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Mitteldeutschland Wie Sachsens Städte gegen Müllberge in Parks vorgehen
Region Mitteldeutschland Wie Sachsens Städte gegen Müllberge in Parks vorgehen
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12:31 28.04.2018
Bekanntes Bild in vielen Parks: Müllberge von den Grillpartys und Picknicks des Wochenendes. Quelle: dpa
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Dresden/Leipzig

Mit den ersten warmen Frühlingstagen zieht es die Menschen wieder zum Picknick oder zum Grillen in die Grünanlagen und Parks. Viele von ihnen lassen ihren Müll jedoch einfach liegen. Die Reinigungskräfte haben vor allem nach den Wochenenden viel zu tun. Städte und Kommunen versuchen deshalb, weitere und größere Abfallbehälter aufzustellen. Unangenehm fällt auch die Trinkerszene auf. Doch dagegen vorzugehen, ist nicht ganz einfach. 

Müll-Touren in Leipzigs Parks verdoppelt

Wenn die Temperaturen steigen, verwandeln sich Leipzigs Parks in Party- und Grillplätze. Am nächsten Morgen bleibt vielerorts der Müll zurück. Als Brennpunkte gelten der Clara-Zetkin-Park und der Johannapark. Aber auch im Rabet und im Friedenspark, Lene-Voigt-Park, am Schwanenteich oder in der Lenné-Anlage – im Volksmund Schillerpark – muss die Stadtreinigung häufig die Überreste des Vorabends beseitigen.

Um überquellende Mülleimer zu vermeiden, hat die Stadt seit dem Frühjahr ihre Touren in den Parks verdoppelt. Die städtischen Abfallbehälter in Grünanlagen werden nun an zwei Tagen in der Woche geleert. Die sonstigen Papierkörbe in Leipzig leert die Stadtreinigung nun drei Mal pro Woche – in Grünau sogar vier Mal. An zwei öffentlichen Hundewiesen wurden seit März zusätzlich Abfallbehälter für Tierkot installiert.

Zurück bleiben Einweggrills, Flaschen, Besteck

Im Alaunpark im Szeneviertel Äußere Neustadt in Dresden musste die Stadtreinigung am vorletzten Wochenende im April schon am Sonntag mehrfach anrollen. Das Müllfahrzeug habe die Menge an gebrauchten Einweggrills, Plastik- und Pappgeschirr, Essensresten, leeren Verpackungen, Flaschen, verbrannter Holzkohle und Servietten vom Vortag mit nur einer Tour nicht fassen können, teilte die Stadt auf Anfrage mit. 

Auch im Wasser wird der Müll – illegal – entsorgt. Quelle: dpa

Der Aufruf nur wenige Tage zuvor, Abfälle und Müll bitte nicht einfach liegen zu lassen, war offensichtlich ungehört verhallt. Um dem erhöhten Müllaufkommen während der „besucherintensiven Monate“ Herr zu werden, hat die Stadt jetzt unter anderem fünf Großraummülltonnen aufstellen lassen, die je 1,1 Kubikmeter Abfall schlucken können, wie Sprecher Kai Schulz sagte.

Ähnlich geht es auf den Wiesen am Ufer der Elbe zu, wo die Mitarbeiter der Stadt regelmäßig gegen unerlaubtes Grillen und illegale Lagerfeuer vorgehen. Sie wiesen die Feiernden darauf hin, ihren Müll auch wieder mitzunehmen. Ob diese sich auch daran hielten, dafür gebe es keine Garantie, hieß es.

Müllproblem auch am Elberadweg

Am Elberadweg wurden zwischen Marienbrücke und Diakonissenweg zu den 25 regulären Papierkörben 12 weitere mit einem Volumen von jeweils 800 Litern aufgestellt. „Deren unterirdische Sammelbehälter sind generell immer aufnahmebereit“, sagte Schulz. Allerdings würden die Einwurföffnungen immer wieder verstopft, Abfälle würden darauf und daneben abgelegt.

Auf der Schloßteichinsel in Chemnitz mit einem von neun ausgewiesenen legalen Grillplätzen der Stadt hat das Grünflächenamt den Zyklus für die Säuberung verkürzt und leert die Müllbehälter und Papierkörbe jetzt siebenmal in der Woche. Allein für die Beseitigung der „Grillhinterlassenschaften“ von Frühjahr bis Herbst würden etwa 25 000 Euro zusätzlich veranschlagt, hieß es.

Um gegen die Trinkerszene vorzugehen, hat die Stadt zudem wie schon in den Vorjahren in den Grünanlagen im Zentrum ein Alkoholverbot erlassen, das vom 1. April bis 31. Oktober gilt.

Chemnitz hat das Verbot in einer Grünanlagensatzung geregelt. Görlitz hatte in der Nähe von Schulen und Jugendtreffs Alkohol verboten und das mit dem Jugendschutz begründet. Das hat nicht so gut geklappt. 2017 kippte das Oberverwaltungsgericht Bautzen das Verbot.

Auch Pirna testet Alkoholverbot

Die Städte versuchen dennoch immer wieder den juristischen Schwierigkeiten trotzend solche Verbote zu erlassen. In der Stadt Pirna in der Sächsischen Schweiz etwa gilt im Thälmannpark seit vergangener Woche: kein Alkohol. Ein weiterer innerstädtischer Park soll folgen. „Es hat dort mit der Trinkerszene immer wieder Ärger gegeben“, erläuterte Stadtsprecher Thomas Gockel. „Polizei und Ordnungsdienst mussten anrücken“. Der Stadtrat will das zunächst nur für einen Monat gedachte Verbot bei einer Sitzung Anfang Mai sogar noch verlängern.

Schon in der vergangenen Woche hat der Stadtrat in Plauen im Vogtland im Bereich des Lutherplatzes und des Postplatzes mit den angrenzenden Straßen montags bis sonnabends von 11.00 Uhr bis 23.00 Uhr ein Alkoholverbot beschlossen.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos) war nach dem Misserfolg vor dem Oberverwaltungsgericht beim Städtetag sowie bei Politikern auf Landes- und Bundesebene vorstellig geworden und hatte auf eine Vereinfachung der Regelungen gedrängt. Offenbar mit Erfolg. Laut Innenministerium soll es mit einem neuen Polizeibehördengesetz den Kommunen ab nächstem Jahr einfacher möglich sein, Alkoholverbote zu erlassen. 

Von LVZ

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