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Mitteldeutschland Umgang mit DDR-Bauten: Architektur-Experten fordern mehr Fingerspitzengefühl
Region Mitteldeutschland Umgang mit DDR-Bauten: Architektur-Experten fordern mehr Fingerspitzengefühl
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18:02 19.01.2012
Der Sachsenplatz in Leipzig im Jahr 1997. Quelle: KlausDieter Gloger
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Leipzig/Erkner

Jetzt fordern Experten im Umgang mit dem architektonischen Erbe der DDR mehr Fingerspitzengefühl.

Architekten, Denkmalpfleger und Kunsthistoriker tauschen sich derzeit zu neuen Forschungsergebnissen in Sachen DDR-Planungsgeschichte aus. Bis zum 20. Januar tagen die Experten im Leibniz-Institut für Regionalwentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner bei Berlin. Mit dabei: der Leipziger Professor Thomas Topfstedt vom Institut für Kunstgeschichte und HTWK-Professorin Annette Menting. Die Fachfrau für Baugeschichte und Baukultur rückt das Leipziger Gewandhaus, einziger Konzertneubau der DDR, in den Mittelpunkt. Während das Gewandhausorchester sich mit dem Haus stark identifiziere, würde die Architektur eher kritisch gesehen.

Emotionale Debatten um DDR-Bauten

Ist das Gewandhaus aus Leipzig nicht wegzudenken, sind viele andere Bauten neuer Architektur gewichen. Wenn im Osten Deutschlands prominente Gebäude abgerissen, vernachlässigt oder durch unsensiblen Umbau „entstellt“ würden, gingen auch der Charakter des Umfeldes und ein Stück Identität von Menschen verloren, sagte Architekturhistoriker Andreas Butter. „Die Debatten entzünden sich immer wieder neu.“

Bilder aus dem DDR-Postkarten-Museum:

Welche Strategien Baudenkmalpfleger für einen behutsamen Umgang mit solchen Gebäuden entwickeln können, ist am Donnerstag Thema einer Podiumsdiskussion auf der zweitägigen Konferenz. Rund 90 Wissenschaftler, Politiker und Besucher aus ganz Deutschland würden dort im IRS erwartet, sagte Butter.

Auch Vernachlässigung wird als Verlust empfunden

„Das Thema ist schon seit 20 Jahren aktuell“ - und werde mit jedem Abriss wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Die Reaktionen in der Bevölkerung seien beim Verschwinden bedeutender DDR-Bauten häufig emotional und reichten von Häme bis zu persönlicher Verletzung. „Das sind die Extreme.“ Das gelte nicht nur für den Abriss des Palastes der Republik in Berlin, der hohe Wellen geschlagen hatte, sondern etwa auch mit Blick auf den Umgang mit der Prager Straße und dem Kulturpalast in Dresden.

In den Debatten gehe es um Ideologie, Identität, architektonische Qualität, Städtebau - und Geld. „Verlust ist nicht immer nur Abriss, sondern in vielen Fällen auch Vernachlässigung oder Nichtnutzung eines Gebäudes“, betonte Butter. Heute werde Denkmalschutz nicht selten als „elitärer Luxus“ betrachtet. „Denkmalschutz ist jedoch ein Instrument zur historischen Vergewisserung einer Gesellschaft.“

Experte: Neubau-Projekte werden oft schön geredet

Um den Charakter von Bauten zu erhalten, müssten beispielsweise die Proportionen von Neubauten angepasst werden, forderte Butter. Zudem sollten die oft weiten Freiräume rund um bestehende, bedeutende Gebäude mit Respekt für den Bestand entwickelt werden. „Architektur der Moderne in Ostdeutschland hatte immer einen hohen Anspruch an städtebauliche Geltung.“ Auch  müsse genau überlegt werden, ob ein Neubau auch tatsächlich günstiger als ein Abriss sei. „Hier werden oft auch Projekte schön geredet.“

Aus Sicht von Butter ebenfalls unverzichtbar: bürgerschaftliches Engagement. So sei es nicht zuletzt wegen des Einsatzes von Studenten und Fachleuten gelungen, die Mensa der Bauhaus-Universität in Weimar zu retten. „Die unbequeme Öffentlichkeit ist wichtig.“

dpa/lyn

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