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Mitteldeutschland Weil es zum Leben nicht reicht – immer mehr Sachsen haben Zweitjobs
Region Mitteldeutschland Weil es zum Leben nicht reicht – immer mehr Sachsen haben Zweitjobs
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00:20 16.06.2017
Immer mehr Menschen in Sachsen haben Zweitjobs. (Archivbild) Quelle: dpa
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Leipzig

Nach Feierabend beginnt für viele Menschen in Mitteldeutschland die zweite Schicht: Immer mehr Beschäftigte üben neben ihrer Haupttätigkeit einen Zweitjob aus. Hatten 2007 in Sachsen noch 38.075 zusätzlich zum Job einen Nebenerwerb, waren es im letzten Jahr 59.784. Das ist ein Anstieg von 56,8 Prozent. Thüringen und Sachsen-Anhalt verzeichnen mit jeweils 56,3 Prozent ein ähnlich großes Plus, wie die Landesarbeitsagentur in Chemnitz mitteilt.
Damit arbeitet in Sachsen jeder vierte Minijobber zusätzlich zu seiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Nach Feierabend wird vorwiegend im Gastgewerbe, im Handel, im Dienstleistungsbereich sowie im Gesundheits- und Sozialwesen gearbeitet.

Der Nebenerwerb sei nötig, um finanziell über die Runden zu kommen, weil es ansonsten nicht zum Leben reiche, sagt die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. „Nach wie vor sind viel zu viele Menschen arm trotz Arbeit. Die Bundesregierung versagt hier auf der ganzen Linie“, kritisiert die Linken-Politikerin und fordert eine bessere Entlohnung. Das sei sicher ein Grund, meint der Sprecher der sächsischen Landesarbeitsagentur Frank Vollgold. Aber es gebe weitere Gründe: So wollten sich viele Arbeitnehmer zusätzliche persönliche Wünsche erfüllen. Andere sähen im Zweitjob einen Ausgleich zum Hauptjob.

Deutlicher Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist die Entwicklung auf die Einführung des Mindestlohns zurückzuführen. Vor allem mittelgroße Betriebe haben bisherigen Minijobbern einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz angeboten. Von der Umwandlung profitierten vor allem Frauen und Ältere. Manche seien dafür nur in Teilzeit beschäftigt worden.

Im genannten Zeitraum ist in Sachsen ein deutlicher Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu beobachten: Seit 2007 stieg die Zahl der Stellen um 168.111 auf 1,554 Millionen. Zugleich ging im Freistaat – und auch in den anderen mitteldeutschen Ländern – die geringfügige Beschäftigung deutlich zurück. Hatten 2007 noch 228.764 Sachsen einen Minijob, waren es im vergangenen Jahr 9252 weniger. Ähnlich groß fiel der Rückgang in Thüringen und Sachsen-Anhalt aus. Hingegen ist in allen anderen Bundesländern die Zahl der Minijobs angestiegen, am deutlichsten in Bayern (plus 17,6 Prozent und in Hamburg (plus 15,8).

In Sachsen selbst verlief die Entwicklung ebenfalls uneinheitlich. Leipzig hat bei den Minijobbern den deutlichsten Rückgang (minus 15,5 Prozent), weil hier viele sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden sind. Dresden verzeichnetehingegen im genannten Zeitraum einen Zuwachs von 12,9 Prozent bei den Minijobs. Den Anstieg an der Elbe führt Agentursprecher Vollgold auf die Vielzahl von Studenten zurück, die nebenbei arbeiteten. Gleichzeitig habe sich seit 2007 die Zahl derer, die einen Nebenjob zu ihrem Hauptjob ausüben, fast verdoppelt. Als Gründe dafür nennt er die höheren Lebenshaltungskosten in Dresden im Vergleich zu anderen Regionen in Sachsen. Die meisten zusätzlichen Minijobs sind in der Logistik, im Dienstleistungsbereich und im Gastgewerbe entstanden.

Andreas Dunte

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