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Ausbildung zum Orhtopädietechniker: Geschick und Fingerspitzengefühl

Ausbildung zum Orhtopädietechniker: Geschick und Fingerspitzengefühl

Der Nachwuchs fürs Handwerk wird rar. Das bekommt auch Chris Schürmaier zu spüren. Die 45-Jährige beschäftigt zwei Auszubildende, hatte fürs aktuelle Lehrjahr nach einem Orthopädietechnik-Mechaniker gesucht.

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Chris Schürmaier ist Inhaberin des gleichnamigen Sanitätshauses in der Georg-Schwarz-Straße. Dort befindet sich auch die eigene Werkstatt, wo unter anderem Beinprothesen angefertigt werden.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Doch einstellen konnte sie keinen. "Das ist wohl eine Image-Geschichte", sagt sie, "denn über unsere Branche herrscht viel Unwissenheit." Dabei darf sich das Familienunternehmen seit Sonnabend "Bewährter Ausbildungbetrieb im Handwerk 2014" nennen. Titel und Urkunde hat ihm die Handwerkskammer zu Leipzig verliehen.

Chris Schürmaier ist seit 2005 Inhaberin eines Sanitätsfachhandels für Orthopädie- und Rehatechnik, führt den Betrieb bereits in dritter Generation und an vier Standorten in der Messestadt. Und sie ist Chefin über 35 Mitarbeiter. Die Diplom-Kauffrau kümmert sich ums Verkauf- und Marketing-Geschäft im Sanitätshaus an der Georg-Schwarz-Straße 55. Ihr Mann leitet die Werkstatt im Kellergeschoss, hat vom Gipsabdruck bis zur Fertigung und Anpassung der Prothesen alles im Blick. In der Woche surren Bohrmaschine und Schleifgerät an den Werkbänken. In mühevoller Kleinarbeit werden aus vielen Einzelteilen die künstlichen Gliedmaßen zusammengesetzt, die Hydraulik überprüft, Druckstellen ausgeglichen. Die Technikwunder werden aus verschiedenen Stoffen gefertigt: Schaumstoffe, Textilien, Leder, Spezialkunststoffe wie Carbon oder Metalle wie Titan. Im Nebenraum rattert manchmal die Nähmaschine - für eine Bandage oder ein Korsett, das die Wirbelsäule entlasten soll und für Haltung sorgt.

Mag sein, dass sich unter dem Beruf viele nichts vorstellen können. "Wenn wir die nötigen Hilfsmittel bereitstellen, ist man jedoch froh, dass es uns gibt", sagt Chris Schürmaier. Kurz gesagt: Orthopädietechnik-Mechaniker helfen anderen Menschen, trotz körperlicher Beeinträchtigung im Alltag wieder zurechtkommen.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Lehrlinge fertigen nicht nur Prothesen an, also zum Beispiel künstliche Arme und Beine nach Amputationen, sondern stellen auch Orthesen her - Hilfsmittel für einzelne Körperteile, wenn die Gelenke schlapp machen und sie eine Stütze benötigen. Manchmal braucht es nur Schuheinlagen, um wieder fest im Leben zu stehen. Auch die Rhea-Technik sei ein wichtiges Feld, betont Chris Schürmaier: Rollstühle, Treppen-Lifte, Badehilfen, um ein Stück Mobilität zurückzugeben.

"Es ist ein wirklich sehr facettenreicher Beruf", wirbt sie für sich und ihre Branche. Der erfordert nicht nur mathematisches Verständnis und anatomische Kenntnisse. Irgendwie gehören hier auch Geschick und Fingerspitzengefühl zusammen. "Der psychologische Aspekt kommt in der Ausbildung allerdings etwas zu kurz", bedauert Chris Schürmaier. "Es sind viele Orthopädietechniker glücklich, wenn sie anderen Menschen helfen konnten, ihre Schmerzen zu lindern, oder wenn sie es ihnen ermöglicht haben, in den Beruf zurückzukehren." Doch wenn Patienten zum Beratungsgespräch kämen oder die Prothese angepasst werde, flössen nicht selten Tränen. Diese Menschen hätten oft dramatische Unfälle erlebt oder gerade eine schwere Krankheit hinter sich und müssten sich nun mit der neuen Situation arrangieren. "Eine Prothese kann zwar ein fehlendes Körperteil ersetzen. Doch mit ihr wird das Leben niemals wieder so sein wie früher. Sich dies klarzumachen, braucht seine Zeit", betont die Chefin.

Orthopädietechnik-Mechaniker sind auf jeden Fall gefragte Leute. Diabetes sei Volkskrankheit Nummer eins, die mitunter zu Durchblutungsstörungen führe. Amputationen seien da oft die Folge, sagt Chris Schürmaier. "Zwar spüren wir den demografischen Wandel hautnah, es ist aber ein Trugschluss zu glauben, dass nur Ältere auf unsere Dienste angewiesen sind." Der Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen habe Folgen. Negative.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.09.2014

Benjamin Winkler

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