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Mitteldeutschland US-Strafzölle würden Porsche und BMW in Leipzig hart treffen
Region Mitteldeutschland US-Strafzölle würden Porsche und BMW in Leipzig hart treffen
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21:33 07.03.2018
Macan-Produktion in Leipzig  Quelle: Foto: Porsche
Leipzig

 Der Blinker macht den Unterschied. An den beiden kleinen orangefarbenen seitlichen Zusatzlampen rechts und links am vorderen Stoßfänger erkennt jeder im Werk sofort: Dieses Auto geht in die USA. „Die sind nicht schön, aber leider Vorschrift“, sagte ein Porsche-Vorstand schon vor viereinhalb Jahren bei der Premiere des Erfolgsmodells Macan.

Im Leipziger Werk werden die US-Blinker ziemlich oft verbaut. Mehr als jedes fünfte Fahrzeug – 22 Prozent – geht von hier direkt nach Bremerhaven und dann per Schiff über den Atlantik. Damit sind die USA zweitwichtigster Absatzmarkt gleich hinter China. Beim Panamera sind die USA sogar wichtigster Markt: Der Anteil lag zuletzt sogar bei 24 Prozent. Beim Macan waren es 22. Nur der Cayenne lag er mit 20 Prozent darunter. Der der wird seit Jahresbeginn nicht mehr in Leipzig gebaut, sondern in Bratislava.

BMW 2er Cabrio und i8 sind in den USA der Renner

Das gleiche Bild elf Kilometer weiter östlich im BMW-Werk. Für mehrere Modelle sind die USA hier sogar der wichtigste Absatzmarkt: Vom Hybrid-Sportwagen i8 gingen im vergangenen Jahr 23 Prozent in die USA, beim Stromer i3 waren es 20 Prozent, beim 2er Coupé 19 Prozent und beim 2er Cabrio 22 Prozent. Die beiden wichtigsten Leipziger Baureihen – der Minivan 2er Active Tourer und der kompakte 1er – werden dagegen in den USA gar nicht angeboten. Das drückt den US-Anteil im Leipziger Werk. Insgesamt liegt er bei 8 Prozent.

Fast 60 000 Autos gingen damit im vergangenen Jahr von Leipzig in die USA. Die jüngsten Strafzoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump lassen daher die Alarmglocken läuten. „Falls die EU ihre bereits massiven Zölle und Barrieren gegen US-Unternehmen, die dort Geschäfte machen, weiter erhöht, werden wir einfach eine Steuer auf ihre Autos erheben“, hatte Trump am Wochenende auf Twitter gedroht.

Vor allem Porsche würde das hart treffen, warnt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. „Wenn Trump diese Strategie umsetzen würde, wäre Porsche sehr strak betroffen.“ Denn anders als andere Hersteller könne Porsche nicht einmal auf eine Produktion vor Ort ausweichen.

Zölle könnten Porsche 50 Prozent des US-Absatzes kosten

Schon vor gut einem Jahr hatte Trump erstmals mit Strafzöllen gegen die deutsche Autoindustrie gedroht. Damals war von 35 Prozent Einfuhrsteuer die Rede. „Porsche und der VW-Konzern müssen eine Strategie erarbeiten, um sich gegenüber den Trump-Risiken abzusichern“, hatte Dudenhöffer damals gefordert. Das könnte auch eine Porsche-Produktion in den USA erforderlich machen. Sonst, so warnte der Experte damals, könnten 50 Prozent des US-Absatzes wegbrechen.

Auch für BMW sieht Dudenhöffer die Lage nicht mehr ganz so entspannt, wie vor einem Jahr. Damals hatte er für die Marke noch Entwarnung gegeben. Schließlich ist BMW mit seinem Werk in Spartanburg in South Carolina größter Autoexporteur der USA, liefert von dort seine X-Modelle auch nach Europa. Das müsste nach den üblichen Gepflogenheiten bei Strafzöllen gegengerechnet werden.

Doch inzwischen kommen Dudenhöffer Zweifel, ob sich Trump an diese Regeln halten wird. „Dann hätte auch BMW ein großes Problem.“ 50 Prozent des US-Gewinns könnten wegbrechen. Das könnte am Ende bis zu zehn Prozent des Konzernüberschusses kosten.

BMW und Porsche selbst wollen sich bisher nicht zum Thema äußern. „Zu derartigen Spekulationen äußern wir uns grundsätzlich nicht“, erklärten Sprecher beider Autobauer fast wortgleich. Intern zeigt man sich aber gerade bei BMW verwundert, dass das Thema nun wieder hochkocht. Schließlich sei BMW nach wie vor der größte Autoexporteur der USA – und damit definitiv die falsche Adresse für Strafmaßnahmen.

Entwarnung bei VW – keine US-Exporte aus Sachsen

Keine Gedanken um US-Zölle muss man sich bei VW in Sachsen machen. Zwar werden die in Zwickau gebauten Modelle Golf, Golf Variant und Passat auch in den USA verkauft. Sie kommen aber nicht aus Sachsen, sondern werden vor Ort hergestellt: Der US-Passat in Chattanooga in Tennessee, Golf und Golf Variant in Puebla in Mexiko.

Auch aus Dresden gehen schon lange keine Autos mehr nach Amerika. Der inzwischen eingestellte Phaeton war zuletzt 2006 über den Großen Teich geliefert worden. Dann hatte VW den Verkauf dort wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Auch der neue E-Golf, der jetzt in der Gläsernen Manufaktur entsteht, bleibt in Europa. Zwar wird der Stromer auch in die USA geliefert. Die US-Wagen kommen aber nicht aus Dresden, sondern aus Wolfsburg.

Von Frank Johannsen

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