tag der Einheit für die allermeisten Deutschen nach wie vor ein Tag der Freude und Dankbarkeit, sagte die CDU-Chefin vor dem zentralen Festakt in Dresden. Es gebe aber auch neue Probleme. „Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen und dass wir auch gute Lösungen finden.“

Die Kanzlerin, Bundespräsident Joachim Gauck und andere Gäste waren vor dem Festakt von mehreren hundert Demonstranten beschimpft und angepöbelt worden, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses. Sie riefen „Volksverräter“, „Haut ab“ und „Merkel muss weg“. Auch Trillerpfeifen ertönten.

Die Ankommenden mussten von der Polizei durch die einige hundert Personen starke Menge eskortiert werden. „Um Zugang der Ehrengäste zu den Protokollveranstaltungen am Neumarkt zu gewährleisten, mussten Personen zurückgedrängt werden“, teilte die Polizei via Twitter mit. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hatte die Gäste zunächst vor dem Verkehrsmuseum empfangen, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Anschließend ging es weiter zum Ökumenischen Gottesdienst in die Frauenkirche.

Auch nach dem Ende des Gottesdienstes wurden die Gäste wieder beschimpft. Die Sächsische Staatskanzlei äußerte sich auf Twitter: „Wir sind traurig und beschämt über die Respektlosigkeit und den Hass der Pöbler bei den bisher friedlichen Feierlichkeiten zum #TdDE16“.

Mit rund 2600 Beamten sicherte die Polizei die Veranstaltungen zu den Feierlichkeiten ab. 

Mehr Infos im Special von DNN.de

Von dpa/fs

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