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Mitteldeutschland Vor 100 Jahren starb Karl May - Sonderausstellung und Kranzniederlegung
Region Mitteldeutschland Vor 100 Jahren starb Karl May - Sonderausstellung und Kranzniederlegung
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20:32 29.03.2012
Undatierte Aufnahme des vielgelesenen deutschen Autors Karl May. Quelle: dpa

Eine Sonderausstellung mit dem Titel „Für Euch, Ihr Lieben, noch extra herzlich Gruß“ zeigt bis zum 4. November erstmals Handschriften des Schriftsteller aus der Sammlung des Museums.

Seine Fans konnte sich Karl May nicht aussuchen. Auch Adolf Hitler soll im März 1912 in Wien an seinen Lippen gehangen haben. Der zweieinhalbstündige Vortrag des populären und sich in seiner späten Schaffensphase als Pazifisten begreifenden Schriftstellers endete - so sein Biograf Christian Heermann - mit dem Bekenntnis, dass er selbst „nichts erstrebt als nur das eine, große, irdische Ziel: Und Friede auf Erden!“

Diese Botschaft war die letzte, die Karl May in die Welt sandte. Acht Tage nach seinem Wiener Vortrag starb May, einer der bis heute meistgelesenen deutschen Schriftsteller, am 30. März im sächsischen Radebeul bei Dresden - fünf Wochen nach seinem 70. Geburtstag. In der Villa „Shatterhand“ im Dresdner Vorort war er die letzten 16 Jahre seines Lebens zu Hause. Seine in Radebeul erdachten Romane führen den Leser beispielsweise in den Wilden Westen, auf den Balkan oder in den Orient. Der Autor zeigt beim Verfassen unerschöpfliche Fantasie, aber er hat auch andere Hilfe. „May bedient sich beim Schreiben und Erfinden eines umfangreichen Apparats mit Hunderten von Sprachführern, kartografischen Werken, Reise- und Forschungsberichten“, erklärt May-Biograf Rüdiger Schaper.

Als Jugenderzähler - als der er sich selbst nie verstanden wissen wollte - brachte er es zwar in der Folge schon zu einiger Berühmtheit, den eigentlichen Durchbruch markierte aber erst 1892 die neue eigene Buchserie „Carl May’s gesammelte Reiseromane“, in der schließlich auch der dreibändige „Winnetou“ erschien. Da war der Autor schon über 50. Längst hatte er sich zum Helden seiner Ich-Romane gemacht: „Ich bin wirklich Old Shatterhand“, behauptete er öffentlich.

Zum Leidwesen des Schriftstellers kam noch zu Lebzeiten sein Vorstrafenregister heraus - und zugleich der Umstand, dass er den von ihm wohl vor allem aus Eitelkeit geführten Doktortitel zu Unrecht trug. So blieb der Geschichtenerzähler bis zum Lebensende in Prozesse verwickelt.

Auch unter seinen Literaten-Kollegen war May umstritten. Arnold Zweig etwa monierte, dass im Unterschied zu anderen, „erlebtes Leben“ schildernden Autoren bei May „alle seine Darstellungen falsch sind“. Thomas Mann, Egon Erwin Kisch oder Hermann Hesse gehörten hingegen zu den erklärten May-Sympathisanten. Dass es solche noch immer gibt, bewies im vergangenen Jahr auch die längste Non-Stopp-Lesung der Welt in Mittweida: Aus einer kleinen Zelle heraus, in der May 1870 für sieben Wochen in Untersuchungshaft saß, lasen Hunderte Menschen hintereinander das Gesamtwerk des Autors. Sie brauchten dafür 51 Tage.

dpa

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