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Mitteldeutschland Tillich besucht Flüchtlingsheim in Schneeberg: Landeschef plädiert für Aufenthalt in Würde
Region Mitteldeutschland Tillich besucht Flüchtlingsheim in Schneeberg: Landeschef plädiert für Aufenthalt in Würde
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17:41 17.04.2015
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich besucht die Asylerstaufnahmeeinrichtung im sächsischen Schneeberg. Quelle: dpa
Schneeberg

Derzeit leben 511 Menschen hier, Platz ist für 840.

Nach zwischenzeitlich rückläufigen Zahlen im März ist die Lage damit weniger angespannt als zuvor. Denn am 20. Februar mussten sogar mal 1084 Männer, Frauen und Kinder untergebracht werden. Weil der Platz nicht für alle reichte, wurde eine Turnhalle auf dem Gelände hergerichtet. Eng wird es künftig vermutlich wieder werden, Tillich rechnet nicht mit sinkenden Ankunftszahlen. „Die Anzahl der Asylbewerber steigt stetig“, sagt der Politiker. „Wir müssen damit rechnen, dass über das Jahr gesehen immer mehr Menschen zu uns kommen, weil die Konfliktherde nicht weniger, sondern eher mehr werden.“ Und richtig planbar sei ein solches Geschehen kaum: „Wir wissen um diese Uhrzeit nicht, wo auf der Welt jemand aufbricht, um nach Europa oder Deutschland zu kommen. Aber wir sind zumindest besser vorbereitet.“ 

Schneeberg. Als Stanislaw Tillich am Freitag Flüchtlinge und Asylbewerber in Schneeberg besucht, gibt es Tränen und auch Lachen. Der sächsische Regierungschef wirbt dafür, den Menschen einen Aufenthalt in Würde zu ermöglichen. Tillich rechnet nicht mit sinkenden Ankunftszahlen. „Die Anzahl der Asylbewerber steigt stetig“, sagte der Politiker im Rahmen seines Besuchs.

Tillich weiß, dass die vergangenen Wochen und Monate nicht nur den Flüchtlingen viel abverlangt haben. Auch die Mitarbeiter in den Behörden hätten schlaflose Nächte gehabt. Der Regierungschef räumt Probleme ein. Man sei im Januar und Februar von einer Welle aus dem Kosovo und Tunesien stammender Asylbewerber überrascht worden: „Darauf waren wir alle zusammen nicht vorbereitet, nicht nur in Sachsen, sondern in der gesamten Bundesrepublik Deutschland.“ Jetzt könne man sich besser darauf einstellen. „Es hat Probleme gegeben. Aber ich glaube, die haben wir jetzt weitestgehend im Griff.“

Als er am Freitag mit einem Tross aus Politikern, Vertretern von Hilfsorganisationen und Journalisten die Einrichtung in Schneeberg besichtigt, ist der Regierungschef auch bei Bewohnern ein begehrtes Fotomotiv. „Wo kommst Du her, will Tillich von einem etwa 10 Jahre alten Jungen wissen?“ Der Knabe antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Aus Österreich!“, und erntet Lacher. Tatsächlich stammt er wie seine Eltern aus Tschetschenien. Da die Familie zuvor in Österreich war und auch dort Schulpflicht gilt, spricht der Junge - anders als die Eltern - schon fließend Deutsch.

Flüchtlinge der Erstaufnahmeeinrichtung Schneeberg während des Besuchs von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Quelle: dpa

Tillich wird auch mit tragischen Schicksalen konfrontiert. Eine Frau mit Kindern aus Syrien bittet ihn zu einem Gespräch im engsten Kreis. Nur ein Dolmetscher ist dabei. Die Frau, erzählt Tillich später, sei auf der Flucht von einem Teil der Familie getrennt worden, der jetzt in einer Asylbewerberunterkunft in Trier lebt. Er sagt zu, das Problem auf Länderebene zu lösen. Auch in der Krankenstation und Wohnräumen schaut er vorbei und wirbt dafür, den Menschen einen würdevollen Aufenthalt in Sachsen zu ermöglichen.  

Das will auch der Malteser Hilfsdienst mit seiner Arbeit in Schneeberg erreichen. 60 Mitarbeiter sind am Ort, kümmern sich um Küche, Technik und soziale Betreuung. Letztere wird rund um die Uhr angeboten. In erster Linie gehe es darum, das Zusammenleben der verschiedenen Ethnien reibungslos zu organisieren. Probleme mit Gewalt gebe es in Schneeberg bisher nicht, berichtet der aktuell zuständige Malteser-Einsatzleiter, Tassilo Metternich.

Ende 2013 demonstrierte die rechtsextreme NPD mit Fackelmärschen gegen die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Schneeberg. Zeitweise schlossen sich bis zu 1500 Teilnehmer den fremdenfeindlichen Aufmärschen an.

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Jörg Schurig/ joka

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