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Mitteldeutschland Walter Röhrl: „Porsche ist mein Leben“
Region Mitteldeutschland Walter Röhrl: „Porsche ist mein Leben“
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09:13 28.03.2018
Rennfahrer Walter Röhrl mit einem Porsche 911 Turbo. Außer schnelle Autos liebt der 70-Jährige das Radfahren – 12 000 Kilometer sitzt er pro Jahr im Sattel. Quelle: Foto: Porsche
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Leipzig

Walter Röhrl – 1947 in Regensburg in Bayern geboren – ist der einzige deutsche Rallye-Weltmeister. „Der Lange“, so sein Spitzname, siegte bei zwei Rallye-Weltmeisterschaften und fuhr vier Siege bei der Rallye Monte Carlo ein. Seit 1993 ist er Repräsentant und Versuchsfahrer bei Porsche. Redakteur Andreas Dunte traf Walter Röhrl bei der Ausstellungseröffnung „70 Jahre Porsche“ im Berliner Drive-Museum.

Porsche blickt auf 70 Jahre Sportwagenbau zurück. Was verbindet Sie mit dem Jubiläum?

Porsche war und ist mein Leben. Das Jubiläum passt zu mir, denn ich bin ebenfalls 70 (lacht). Mit 21 Jahren kaufte ich mein erstes Auto, einen gebrauchten Porsche 356. Und seit 25 Jahren darf ich bei Porsche mitarbeiten. In dieser Zeit war ich an der Entwicklung von drei Highlights beteiligt, drei Überautos, wie ich sie nenne: den 959, den ersten allradgetriebenen Porsche, dann den superleichten Carrera GT, der übrigens in Leipzig gefertigt wurde, und den Porsche 918 mit einem revolutionären Antriebskonzept, bestehend aus zwei Elektromotoren und einem Verbrennungsmotor. Darauf bin ich wirklich sehr stolz.

Was halten Sie als Rallye-Fahrer von der Leipziger Rennstrecke direkt am Werk?

Sie macht Spaß, weil Elemente anderer berühmter Rennstrecken integriert sind, etwa die Parabolica aus Monza oder das Karussell von der Nürburgring-Nordschleife. Eine wunderbare Möglichkeit für Kunden, ihre Wagen kennenzulernen. Für die Entwicklung eines Rennautos ist sie allerdings nicht geeignet. Weil die Strecke zu viele Rechtskurven hat und so die Reifen schnell einseitig abgefahren sind. Nach vier Runden sind die Messergebnisse verfälscht.

Der damalige Chef Wendelin Wiedeking hat Sie unter der Maßgabe geholt, dass Sie ihm immer die ungeschminkte Wahrheit über Neuentwicklungen sagen.

Dem Motto bin ich bis heute treu. Ohne diesen Mann – darüber herrscht bei den Porschianern übrigens Einigkeit – würde es das Unternehmen, das Anfang der 90er Jahre in großen Schwierigkeiten steckte, nicht mehr geben. Er hatte ein Gespür für Neuentwicklungen und Trends wie kein anderer.

Aber seine Entscheidung, in Sachsen ein zweites Werk zu bauen, haben damals nicht alle in Stuttgart-Zuffenhausen begrüßt?

Ja, auch der Bau des Geländewagens Cayenne wurde von einigen mehr belächelt als bejubelt. Aber letztlich war beides richtig. Porsche hat damals eine riesige Fläche in Leipzig gekauft. Und schauen Sie heute hin. Nach 20 Jahren steht da ein riesiges Werk. Es war sehr weitsichtig, so viel Platz zu reservieren. Um Leipzig mache ich mir keine Sorgen – das Werk hat eine große Zukunft.

Porsche war Stuttgart–Zuffenhausen. Hatte man nicht Sorge vor Made in Saxonia?

Im Gegenteil. Wir wussten doch, was die Sachsen drauf hatten.

Woher?

In meinem Sport, dem Rallye-Fahren, sind wir schon in den 70er Jahren in Polen, Bulgarien oder Rumänien gegen die Werksmannschaften von Trabant und Wartburg angetreten. Das waren Leute mit Ehrgeiz, Verstand und Können. Die wussten, wie man Autos baut und wie sie funktionieren. Bei jedem Rennen fiel etwa die Hälfte aller Fahrzeuge aus. Die Trabant- und Wartburg-Fahrer kamen immer ins Ziel. Zwar weit hinter uns. Aber bei 80 PS gegen 180 PS muss das nicht wundern. Deshalb waren wir von Anbeginn überzeugt, dass sich das Engagement im Osten lohnen wird.

Haben Sie noch Kontakt zu den Fahrern der alten Teams?

Mit einigen bin ich sogar befreundet. Heute lachen wir über Ereignisse, die mich, hätte ich früher davon Kenntnis gehabt, wütend gemacht hätten.

Was meinen Sie?

Die Fahrer aus der DDR durften früher offiziell keinen Kontakt zu uns haben. Den gab es aber. Bei der Pneumant-Rallye International im März 1967 in Aue, an der ich teilnahm, bat mich DDR-Rallye-Fahrer Peter Arndt um eine Autogrammkarte. Ich schickte sie ihm mit der Post. Ein Fehler, wie ich erst nach der Wende erfahren sollte. Er war kurz davor, Werksfahrer bei Wartburg zu werden. Die Stasi hat den Brief mit dem Autogramm abgefangen. Journalisten von Auto-Bild haben uns vor einiger Zeit zusammengebracht. Peter betreibt heute ein Geschäft für Modelleisenbahnen in Hof. Seine ersten Worte waren: „Die Autogrammkarte war mein Untergang.“ Dann haben wir herzlich gelacht. Peter Arndt musste zwar seine Rennfahrer-Karriere an den Nagel hängen. Ein Gewinner ist er trotzdem. Anders als der Staat, der ihm Knüppel in die Beine legte, ist er noch quicklebendig und glücklich zudem.

Sie sind ein Fan des Porsche 911. Was sagen Sie zu den anderen Modellen?

Der 911 ist weiter das Herzstück des Unternehmens. Aber ohne die neuen Modelle wie Cayenne, Macan oder Panamera würde es Porsche heute nicht mehr geben. Sie machen jetzt schon rund 60 Prozent des Umsatzes aus.

Porsche-Chef Oliver Blume ist zuversichtlich, dass bald auch Elektroautos in Leipzig gebaut werden könnten. Was halten Sie vom Elektro-Porsche Mission E, der in Stuttgart produziert werden soll?

Ein formvollendetes Auto, das sich super fährt. Allerdings hat es den falschen Antrieb.

Warum?

Ich bin ein absoluter Gegner von Elektroantrieben. Die Produktion von Elektroautos geht – jedenfalls aktuell – in die falsche Richtung. Man muss mit einem Benziner mehr als 200 000 Kilometer fahren, ehe man die Umwelt ähnlich belastet hat wie durch die Herstellung eines Lithium-Ionen-Akkus. Von der Entsorgung der Batterie ganz zu schweigen. Aber politisch sind E-Autos gewollt. Für mich ist der Hybrid die Zukunft. Mit dem kannst du fahren, so weit du willst. In der Stadt fährst du rein elektrisch.

Finden Sie es richtig, dass Porsche den Diesel aus dem Programm genommen hat?

Der moderne Diesel ist der perfekte Antrieb. Ohne Diesel kann man die Klimaziele nicht erreichen. Dummerweise wurden viele Fehler gemacht, die den Selbstzünder in die Kritik gebracht haben. Statt zu sparen hätte VW mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um eine saubere Lösung zu erreichen. Ich denke, der Diesel wird irgendwann auch wieder im Produktionsprogramm von Porsche zu finden sein. Das letzte Wort ist da nicht gesprochen.

Fahren Sie privat einen Diesel?

Ich habe mir gerade einen VW-Bus T6 gegönnt – einen Diesel, der die Euro-6-Norm erfüllt. Das ist ein wunderbares Familien-Auto und bestens geeignet für Urlaub und Freizeit. Ich bin ein leidenschaftlicher Radfahrer. Etwa 12 000 Kilometer verbringe ich jährlich im Sattel. Das Fahrrad packe ich in das Auto und ab geht es in den Bayrischen Wald oder in die Umgebung von Leipzig, wenn ich hier bin.

Sie werden oft zu Vorträgen gebucht. Wie erklären Sie jungen Leuten Ihre Leidenschaft für Sportwagen?

Das wird ehrlich gesagt immer schwieriger. Junge Leute haben heute andere Träume als wir. Wir wollten frei sein. Und dazu gehörte ein eigenes Auto, noch dazu ein schnelles. Was ich meine, zeigt ganz gut der Brief eines 60-Jährigen, den ich kürzlich erhalten habe. Der Mann hat sich sein ganzes Leben auf eine Porsche gefreut, jetzt mit 60 hat er endlich einen gebrauchten 911er. Das Glück wäre perfekt, schreibt er, wenn er zu mir kommen dürfte und ich auf dem Tankdeckel unterschreibe. Der ist jetzt schon ganz nervös.

Von Andreas Dunte

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