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Mitteldeutschland Vattenfall prüft Braunkohle-Verkauf – Sachsen will auf "Brückentechnologie" beharren
Region Mitteldeutschland Vattenfall prüft Braunkohle-Verkauf – Sachsen will auf "Brückentechnologie" beharren
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14:17 30.10.2014
Eine Mitarbeiterin von Vattenfall am Tagebau im sächsischen Reichenwalde. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Cottbus/Stockholm

Wie Konzern-Präsident Magnus Hall sagte, sehe die künftige Strategie „eine Umstellung unseres Erzeugungsportfolios auf erneuerbare Energien vor“.

Gleichwohl sei sich das Unternehmen aber auch der Bedeutung der Braunkohleförderung in den ostdeutschen Bundesländern bewusst. „Die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen sind wichtige Ansprechpartner für Vattenfall in der Lausitz und wir setzen auch weiterhin auf den engen Dialog“, so Hall weiter. Johannes Beermann (CDU), Chef der Sächsischen Staatskanzlei, wertete diese Ankündigung als positives Zeichen. „Die Staatsregierung begrüßt das Bekenntnis Vattenfalls zur Braunkohle und ist erfreut über die Ankündigung, in das weitere Vorgehen die Länder Brandenburg und Sachsen einzubeziehen“, ließ der Unionspolitiker am Donnerstag mitteilen. Für die Staatsregierung sei entscheidend, dass die Arbeitsplätze und die Zukunft des Braunkohleabbaus in der Lausitz gesichert sind.

Beermann war vergangene Woche zu ersten Gesprächen über die künftige Vattenfall-Strategie nach Stockholm gereist. Ende November will auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) mit der Vattenfall-Führung diskutieren.  

Martin Dulig, Fraktionsvorsitzender der SPD im Sächsischen Landtag, verlangte am Donnerstag eine zügige Entscheidung zum Verkauf. Auch er war bereits bei den Schweden vorstellig geworden. „Für uns steht im Vordergrund, dass mit einem neuen Eigentümer die Arbeitsplätze in der Lausitz gesichert werden.“ Nach Duligs Ansicht, sei eine sichere Stromversorgung zu akzeptablen Preisen auf absehbare Zeit nur mit der Nutzung von Braunkohle möglich.

Die sächsische SPD hielt schon im Wahlkampf am Abbau und der Verbrennung klimaschädlicher Braunkohle fest. Die Sozialdemokraten sprechen dabei von einer „Brückentechnologie“. Diese soll noch bis 2050 genutzt werden, also für die nächsten 35 Jahre.

Grüne und Linke mahnen zur Vorsicht – Greenpeace: Problem wird weitergereicht  

Bei den Oppositionsparteien im Dresdner Landtag stieß die Vattenfall-Ankündigung dagegen auf wenig Optimismus. „Jeder Kuhhandel auf Kosten der Steuerzahler, des Klimaschutzes, der Gesundheit und der von Umsiedlung betroffenen Menschen muss verhindert werden“, erklärte der Grünen-Energieexperte Gerd Lippold. Vattenfall gehe es offensichtlich um die Fortsetzung des Kohlegeschäfts durch neue Eigentümer, wobei Sachsen und Brandenburg die Risiken mittragen sollten. Er warnte vor einem Desaster wie bei der Landesbank.  

Nach Ansicht der Linken böte ein möglicher Verkauf auch „Heuschrecken und anderen windigen Investoren die Möglichkeit, das Lausitzer Braunkohlegeschäft zu übernehmen“, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jana Pinka. Unter neuen, möglicherweise rein renditeorientierten Eigentümern drohten Arbeitsplätze wegzufallen, noch bevor sich die Region auf den Weg zum notwendigen Strukturwandel machen könne, warnte sie.  

Die Umweltorganisation Greenpeace begrüßte die Ankündigung Vattenfalls, klimafreundlicher werden zu wollen. Aber dafür könne der Konzern das klimaschädliche Geschäft nicht einfach verkaufen: „Ein Verkauf löst das Problem nicht, sondern reicht es lediglich weiter“, sagte Energieexperte Karsten Smid. Vattenfall habe über Jahre Milliarden mit der Braunkohle verdient. Daher müsse das Unternehmen dieses Geschäft nun schrittweise herunterfahren und parallel in der Lausitz in erneuerbare Energien investieren.

Grund für den angestrebten Konzernumbau in Stockholm sind offenbar auch finanzielle Einbußen. Im dritten Quartal verbuchte das Unternehmen nach eigenen Angaben durch hohe Abschreibungen einen Verlust von rund 18 Milliarden schwedischen Kronen (1,94 Mrd Euro). Der Umsatz sank leicht auf rund 34,7 Milliarden Kronen (drittes Quartal 2013: 37 Mrd Kronen). Für das kommende Jahr hat sich der Energiekonzern deshalb ein strenges Sparprogramm über drei Milliarden Kronen auferlegt. Zudem sieht sich der Energieriese seit Jahren mit Protesten von Umweltschützern konfrontiert.

mpu / dpa / joka

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