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News „Wie komme ich hier raus?“: Sächsin überlebt das Busunglück auf der A 9

Sitzplatz an der Tür „Wie komme ich hier raus?“: Sächsin überlebt das Busunglück auf der A 9

Nur durch einen Zufall hat eine 66 Jahre alte Frau aus Sachsen das Businferno auf der A 9 überlebt. Weil sie den Bus auf den letzten Drücker erreichte, blieb ihr der später rettende Platz in der ersten Reihe.

Der Reisebus ist komplett ausgebrannt.
 

Quelle: dpa

Leipzig. Es ist dieser enorme Krach, der Gabriele Schneider (Name geändert) noch immer in den Ohren dröhnt. Die 66-Jährige aus Sachsen saß am Montag im Unglücksbus von der Autobahn 9 und hat das Inferno bei Münchberg überlebt. Zwei Tage später spricht sie erstmals mit der Leipziger Volkszeitung über den Horrorunfall und kämpft dabei mit den Tränen. Aus Furcht vor einem Medienrummel möchte sie weder ihren tatsächlichen Namen noch ihren Wohnort in die Öffentlichkeit (beides der Redaktion bekannt) tragen.

Gabriele Schneider wollte mit ihrer Freundin vier entspannte Tage am Gardasee verbringen. Zum Busstopp kamen sie auf den letzten Drücker und waren die letzten Teilnehmer der Reise. „Als wir zustiegen, waren nur noch die Plätze in der erste Reihe frei“, berichtet die Rentnerin. Der Bus war um 0.30 Uhr in Weißwasser gestartet und sammelte dann auf seiner Route weitere Reisende in Senftenberg und Dresden ein.

Der Sitzplatz rettet ihr Leben

Vor ihr saß der zweite Busfahrer auf seinem Dienstsitz. Er hatte in Dresden um 4.30 Uhr seinen Kollegen hinters Lenkrad gelassen. Was die Frau noch nicht ahnt, der zufällige Platz auf der rechten Seite, direkt hinter der Tür, hat ihr wohl das Leben gerettet.

Gabriele Schneider nickte zur frühen Stunde immer wieder ein. Irgendwann löste sie auch ihren Sicherheitsgurt. Noch eine halbe Stunde sollte die Reisegesellschaft bis zur ersten Rast fahren, da war es 7 Uhr. Dazu sollte es nicht mehr kommen.

 

Was tun im Notfall?

Mehr zum Thema gibt es hier.

„Ich wurde durch den Riesenkrach geweckt“, so die 66-Jährige. Es ging alles so schnell. Die Rentnerin erinnert sich: „Die Frontscheibe zerbarst, und ich machte einen Satz auf die Haltestange vor mir.“ Neben dem Fahrersitz sieht sie einen Feuerball aufsteigen. Gabriele Schneider hat nur einen Gedanken: „Wie komme ich hier raus?“

Ihr erster Blick geht in Richtung Fahrer. „Er saß wie versteinert auf seinem Sitz und hatte einen feinen Blutstreifen im Gesicht“, berichtet die Frau aus Sachsen. Bei dem Anblick war ihr klar, der Mann kann nicht mehr helfen. Der 55-Jährige gehört zu den 18 Todesopfern des Unfalls.

Der Fahrer schreit: "Rennt alle weg"

Der zweite Busfahrer öffnet schließlich die vordere Tür. Zuerst stolpert Gabriele Schneiders Begleiterin aus dem Fahrzeug und stürzt auf die Straße. Dann rennt auch die 66-Jährige panisch aus dem nun schon brennenden Bus. Der Fahrer schreit draußen immer wieder: „Rennt alle weg“. Doch wohin sollen sie laufen? „Direkt vor uns war ein Hang mit vielen Büschen und oben einem Zaun. Da konnten wir nicht hoch“, sagt die Frau. Instinktiv rennt sie nach hinten die Autobahn hinunter.

Andacht in Dresden

Den Opfern des Busunglücks soll am Samstag mit einem Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche gedacht werden.

Im Bus selbst ist zu diesem Zeitpunkt schon nichts mehr zu erkennen. „Alles war schwarz und voller Ruß“, berichtet Gabriele Schneider. Der zweite Busfahrer gibt trotzdem nicht auf. Ihm gelingt es auch, die hintere Tür von außen zu öffnen und weitere Menschen zu retten. Von innen waren alle Versuche der Reisenden gescheitert, hinaus zu kommen. „Ich habe dann nur noch drei ohrenbetäubende Explosionen gehört und eine riesige schwarze Rauchsäule gesehen“, so die 66-Jährige.

Helfer aus Oberfranken kümmern sich um Passagiere

Die Feuerwehr war zwar schnell vor Ort. „Da konnte aber keiner mehr etwas machen, es war eine einzige Feuersbrunst“, sagt Schneider. Immer wieder fragt sie sich: „Wie viele sitzen noch im Bus“? Am Ende können sich 30 der 48 Insassen retten.

Kurz darauf kümmern sich die Helfer aus Oberfranken um die Passagiere. „Alle waren für uns da. Sie waren so nett und freundlich“, erinnert sich die Frau. Später im Krankenhaus werden sie von einem Großaufgebot empfangen. Dort versorgen Ärzte die Prellungen und Schürfwunden von Gabriele Schneider. Am Tag darauf darf sie wieder nach Hause.

Auch wenn die äußeren Wunden wieder verheilen werden, verarbeitet hat die Sächsin den Unfall noch lange nicht. In der heimischen Wohnung schaut sie sich nach ihrer Rückkehr immer wieder die Berichte im Fernsehen an und ist nach wie vor aufgewühlt. Eine Frage beschäftigt sie nach wie vor: Warum gibt es vor Busreisen keine Sicherheitseinweisung wie in Flugzeugen oder auf Kreuzfahrtschiffen? Wie eine Tür von innen geöffnet und eine Seitenscheibe entfernt werde, habe niemand gewusst.

Von Matthias Roth

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