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Mitteldeutschland Weniger Wohnungen in Thüringen abgerissen - geteilter Markt
Region Mitteldeutschland Weniger Wohnungen in Thüringen abgerissen - geteilter Markt
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19:06 28.01.2012
Sanierter DDR Wohnkomplex (Symbolbild) Quelle: Dietrich Flechtner
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Suhl/Jena/Altenburg

Die Bevölkerung schrumpft. In Erfurt, Jena oder Ilmenau hat die Abrissbirne dagegen Pause. Preisgünstige Wohnungen drohen zur Mangelware zu werden, wo es kaum Abwanderung gibt, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Wohnungsgesellschaften, Kommunen, Behörden und Verbänden. „Es wird weitaus weniger abgerissen", sagte der Direktor des Verbandes der Thüringer Wohnungswirtschaft, Hans-Joachim Ruhland.

„Nach einer ersten Phase mit flächendeckendem Abriss folgt nun ein partieller Rückbau", erklärte der Verbandschef. Durchschnittlich neun Prozent betrage derzeit der Wohnungsleerstand im Freistaat. „Mancherorts haben wir gar keinen." Der 2002 begonnene Stadtumbau Ost sei bis 2013 finanziell abgesichert.

In Thüringen wurden von 2002 bis zum vergangenen Jahr insgesamt 47 132 Wohnungen abgerissen und 140 Millionen Euro in den Rückbau investiert, sagte der Sprecher des Bauministeriums, Fried Dahmen. Im vergangenen Jahr verschwanden 1564 Wohnungen vom Markt, 2010 waren es noch 1750 Wohnungen.

In Suhl gibt es inzwischen 5500 Wohnung weniger. Weitere 3000 sollen laut städtischem Konzept bis 2025 folgen. Mit „Suhl-Nord" soll erstmals in Deutschland ein komplettes Stadtgebiet abgerissen werden. Der Leerstand beträgt dort 15 Prozent, sagt Ralf Heymel, Prokurist der Städtischen Wohnungsgesellschaft (Gewo). In Suhl wird die Einwohnerzahl deutlich sinken - wie anderswo auch. „Engpass droht schon deshalb nicht." Die Menschen ziehe es jedoch in Richtung Innenstadt. Noch herrsche ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage, könnten Wohnungen in allen Preisklassen angeboten werden. „Es bleibt unsere Verantwortung gegenüber Menschen mit kleinerem Geldbeutel", sagte Heymel.

Abrissarbeiten (Symbolbild) Quelle: Dominik Brüggemann

Bis 2013 würden 257 Wohnungen abgerissen - das seien sechs Würfel in Suhl-Nord. Problemtisch sei die betriebswirtschaftlich sinnvolle Vermietung der erst langfristig für den Abriss vorgesehenen, aber durchaus noch nutzbaren Wohnungen. Schon jetzt gebe es Engpässe bei großen Wohnungen, sagt Kerstin Wilhelm vom Suhler Mieterbund.

In Sonneberg gibt es großflächigen Abriss vor allem im Wohngebiet „Wolkenrasen", wo bereits 508 Wohnungen verschwanden. Weitere 77 wurden bereits in diesem Jahr zurückgebaut, berichtete Stadtbaudirektor Heiko Vogt. Betroffen seien auch die Altstadt und die Innenstadt. Durch den Abriss sei teilweise der Leerstand von sieben auf ein Prozent verringert worden.

Bei der Städtischen Wohnungsgesellschaft Altenburg steht derzeit jede fünfte Wohnung leer. „Wir brechen unsanierte Blöcke ab", sagte Sprecher Andreas Große. Ähnlich wie in Suhl trifft es vor allem einen Stadtteil: Altenburg-Nord. In diesem Jahr sollen 80 Wohnungen abgerissen werden. Im städtischen Konzept ist ein Rückbau von mehr als 1000 Wohnungen vorgesehen. „Die Mieter wollen näher in die Stadt", berichtete Große. Probleme mit Ersatzquartieren gebe es nicht.

Für Verbandschef Ruhland steht fest: „Die Leute wollen dort wohnen, wo Arbeit ist." Der Trend gehe weg von Eigenheimen auf dem Land zurück in die Stadt. „Wenn alles stimmt, muss es aber nicht immer die Innenstadt sein." In Jena ist es bereits schwierig, eine Wohnung zu bekommen. Der Leerstand liegt unter fünf Prozent. „Es fehlen preiswerte Quartiere für Studenten", sagte Melanie Pesch von der Stadtverwaltung. Jena habe die Stadtumbauzuschüsse nicht ausgeschöpft und frühzeitig den flächendeckenden Abriss in den Wohngebieten Winzerla und Lobeda gestoppt. 1200 Wohnungen waren da schon planiert.Der Leerstand betrug zeitweise zwischen 12 und 13 Prozent - in einigen Blöcken 40 Prozent, informierte Doreen Noack von „Jena-Wohnen". Die Gesellschaft will jetzt 300 Wohnungen neu bauen. „Mit 4,80 Euro pro Quadratmeter allerdings kein preiswerter Wohnraum." Beliebt bei Studenten seien Winzerla oder Lobeda nicht, berichtete Noack.

Claudia Götze, dpa

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