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Mitteldeutschland Tausende Dresdner gedenken friedlich der Zerstörung ihrer Stadt
Region Mitteldeutschland Tausende Dresdner gedenken friedlich der Zerstörung ihrer Stadt
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20:52 13.02.2019
Im Anschluss an die Menschenkette werden zum Dresdner Gedenken Kerzen vor der Frauenkirche niedergelegt. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Tausende Dresdner haben am Mittwoch der Zerstörung ihrer Stadt vor 74 Jahren gedacht. Als Zeichen für Frieden und Versöhnung reichten sich etwa 11 500 Menschen über zwei Brücken hinweg von Altstadt bis Neustadt die Hand. Im Vergleich zu vergangenen Jahren blieb es weitestgehend ruhig, auch wenn es kleinere Störungen gab.

Der Tag begann mit dem dezentralen Gedenken, das sich inzwischen eingespielt hat. Auf dem Heidefriedhof gedachten deutlich mehr Menschen als in den vergangenen Jahren den Opfern der Bombenangriffe vom 13. Februar 1945 und der folgenden Tage. Damals waren laut einer Historikerkommission 25 000 Menschen gestorben. Darunter solche, die sich im NS-Regime schuldig gemacht hatten neben anderen, die als Zwangsarbeiter oder verfolgte Juden in Dresden lebten. An das Schicksal der letztgenannten wurde am Vormittag am früheren „Judenhaus“ an der Sporergasse erinnert. Auf zahlreichen weiteren Friedhöfen wurde anderen Opfergruppen gedacht.

Auf dem Altmarkt wurden Kränze und Blumen niedergelegt. Quelle: Dietrich Flechtner

Zu dieser Zeit gab es den ersten Störfall. Auf dem Altmarkt war über Nacht am sonst zurückhaltend gestalteten Gedenkort ein schwarzes Kreuz aufgetaucht. Als Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) dort mit CDU-Fraktionschef Jan Donhauser einen Kranz niederlegte, stand das Gebilde noch, später entfernten es Mitarbeiter der Stadt. Es habe für das Kreuz keine Genehmigung gegeben, begründete Stadtsprecher Kai Schulz. „Das Kreuz wurde vom Ordnungsamt entfernt, da heute auf dem Altmarkt Demonstrationsgeschehen zu erwarten ist, bei dem solche Aufbauten hinderlich oder sogar gefährlich sein können.“ Kränze und Blumen beließ man an der Stelle. Später behauptete eine rechte Splittergruppe im Internet, Urheber des Kreuzes zu sein.

Der Vorfall zeigt, wie sehr Dresden am Gedenktag der Zerstörung mit sich selbst ringt. Die zu DDR-Zeiten übliche und später von Rechtsextremen geübte Instrumentalisierung soll einem entpolitisierten Gedenken weichen, bei dem es um Frieden und Versöhnung geht – so will es eine große Mehrheit, die durch die AG 13 Februar verkörpert wird. Nicht alle wollen sich jedoch an das Dogma stillen Gedenkens halten.

So gab es kleinere Scharmützel auf dem Neumarkt, wo sich eine Abordnung der Wellenlänge – auch das eine rechte Splittergruppe – am Martin-Luther-Denkmal eingefunden hatte. Trotz klarer Regelungen gegen politische Botschaften auf diesem sensiblen Platz, versuchte einer der Anwesenden ein Plakat zu präsentieren. Polizisten sorgten rasch wieder für Ordnung. Kleinere Auseinandersetzungen gab es auch am Obelisken in Nickern, wo die Grüne Jugend Dresden eine Versammlung abhielt, was rechte Gegendemonstranten anzog.

Im Großen und Ganzen blieb es aber friedlich. Im Stadtbild waren zwar viele Polizisten zu sehen, es dominierten aber Touristen, Berufstätige und Einkaufsbummler. Der 13. Februar – das ist inzwischen an vielen Orten und in vielen Momenten auch Alltag.

Nicht jedoch am Abend. Da rief OB Hilbert zum Auftakt für die Menschenkette dazu auf, „Versöhnungslücken“ zu schließen. „Das zerstörerische Feuer nationalistischer Strömungen in Deutschland, Großbritannien und Polen wird gerade auch von alten Ressentiments geschürt“, sagte er. Dem müsse man durch Gespräche, Perspektivwechsel und Menschlichkeit begegnen, forderte Hilbert, der Teile seiner Rede in Anwesenheit von seinen Amtskollegen aus Coventry und Breslau – zwei Dresdner Partnerstädten – auch auf Polnisch und Englisch vortrug. Flammender geriet der Appell von Unirektor Hans Müller-Steinhagen: Die Menschenkette sei das Zeichen dafür, dass „Intoleranz, Ausgrenzung und Gewalt keinen Platz in unserer Stadt“ haben. Dann gab es wieder dieses wichtige Dresdner Symbol der Gemeinschaft über alle Unterschiede hinweg, während die Glocken der Stadtkirchen läuteten.

Von Uwe Hofmann

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