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Mitteldeutschland Umstrittene Deutschrocker Frei.Wild beim With Full Force: Festival-Fans rufen zum Boykott
Region Mitteldeutschland Umstrittene Deutschrocker Frei.Wild beim With Full Force: Festival-Fans rufen zum Boykott
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14:39 13.02.2013
Blick auf die Bühne beim With Full Force Festival 2009. (Archivfoto) Quelle: Norman Rembarz
Leipzig

In den mehr als 1500 Kommentaren unter der offiziellen Ankündigung auf Facebook begrüßten viele Fans die Ankündigung, nicht wenige drohten aber auch mit der Rückgabe ihrer Karten. Zudem wurde zum Boykott der Veranstaltung aufgerufen. Grund für die ablehnende Haltung ist der völkische-nationale Gestus in den Texten der Band aus Südtirol und die Überschneidung mit rechtspopulistischen Inhalten. Die Gruppe bestreitet dies.

Nach Angaben des Veranstalters sei der zweite Auftritt von Frei.Wild nach 2010 in Roitzschjora explizit Wunsch vieler Fans gewesen. „Durch Umfragen bestimmen die Besucher das Line Up maßgeblich mit. Daraus geht hervor, welche Bands spielen sollen. Frei.Wild gehört auch dazu“, erklärte Inmove-Geschäftsführer Sven Borges am Mittwoch gegenüber LVZ-Online und zeigte sich dabei wenig beeindruckt von den negativen Reaktionen im Internet: „Nach der Hetzjagd der letzten Monate in sämtlichen Medien, was die Band Frei.Wild angeht, hat uns das nicht sonderlich überrascht“, so Borges.

Facebook-Seite mit Boykott-Aufruf des diesjährigen With Full Force Festivals. Quelle: Screenshot

Wie der Inmove-Geschäftsführer weiter erklärte, arbeite seine Agentur schon seit einigen Jahren mit Frei.Wild zusammen und habe in dieser Zeit nichts Negatives erfahren. „Wir konnten keinerlei Rechtsextreme entdecken. Die Band hat auch immer eindeutige Aussagen gegen Rechts getroffen, die frenetisch vom anwesenden Publikum beklatscht wurden“, so Borges, der darauf hinwies, dass Frei.Wild auch bei anderen großen Festivals auftreten.

Der Boykottaufruf und die Ankündigungen einiger Fans, Tickets zurück geben zu wollen, ließen den Festivalveranstalter kalt: „Wir geben nicht allzu viel darauf, was an Statements gepostet wird. Das was zählt, sind die Fans, die wirklich das Festival lieben und auch jedes Jahr zu uns kommen. Die beteiligen sich nicht an solchen sinnlosen Diskussionen. Bisher hat noch niemand seine Karte zurückgegeben“, so der Inmove-Chef, der den bisherigen Vorverkauf als „sehr, sehr gut“ beschrieb.

Frei.Wild wurden 2001 im norditalienischen Brixen gegründet. Sänger Philipp Burger war zuvor Teil der rechtsradikalen Band Kaiserjäger und Mitglied der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheitlichen“. Von dieser Vergangenheit distanziert sich Burger heute. Zwei der Hauptthemen aller bisherigen acht Longplayer von Frei.Wild sind Heimatliebe und Widerstand gegen vermeintliche Unterdrückung. Ähnlich wie ihre inzwischen aufgelösten großen Vorbilder „Böhse Onkelz“ haben Frei.Wild damit großen Erfolg. Das aktuelle Album „Feinde deiner Feinde“ stieg bis auf Platz zwei der hiesigen Charts.

Obgleich direkte Verweise vermieden werden, werfen Kritiker der Band in ihren Texten auch Überschneidung mit Inhalten des rechtsradikalen Milieus vor. So erklärte der Journalist Thomas Kuban in seinem Buch „Blut muss fließen“, Frei.Wild etablieren Nationalismus und Anti-Antifaschismus als hippe Protestkultur. Im 2012 veröffentlichten Song „Nur Dumme Sagen Ja Und Amen“ heißt es beispielsweise: „Es kehrt zurück was irgendwann war, und was verloren schien, was viele dachten, doch nie sagten. Die Meinungsfreiheit war dahin, jeder verstellte seine Worte und Tabus blieben Tabus, gewisse Themen waren verboten, im Land der Vollidioten. Nimm die Hand vom Mund, sag was Du fühlst, wenn Du dagegen bist und wo Recht zu Unrecht wird, wird der Widerstand zur Pflicht“.

Nachdem die mit einem Echo prämierte Rockband Jupiter Jones im Dezember in einer Fernsehsendung gegen Frei.Wild Stellung bezog und deren Inhalte als „exklusiv nationalistisch“ beschrieb wurden sie im Internet harsch von den Fans der Südtiroler attackiert. Einen ähnlichen „Shitstorm“ bekamen auch Jennifer Rostock zu spüren, nachdem sie sich gegen Frei.Wild-T-Shirts auf eigenen Konzerten aussprachen.

Matthias Puppe

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