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Mitteldeutschland Waggonbau Niesky trotz guter Auftragslage insolvent
Region Mitteldeutschland Waggonbau Niesky trotz guter Auftragslage insolvent
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19:36 02.01.2018
Ein Angestellter arbeitet im Werk des Waggonbau Niesky an einem Einseitenkastenkipper-Güterwaggon. (Archiv) Quelle: dpa
Niesky

Der Lausitzer Traditionsbetrieb Waggonbau Niesky (WBN) hat trotz guter Auftragslage Insolvenz angemeldet. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, wurde der Antrag bereits Ende Dezember beim Amtsgericht Dresden gestellt. Grund seien zu viele Aufträge mit hoher Komplexität, die „unter dem Strich defizitär abgeschlossen wurden“, erklärte Eduard Janßen, der erst im November die Geschäftsführung bei WBN übernommen hatte. Damit drohe die Zahlungsunfähigkeit.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde nach Angaben des Gerichts der Dresdner Rechtsanwalt Jürgen Wallner bestellt. Die Staatsregierung kündigte Unterstützung zur Sicherung der Arbeitsplätze an. Ziel des Verfahrens ist es laut Janßen, die Zukunft von WBN zu sichern und die 320 Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sowie rund 700 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern und Zeitarbeitern „wo immer möglich“ zu erhalten. Löhne und Gehälter seien bis einschließlich Februar über das Insolvenzgeld gesichert.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bedauerte die Insolvenz, „insbesondere da unseres Wissens die Auftragsbücher gut gefüllt waren. Wir stehen in Kontakt mit dem Unternehmen, um Möglichkeiten für eine Unterstützung des Freistaates auszuloten.“ Operativ sei das Unternehmen soweit gut aufgestellt, meinte auch Janßen. Die Produkte der WBN, das langjährige Know-how, die Fertigkeiten und Fähigkeiten der qualifizierten Belegschaft würden weltweit nachgefragt. Das Unternehmen stellt Spezial- und Güterwaggons her.

Nach den Stellenstreichungs- beziehungsweise Werksschließungsplänen bei Siemens und Bombardier ist es die dritte Hiobsbotschaft für die Lausitz. „Wir werden mit allen Kräften das Unternehmen unterstützen, um im Zuge des Insolvenzverfahrens mit dem Insolvenzverwalter die Aufrechterhaltung und Weiterführung des Betriebes und die Arbeitsplätze vor Ort zu sichern“, sagte Dulig.

2016 hatte WBN noch einen Rekord bei den Auftragseingängen im Umfang von 137 Millionen Euro vermeldet. Der Exportanteil lag bei 70 Prozent. Abnehmer waren zu 90 Prozent europäische Länder, 10 Prozent exportiert Niesky nach Asien.

2007 hatte Waggonbau Niesky schon einmal Insolvenz angemeldet. Ein Jahr später übernahm die Deutsche Bahn AG das Unternehmen. 2015 hatte die Münchner Unternehmensholding Quantum WBN übernommen.

dpa

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