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Mitteldeutschland Thüringens Archäologen betreuten 90 Ausgrabungen
Region Mitteldeutschland Thüringens Archäologen betreuten 90 Ausgrabungen
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15:53 17.07.2015
Weimar

Mit sogenannten Sicherungsgrabungen versuchten die Bodendenkmalpfleger dem zuvorzukommen. „Wir graben nicht nur einzelne Objekte aus, sondern dokumentieren die Geschichte der Landschaftsnutzung“, erklärte der Archäologe.

Wer den Boden für ein Bauvorhaben aufreiße, muss laut Thüringer Denkmalgesetz in angemessenem und zumutbaren Rahmen für archäologische Untersuchungen aufkommen, erklärte Ostritz. Es gelte das Verursacherprinzip. 2009 hätten die Archäologen mit ihren Grabungen bei Bauprojekten Kosten in einstelliger Millionenhöhe verursacht. „Kein Bauherr muss vor explodierenden Kosten für die archäologische Forschung fürchten.“ Ostritz rechnet auch 2010 mit überraschenden Funden. Zu den wichtigen Grabungsstellen 2010 zählt er die Baustelle der Autobahn 71 bei Leubingen im Kreis Sömmerda. Dort untersuchen die Archäologen eine Fläche von rund 70 000 Quadratmetern, um mehr über den „Bronzezeit-Fürsten von Leubingen“ und dessen Herrschaftssitz zu erfahren. Goldschmuck und Bronzewaffen aus dessen Grab waren schon im 19. Jahrhundert entdeckt worden. Mittlerweile kennen die Forscher 60 Gräber und mehr als 2000 Siedlungsspuren, die sie den Menschen aus der frühen Bronzezeit um 1940 vor Christus zugeordnet haben. 

Es sei ein Irrglaube, dass Forscher viel über Siedlungen der Germanen und das frühe Mittelalter wüssten. Schriftliche Quellen ab der Zeit der Germanen hätten nur der Selbstdarstellung von Regierenden gedient, über das alltägliche Leben sei wenig bekannt. „Daher sind die jüngsten Funde wie ein Hallenbau aus dem 10. Jahrhundert bei Ohrdruf im Kreis Gotha, wo der Kaiser Hof hielt, oder das Gräberfeld der fränkischen Adeligen bei Sondershausen so bemerkenswert“, berichtete Ostritz.

Bei Ausgrabungen und Denkmalpflege unterstützen etwa 450 Hobbyforscher die hauptamtlichen Archäologen des Landesamtes. Leider gehen laut Ostritz immer wieder Raubgräber mit Metallsonden im Freistaat auf Schatzsuche: „Jährlich bringen wir rund zehn solcher Fälle zur Anzeige, diese Zahl ist leider recht konstant.“ Die Raubgräber zerstörten bei der Jagd auf Gold und Silber oft wichtige Fundstellen, die den Archäologen Aufschluss über das gesamte Bodendenkmal geben könnten. 2010 wollen die Archäologen Thüringens Rolle in der Eiszeitforschung konzentrieren. Dazu sollen mehr Siedlungen der Neandertaler und frühen Menschen für Touristen, Wanderer und Schulklassen sichtbar gemacht werden.

 „Die Erkenntnisse wollen wir direkt in der Natur mit Hilfe von Tafeln und Wegweisern vorstellen“, sagte Ostritz. Höhlen oder Felsendächer mit Feuerstellen ließen auf die damalige Besiedlung Thüringens schließen. Schwerpunkte seien der Orlagau, Wöllnitz bei Jena und die Gegend um Weimar. In dem Travertingebiet fanden Forscher schon vor längerer Zeit Spuren von Neandertalern und steinzeitlichen Säugetieren.

Ulrike Hendan, dpa

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