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Mitteldeutschland Was tun im Notfall? Experten erklären Bus-Notausstieg-System
Region Mitteldeutschland Was tun im Notfall? Experten erklären Bus-Notausstieg-System
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22:10 05.07.2017
Notausstiegs-Fenster und –Dachluken können mit speziellen Nothämmern eingeschlagen werden. (Symbolfoto) Quelle: Marvin Christmann
Leipzig

 Kein Flugzeug startet ohne Sicherheitshinweise für die Passagiere, kein Schiff ohne Seenotrettungsübung. Nach dem verheerenden Busunglück in Oberfranken stellt sich die Frage, wie die Busbranche ihre Reisenden für den Notfall vorbereitet. Und welche Chance haben Passagiere, sich in einer Notlage selbst zu retten? LVZ.de sprach mit Experten.

Grundsätzlich bestehen drei Möglichkeiten, aus einem Bus in einer Notsituation herauszukommen: Über die Türen, besondere Notausstiegsfenster oder Dachluken, erklärt der Deutsche Kraftfahrzeugüberwachungsverein Dekra. Doch wie bekommen Passagiere die Bustüren auf, wenn der Fahrer nicht mehr reagieren kann? An jeder Tür befinde sich ein Nothahn, über die bei pneumatischen Systemen der Druck aus der Verriegelung genommen werde. Nach einer Wartezeit von bis zu acht Sekunden könne man die Tür „kraftfrei von innen aufstoßen“. Bei elektrischen Systemen könne die Tür über diesen Sicherheitshebel mechanisch entriegelt werden, so die Dekra-Experten.

Notausstiegs-Fenster und –Dachluken können mit speziellen Nothämmern eingeschlagen werden. Das rote Werkzeug konzentriere die Kraft auf einen kleinen Punkt in Form einer Stahlspitze. Das Glas zerfalle nach dem Schlag in kleine, stumpfkantige Glaskrümel, die dann mit dem Rücken des Nothammers aus dem Rahmen geräumt werden. Beim ersten Schlag müsse auch spezielles Sicherheitsglas von einem Erwachsenen problemlos zerstört werden können, so Dekra weiter.

Die Zahl der Notausstiege sei vorgeschrieben, steige mit der Sitzplatzzahl des Fahrzeugs. So muss ein Bus mit 46 bis 60 Sitzplätzen sechs Notausstiege haben, ein Bus mit 91 bis 110 Plätzen braucht schon neun Notausgänge. Statistisch gesehen sei in der Mitte des Busses in der inneren, am Mittelgang liegenden Sitzreihe der sicherste Platz in einem Bus.

Verband: In vielen Bussen gibt es Sicherheitsvideos

Reguläre Notfallinformationen wie im Flugzeug hält Dekra auch für Busreisen angebracht: Fluchtwege und Notausstiege sollten den Fahrgästen mitgeteilt werden, bevor der Bus rollt. Auch ein Infoblatt an jedem Sitzplatz sei eine Alternative.

Sicherheitshinweise seien schon jetzt in vielen Bussen gängige Praxis, sagt Annette Heinemann vom Internationale Bustouristik-Verband RDA aus Köln gegenüber LVZ.de. So seien Informationen von der Anschnallpflicht über die Gepäckaufbewahrung bis zur Position der Feuerlöscher und Verbandskästen die Regel. „In vielen Bussen werden außerdem Videos mit Sicherheitshinweisen auf die Monitore in den Sitzen oder im Gang eingespielt“, heißt es weiter.

Für eine Verpflichtung der Busunternehmen zur Sicherheitseinweisung sieht der Verband aber derzeit keine Notwendigkeit: Jeder verantwortungsbewusste Unternehmer werde seine Fahrgäste schon im eigenen Interesse unterrichten.

Von Evelyn ter Vehn

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