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Trotz Lehrernot: Von der Uni zum Arbeitsamt - viele Absolventen erhalten keine adäquate Stelle

Trotz Lehrernot: Von der Uni zum Arbeitsamt - viele Absolventen erhalten keine adäquate Stelle

Im Referendariat lernen angehende Lehrer, was wirklich Sache ist an Schulen. Das Gute und auch die schlimmen Zustände. Sie sammeln Erfahrungen vor der Klasse, Erleben den Alltag im Kollegium, schöpfen Selbstvertrauen im Umgang mit Schülern.

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Lehrerstudenten und Mitarbeiter der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Leipzig in einem Seminar.

Quelle: dpa

Leipzig. Sie sehen aber auch den notorischen Stundenausfall, den Wegfall von Ganztagsangeboten, Profilunterricht, Projekten, die Schönfärberei der Ausfallzahlen, ausgebrannte Kollegen, die hohe Arbeitslosenrate bei Lehrern, obwohl diese an Sachsens Schulen gebraucht werden. 150 Referendare aus Leipzig und dem Landkreis erhielten am Mittwoch in der Aula der Rudolf-Hildebrand-Schule Markkleeberg Zeugnisse. Sie sind nun fertige Gymnasiallehrer.

Es war feierlich. Es gab Blumen. Es gab Dank für die Hilfe der Mentoren, Ausbilder und Kollegen. Aber es wurden auch viele betretene Gesichter beobachtet. Und es hagelte heftige Kritik. Denn nur ganze neun Absolventen dürfen sich über eine sofortige Stelle an einem Gymnasium freuen. "Entweder hat sich hier jemand eklatant verrechnet, oder aber diese Ausbildungspraxis hat System", sagten die angehenden Lehrer Hannes Toense und Christian Geitner in ihrer Rede. Weil absehbar war, dass es Mittwoch nicht nur feierlich, sondern auch kontrovers zugehen würde, hatte die Bildungsagentur Leipzig Medienvertretern den Zugang verwehrt.

Doch der Ärger der angehenden Lehrer ist groß und bahnt sich seinen Weg in die Öffentlichkeit. Geitner und Toense zählten in ihrer Rede auf, wie ihnen immer wieder gesagt worden war: Wir brauchen Sie. Vom Beginn des Studiums, trotz Ablehnung der ersten Referendariatsbewerbung, mit Beginn der zwei Vorbereitungsjahre. Von den Ministerpräsidenten Georg Milbradt und Stanislaw Tillich (beide CDU). Von diversen Kultusministern. Immer wieder und ohne Einschränkung, dass etwa eine Anstellung am Gymnasium aussichtslos sei. Nun fühlen sie sich betrogen. Denn etwa ein Drittel der 150 neuen Gymnasiallehrer aus Stadt und Kreis Leipzig verabschiedet sich in die Arbeitslosigkeit. Darunter Mütter mit Kleinkindern, die nicht einen Job in Ostsachsen annehmen können, wo Lehrerstellen noch zu besetzen sind. Manche wechseln frustriert in andere Bundesländer, wo sie gern genommen werden. "Was sich Sachsen an den Besten des Jahrgangs mit 1,0-Abschluss durch die Lappen gehen lässt, ist erschreckend", so Toense. Eine derartige Fehlausbildung grenze an Geldverbrennung.

Einige Absolventen stimmten einer Anstellung an Grund- und Mittelschulen zu. Wofür sie nicht ausgebildet sind. Wofür Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) in ihrem verlesenen Grußwort erneut geworben hatte. Einige Referendare reagierten darauf gestern mit höhnischem Gelächter. Ihr Berufsstart beginnt mit einer Enttäuschung, die sie nicht selbst verschuldet haben.

760 Lehrer stellt der Freistaat zum 1. August insgesamt ein, nur 108 an den Gymnasien. Alle anderen allgemeinbildende Schularten bekommen mehr. Weil dort die Personalnot noch drastischer ist. Wegen steigender Schülerzahlen und 590 Altersabgängen von Lehrern wird der Bedarf nicht annähernd gedeckt. Auch deshalb wird wohl demnächst die Höchststundenzahl pro Woche für Referendare auf zwölf erhöht. Viele vermuten, dass sich der Freistaat durch diese Mehrarbeit der Lehrer-Azubis die Einstellung nicht weniger Vollzeit-Lehrer spart. Obwohl sie dringend nötig sind. "Es fällt auch an den Gymnasien irrsinnig viel aus. Es vergeht kein Tag ohne Ausfall", sagt eine Junglehrerin, die zwei Jahre lang zum Referendariat gependelt ist und trotz eines Leistungsdurchschnitts von 1,1 nun mit Arbeitslosengeld über die Runden kommen muss. Viel Zustimmung und Applaus erhielten Toense und Geitner auf ihre teilweise bissige Rede. Selbst aus der ersten Reihe, in der Vertreter der Bildungsagentur saßen, gab es mitunter zustimmendes Kopfnicken oder sogar Beifall. Den Absolventen nützt dies wenig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.07.2013

Andreas Friedrich

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