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Mitteldeutschland Wetterprophet Haslinger Sepp: Schickt mir Königskerzen aus Leipzig!
Region Mitteldeutschland Wetterprophet Haslinger Sepp: Schickt mir Königskerzen aus Leipzig!
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12:58 18.08.2017
Königskerze zu, kein Schnee in Sicht: Der Haslinger Sepp sieht für den kommenden Winter grün! Quelle: Youtube
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Leipzig/Benediktbeuern

Die Königskerze in Oberbayerns Gärten meint es nicht gut mit Skifahrern und Rodelfans: Die Blüten der imposanten Pflanze sind Mitte August fest verschlossen. „Die Königskerze blüht nicht, das heißt, es gibt keinen Schnee“, sagt Naturdeuter Joseph Haslinger. Es könnte sogar ein richtiger Mildwinter werden, wo selbst die Produktion von Kunstschnee in tieferen Bergregionen unmöglich wird. Heißt: Wer Ski fahren will, muss hoch hinaus ins Gebirge.

Kolossal falsche Prognose zum Jahrhundertwinter

Haslinger (75), Hüttenwirt in Rente aus Benediktbeuern, legt sich in seiner Winterprognose für 2017/18 fest. So wie jedes Jahr, wenn er Mitte August den Blütenstand der Königskerzen kontrolliert. Dass er dabei auch schon kolossal danebenlag, wie mit seiner Jahrhundertwinter-Prognose vor zwei Jahren, ficht ihn nicht an. „Mei, da hab i halt mal was falsch kombiniert“, sagt er rückblickend im Gespräch mit LVZ.de.

Hokuspokus? “Nein, das ist jahrhundertaltes Wissen“

Ansonsten sei die Königskerze als Winterprophet alles andere als Hokuspokus: „I hab schon als kleiner Bub und Holzknecht gelernt, wie man die Königskerze richtig deutet. Das ist ein jahrhundertealtes Wissen unserer Väter und Großväter, die damit immer gut gefahren sind.“ In Zeiten, wo es weder Wetter-App noch TV-Meteorologen gab, sei dieses Naturwissen die einzige Möglichkeit gewesen, um die Arbeit im Wald abzusichern. „Die Holzfäller mussten einfach wissen, ob genug Schnee liegt, um die Stämme auf Schlitten ins Tal zu bringen.“

Halbe Sau als Wetteinsatz verloren

Heute registriert der Haslinger Sepp das bundesweite Brimborium um seine Königskerzen-Prophezeiung mit stolzer Zufriedenheit: „Ist doch schön, wenn sich so viele Menschen dafür interessieren.“ Dass er oft genug verspottet wird und bei Falschmeldungen schon mal ein halbes Schwein als Wetteinsatz verlor, nimmt er mit Humor: „I werd trotzdem wieder wetten.“

Leipziger sollen ihm Fotos zuschicken

In diesem Jahr nimmt er sogar die Herausforderung an, regional den Winter vorhersagen zu können. „Den Leipzigern biete ich an: Schickt’s mir Fotos von Euren Königskerzen. I sag dann, wie der Winter bei Euch wird.“ Seine Adresse: Häusernstraße 19, 83671 Benediktbeuern. Wichtig sei aber, dass es die richtige Königskerze ist: Nur die kleinblütige Vebascum Thapsus könne für die Wintervorhersage dienen. „Und sie muss wild wachsen. Man findet sie daher kaum im Garten, eher an Kiesseen oder Bahndämmen, überall wo die Böden mager sind.“

Sie muss es sein: Die kleinblütige Königskerze Vebascum Thapsus. Quelle: wikipedia

Meteorologe Jung lästert: „Kann auch meine Katze fragen“

Ob der Haslinger Sepp tatsächlich am Blütenstand einer Pflanze mehr Wetter erkennen kann als der berühmte krähende Hahn auf dem Mist, bezweifeln Meteorologen. Dominik Jung von Wetter.net lästert: „Da kann ich auch meine Katze befragen.“ Im letzten Winter habe sich Jungs Katze viel Winterspeck angefressen. Seine zweite Katze aber sei rank und schlank geblieben. „Soll ich daraus ableiten, ob es ein harter oder milder Winter wird? Mit Seriosität hat das alles nichts mehr zu tun.“

US-Experten: Milder Winter mit Sturm und Regen

Jung, der sich selbst als einer der wenigen Meteorologen noch an Langzeit-Wettertrends wagt, vertraut für die Wintersaison 2017/18 lieber den Experten des US-Wetterdienstes NOAA. Deren Prognose: Auf Deutschland kommt ein zu warmer Winter zu. Bis zu drei Grad wärmer als normal könnte es werden, dazu viel Regen und Sturmgefahr.

Leipzig: Schon 120 Prozent Regen im August

Fest steht dagegen schon jetzt: Der zu Ende gehende Sommer war vielerorts zu nass. Vor allem die immer wiederkehrenden Starkregenfälle waren das Markenzeichen des Achterbahn-Sommers 2017. In der Region Leipzig hat der August sein Regensoll zudem schon jetzt mit 120 Prozent des üblichen Monatswertes übererfüllt. Tendenz: Der Sommer ist gelaufen – ein stabiles Schönwetterhoch ist bis Monatsende nicht in Sicht.

Von Olaf Majer

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